Ausgabe ___ | March 29 2017
22. Januar 2018
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Aussichten und Bedarf öffentlicher Hochschulfinanzierung
  • Nördlich des 49. Breitengrads
  • Studium auf leeren Magen
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit einer Prognose zur Entwicklung der Finanzierung öffentlicher Hochschulen durch die Bundesstaaten in den USA und mit verschiedenen Meldungen aus Kanada. Wir werfen zudem einen Blick auf jüngste Zahlen zur prekären Lebenssituation vieler Studierender in den USA und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Aussichten und Bedarf öffentlicher Hochschulfinanzierung
Während es am Wochenende zu einem „government shutdown” gekommen ist und sich Regierung und Opposition in Washington, DC gegenseitig politischer Geiselnahme bezichtigen, hat mit der American Association of State Colleges and Universities (AASCU) ein bedeutender Verband von aus öffentlichen Mitteln finanzierten Hochschulen mit fast 420 Mitgliedern jetzt einen Ausblick auf die seiner Ansicht nach wichtigsten zehn Entwicklungstendenzen für das noch junge Jahr vorgelegt. Es heißt: „For the first time in the 11-year history of the AASCU Top 10 list, federal policy is the leading issue affecting state higher education policy.” Die Ende 2017 verabschiedete Steuerreform sei in den Auswirkungen auf die Haushalte der Bundesstaaten noch nicht vollständig zu überblicken, doch durch die Streichung verschiedener Möglichkeiten der Abschreibung lokaler und bundesstaatlicher Steuern von den durch die Steuerreform neu geregelten „federal taxes” würden die Steueraufkommen in den Bundesstaaten möglicherweise bedeutend geringer ausfallen.

Diese jüngste Entwicklung addiere sich zu einer insgesamt nicht zufriedenstellenden Entwicklung der Haushalte in den Bundesstaaten, zu der es heißt: „A December 2017 report from the National Association of State Budget Officers (NASBO) indicates that for the fiscal year that ended on June 30, 2017, state budget expenditures grew only 2.3 percent over the previous year, the lowest year-over-year increase in the post-recession era, and 26 states enacted budgets with general spending below 2 percent, while 15 states reduced their budgets.”

Studierende in noch größerem Umfang an der Kostendeckung zu beteiligen, könnten sich die Autoren des Berichts angesichts der anstehenden Verhandlungen um eine Verlängerung des Higher Education Acts und angesichts der Midterm Elections im Herbst nicht vorstellen, denn in beiden Prozessen würde die Erschwinglichkeit des Studiums sicherlich im Mittelpunkt der Diskussion stehen und mit einem „Net Price” (Kosten minus Rabatte, Studienbeihilfen und Vergünstigungen) von derzeit etwa $15.000 pro Jahr für tuition, room and board habe die Kostenbeteiligung die Grenze der Zumutbarkeit erreicht, wenn nicht gar überschritten.
 
Sie finden den Bericht hier.
 
Ein Beitrag im Chronicle of Higher Education ergänzt zu einigen anderen Themen auf der Top-10-Liste: „As if all that weren’t enough for public higher education to worry about, many of the concerns from 2017 remain near the top of the list for states, including sluggish state economies, questions about college affordability, disputes over free speech, and the difficulties of dealing with sexual assault.”
Sie finden den Beitrag unter: https://www.chronicle.com/article/The-Biggest-Problem-for-State/242247
 
Auf der anderen Seite haben Hochschulen eine führende Rolle bei der Strukturentwicklung ihrer jeweiligen Heimatregionen, eine Rolle, die zuletzt wieder im Wettbewerb um die Ansiedlung eines zweiten Firmensitzes des Online-Händlers Amazon deutlich wird. Ein Beitrag befasst sich im Chronicle of Higher Education mit den jeweiligen Gunstfaktoren der nun 20 Finalisten, denen Amazon durch die Ansiedlung 50.000 gutbezahlte Arbeitsplätze verspricht. Es heißt: „The universities and colleges near each finalist may sway Amazon’s headquarters selection. And Amazon said in a statement it is looking for a place with ‘the potential to attract and retain strong technical talent.’ Among the finalists with multiple large, highly ranked institutions are Boston, Chicago, Los Angeles, and New York.”

Sie finden den Beitrag hier.

Nördlich des 49. Breitengrads
Während in den USA das Schicksal der auf eine Gesamtzahl von 800.000 geschätzten „Dreamer” – so werden diejenigen genannt, die als Kinder mit ihren Eltern illegal ins Land gekommen sind – derzeit zu einem Teil der Verhandlungsmasse in der politischen Auseinandersetzung zwischen Republikanern und Demokraten geworden sind, ist man in Kanada bereits einen Schritt weiter. CBC Canada meldet, dass man an York University damit begonnen habe, sich Gedanken über den Zugang von dortigen „Dreamers” zum Hochschulsystem zu machen. Es heißt: „Across Canada (…) there could be anywhere from 200,000 to half a million young people in Canada, whose immigration status is uncertain – the precise number is hard to know – who have little chance of entering Canadian universities.”

Sie finden die Meldung hier.
 
Während südlich des 49. Breitengrads die unter den Schlagworten #MeToo und #TimesUp bekannten gesellschaftspolitischen Prozesse weiter an Dynamik gewinnen, meldet CBC Canada die Einrichtung eines Studiengangs für Masculinity Studies an der University of Calgary. Ginge es nach den Vorstellungen von Michael Kehler, dem Chair of Masculinity Studies an der Werklund School of Education der Hochschule, dann könne Calgary dazu beitragen, eine „new generation detoxified masculinity” heranzubilden. Der Anspruch sei kein geringer und Kehler wird dazu mit den Worten zitiert: „We’re talking about everything from how youth negotiate school locker rooms, issues around adolescent male body image, the ways in which boys understand the messaging about being boys through media, issues around heterosexism in schools, LGBTQ alliances and the like. And the conversation goes on quite broadly.”

Sie finden diese Meldung hier.

In side Higher Education meldet, dass die University of Toronto die Studiengebühren für internationale PhD-Studierende auf das Niveau von „Landeskindern” abgesenkt habe, und schreibt: „[Joshua] Barker [Dean of the School of Graduate Studies] said the tuition rate for domestic Ph.D. students is currently about 8,500 Canadian dollars (about $6,837) compared to about 22,600 Canadian dollars (about $18,179) for international students. He said the change will not affect students in Toronto’s doctor of education, juridical science and musical arts programs.”

Sie finden diese Meldung hier.

Studium auf leeren Magen
Die New York Times zitiert in einem Beitrag auf ihren Bildungsseiten Daten aus einer jüngsten Erhebung unter mehr als 30.000 Studierenden an zwei- und vierjährigen Colleges, derzufolge fast die Hälfte ihre jeweilige Ernährungssituation als „insecure” einschätzten. Es heißt: „An estimated half of all college students struggle with food insecurity, even at elite flagship universities like the University of California, Berkeley, and selective private schools like Northwestern University. (…) The new economics of college led us into this mess. The cost of higher education is at an all-time high, which is in sharp contrast to the declining income and wealth of most American families.”

Dabei sei es auch in der Vergangenheit nicht ungewöhnlich gewesen, dass Studierende nebenher arbeiteten und dass Ramen-Nudelgerichte zu den Eckpfeilern der Ernährung gehörten: „That’s just how it goes. But what is happening today is very different. For decades, many students survived on little to afford college. But over time, the situation worsened to the point where now, hunger and homelessness routinely undermine students’ very ability to learn. Even though a far greater percentage of college students qualify for financial aid than in the past, colleges and states have fewer dollars per student to allocate to them.”

Sie finden den Beitrag hier.
 
Die in den vergangenen Jahrzehnten dramtisch gestiegenen Studienkosten und die damit einhergehenden Implikationen für Bildungschancen und soziale Mobilität, seien laut Untersuchung ausreichend dokumentiert. Die tatsächlichen Lebensbedingungen von Studierenden seien allerdings lange weitgehend unbeachtet geblieben. Hierzu heißt es: „Recent estimates suggest that at least 20% of 2-year college students have very low levels of food security. At least one-third of 2-year students are housing insecure, including up to 14% who are homeless, whereas between 11% and 19% of 4-year students are housing insecure. Most of these students work and receive financial aid (…).”

Sie finden die Untersuchung hier.

Kurznachrichten
Die New York Times berichtet über die Auswirkungen des Skandals um Lawrence G. Nassar auf die Führung der Michgan State University. Nasser, Sportarzt an der Hochschule und Arzt der US-Nationalmannschaft im Turnen, habe sich im November in zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs schuldig bekannt. Nun sei der Hochschulrat von Michigan State nicht mehr einhellig der Meinung, mit der derzeitigen Hochschulpräsidentin Lou Anna K. Simon könne der durch den Skandal eingetretene Vertrauensverlust wieder behoben werden. Ein Mitglied des Hochschulrats wird mit den Worten zitiert: „I don’t feel that President Simon can survive the public outcry that has been generated by this tragedy. I feel that our best recourse is for President Simon to resign immediately in order to allow the healing process to begin.”

Sie finden die Meldung hier.

Ein Beitrag im Chronicle of Higher Education befasst sich ebenfalls mit dem Fall und dem Vertrauensverlust auf Seiten der Studierenden. Es heißt: „This week Michigan State’s student government passed a resolution calling for administrators to ‘take ownership and responsibility for their negligence and willful ignorance in allowing Larry Nassar to commit criminal acts from a university position.’ They called for a leadership change ‘at the highest levels’.”

Sie finden den Beitrag hier.
 
Die New York Times meldet eine Spende in Höhe von $75 Mio. an die Johns Hopkins University in Baltimore und schreibt – Spenden an Hochschulen in zweistelliger Millionenhöhe erregen in den USA ansonsten kaum mehr Aufsehen – hinsichtlich des Nachrichtenwerts: „Bill Miller has donated $75 million to the philosophy department of Johns Hopkins University. The gift appears to be the largest by far to a philosophy department anywhere in the world, the university said. It will allow the department, which will be renamed for Mr. Miller, to nearly double in size, to 22 full-time faculty members, while also supporting graduate students, postdoctoral fellows and new courses aimed at attracting undergraduates.”

Sie finden diese Meldung hier.
 
Mit der Organisation Study Group gibt es einen Verband, der englischsprachige Studienangebote von Hochschulen in den USA, Australien und im Vereinigten Königreich an internationale Studierende vermarktet und dabei vor allem auch US-amerikanische Hochschulen der „zweiten und dritten Liga” vertritt. Für die US-amerikanischen Mitgliedshochschulen hat Study Group nun eine Kampagne mit dem Titel „#YouAreWelcomeHere” gestartet, um der zur Zeit nachlassenden Attraktivität zahlreicher Studienstandorte für internationale Studierende entgegenzuwirken.
 
Sie finden Study Group hier.

Die nach wie vor bedeutende Rolle US-amerikanischer Hochschulen für die USA als einer wissensbasierten Erwerbsgesellschaft geht aus den soeben von der National Science Foundation (NSF) veröffentlichten Science and Engineering Indicators 2018 hervor. Danach leisteten die Hochschule des Landes mit Forschungsausgaben von $83 Mrd. und mit 49% den größten Anteil an der Grundlagenforschung in den USA. Zu der immer mehr multipolar werdenden Welt von Forschung und Entwicklung heißt es darüber hinaus: „While the U.S. led the world in R&D expenditures at $496 billion (26 percent share of the global total), China was a decisive second at 21 percent ($408 billion). China has grown its R&D spending rapidly since 2000, at an average of 18 percent annually. Its focus is geared primarily toward development rather than basic or applied research. During the same time frame, U.S. R&D spending grew by only 4 percent. Although emerging economies start at a lower base and therefore tend to grow much more rapidly, China’s growth rate is exceptional.”

Sie finden die Presseerklärung zu den Science and Engineering Indicators 2018 hier.

Impressum


Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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