Ausgabe ___ | March 29 2017
9. April 2018
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Bildungschancen als Funktion sozialer Zugehörigkeit
  • Was wäre ein faires Einkommen für Spitzensportler an Hochschulen?
  • Wie erfolgreich sind Innovation Centers an Hochschulen?
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit einer bildungssoziologischen Untersuchung zu den zunehmend ungleich verteilten Chancen auf Bildungserfolg in den USA und mit der hypothetischen Frage, was denn in den Top-Ligen des US-amerikanischen Hochschulsports eine wertschätzende Entlohnung für die nebenher auch etwas studierenden Athleten wäre. Wir befassen uns zudem mit der Erfolgsbilanz von Innovation Centers an US-amerikanischen Hochschulen schließlich mit verschiedenen Kurznachrichten der Woche. 

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre und ein frohes Osterfest am kommenden Wochenende.

Stefan Altevogt
Bildungschancen als Funktion sozialer Zugehörigkeit
In einem Beitrag für die New York Times widmete sich David Leonhardt Ende März den zunehmend schlechter werdenden Chancen auf eine erfolgreiche Hochschulbildung für die einkommensschwächeren Teile der US-Bevölkerung. Dies sei nicht zu erwarten gewesen, denn in den vergangenen Jahrzehnten wären vor allem auch aus den einkommenschwächeren Schichten der Bevölkerung immer mehr Studienanfänger an die Hochschulen des Landes gekommen. Selbst an Oberschulen, wo der anschließende Hochschulbesuch eher die Ausnahme denn die Regel gewesen sei, habe sich mittlerweile ganz selbstverständlich die Botschaft etabliert: „College is for you, too. And thank goodness for that message. As regular readers of this column have heard before, college can bring enormous benefits, including less unemployment, higher wages, better long-term health and higher life satisfaction.”
Die schlechte Nachricht sei allerdings, dass der Bildungserfolg für die an Hochschulen strömenden Kinder aus einkommensschwachen Familien unterirdisch sei, obgleich viele von ihnen eigentlich die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium mitbrächten. Das Problem sei: „They often attend colleges with few resources or colleges that simply do a bad job of shepherding students through a course of study.”

Der Beitrag zeigt in einem Schaubild die Entwicklung der vergangenen Jahre in Abhängigkeit vom Familieneinkommen. Hätte sich der Anteil von Kindern aus Haushalten des untersten Drittels der Einkommensverteilung, die sich an einer Hochschule einschrieben, von etwas über 40% bei den Geburtsjahrgängen in den 1970ern auf 50% bei den Geburtsjahrgängen in den 1980ern verbessert, habe sich der Anteil der Studienabschlüsse von 11,3% auf 11,8% fast gar nicht bewegt. Am mittleren Drittel der Einkommensverteilung könne man hingegen ablesen, wie man sich die Entwicklung der Zahlen eigentlich wünsche. Hier entwickelte sich die Zahl der Hochschulbesuche von 65% auf 70% und die der Studienabschlüsse von 25,7% auf 32,5%. Interessant seien schließlich die Zahlen des obersten Drittels der Einkommensverteilung und zwar nicht so sehr, weil der Anteil erfolgreicher Hochschulbesuche von 46% auf 60,1% gestiegen sei, sondern dass sich der Anteil von Hochschulbesuchen von 85% auf 82% rückläufig entwickelt habe.

Leonhardt fasst die Ergebnisse mit den Worten zusammen: „The result is both counterintuitive and alarming. Even as the college-attendance gap between rich and poor has shrunk, the gap in the number of rich and poor college graduates has grown. That shouldn’t be happening.” Von der Trump-Administration sei zum einen nicht zu erwarten, dass sie an den dem Problem zugrundeliegenden Rahmenbedingungen etwas ändern werde, zum anderen könnten die Probleme zum Teil auch auf bundesstaatlicher bzw. kommunaler Ebene angegangen werden. Es gäbe da vereinzelt bereits ermutigende Entwicklungen: „Georgia State has raised its six-year graduation rate sharply. A network of 11 universities, including Kansas, Michigan State and the University of California, Riverside, are working together – imagine that – to share student-success strategies. In New York, community colleges in the CUNY network have created a program that nearly doubled graduation rates.”

Sie finden den Beitrag hier. :

Der Beitrag beruht auf Daten aus einer Untersuchung des Bildungssoziologen Fabian Pfeffer von der University of Michigan in Ann Arbor, in deren Zusammenfassung es heißt: „Despite overall growth in educational attainment and some signs of decreasing wealth gaps in high school attainment and college access, I find a large and rapidly increasing wealth gap in college attainment between cohorts born in the 1970 and 1980s, respectively.”

Sie finden die Untersuchung hier.

In ihrer Rubrik „The Upshot” brachte die New York Times Mitte März die Aufbereitung sozialwissenschaftlicher Daten zur sozialen Mobilität afroamerikanischer Jungen/Männer. Die ernüchternde Zusammenfassung lautet: „Black boys raised in America, even in the wealthiest families and living in some of the most well-to-do neighborhoods, still earn less in adulthood than white boys with similar backgrounds, according to a sweeping new study that traced the lives of millions of children. White boys who grow up rich are likely to remain that way. Black boys raised at the top, however, are more likely to become poor than to stay wealthy in their own adult households.” Bei Frauen sähe es erfreulicherweise deutlich anders aus: „Though black girls and women face deep inequality on many measures, black and white girls from families with comparable earnings attain similar individual incomes as adults.”

Sie finden diesen Beitrag hier.

Ralph Richard Banks interpretiert in einem Beitrag für die New York Times solche Zahlen als einen Beleg wider die These, dass es sich bei der Benachteiligung von Afroamerikanern in den USA mehr um ein sozioökonomisches Problem handelt als um die Folgen eines besonderen Rassismus gegenüber Afroamerikanern. Es heißt: „Across generations, we [African Americans] are less likely than whites to rise and when we do, are more likely later to fall. We seem unable to grasp or preserve economic gains as other groups do, including Latinos and Asian-Americans.”

Sie finden diesen Beitrag hier.

Was wäre ein faires Einkommen für Spitzensportler an Hochschulen?
Der Chronicle of Higher Education stellt in einem Beitrag die hypothetische Frage, was für ein Gehalt ein Studierender bekommen müsste, der vor allem aufgrund seiner athletischen Fähigkeiten an einer Hochschule eingeschrieben sei und für diese Hochschule einen erheblichen ökonomischen Nutzen erziele. Die Rede ist von Spielern in den wenigen Elite-Ligen des Hochschul-Footballs und Hochschul-Basketballs, dort, wo über Fernseh- und Werbeverträge Einnahmen in Milliardenhöhe an eine überschaubare Anzahl von Hochschulen fließen würden, während der statistische Regelfall ja eher defizitäre Sportprogramme an Hochschulen kenne.

Das angemessene Gehalt sei wie gesagt hypothetisch, weil der Hochschulsport grundsätzlich und vorgeblich aus ideellen Gründen derart absolut an einem Amateurstatus der Hochschulsportler festhalte, dass selbst kleinste aus dem zum Teil erheblichen Ruhm einzelner Sportler gezogene Vorteile drakonische Folgen haben könnten. Der ökonomische Nutzen der Sportler für die erfolgreichen Hochschulen sei hingegen nicht hypothetisch. Hierzu heißt es: „The 65 colleges that make up the economic elite of college sports – the members of the so-called Power Five conferences – are awash in an ever-growing torrent of money. Fueled by spiraling television- and licensing-rights fees, these members of the Atlantic Coast Conference, Southeast Conference, Big Ten, Big 12, and Pac-12 saw their athletic-department revenues double in the past 10 years, on the heels of having doubled in the decade before that. (...) The result of this exponential growth is that the average football or men’s basketball player at a major conference college now generates between $1.5 and $2.3 million in revenue for his college per year. Big-time college football and basketball now produce about $8 billion in annual direct revenue. This is nearly 40 percent more than the entire National Basketball Association (the average NBA player makes $6.2 million).”

Hochschulsport habe darüber hinaus auch einen zählbaren Einfluss auf die Fähigkeiten von Hochschulen, erfolgreich Fundraising betreiben zu können. Die für das Einsammeln von Spenden sehr hilfreiche Identifikation mit der jeweiligen Alma Mater beruhe – in einem in Deutschland kaum vorstellbaren Umfang – auf einer Identifikation mit den jeweiligen Frau- und Mannschaften des Hochschulsports. Hierzu heißt es: „How much of that vast sum can be attributed to the extensive good will and considerable publicity college sports generate for these institutions? The answer is necessarily speculative, but development officers at these colleges, who clearly believe that high-profile sports play a key role in their fund-raising efforts, exploit those factors. For example, the $4-billion fund-raising campaign now concluding at the University of Michigan is titled ‘Victors for Michigan’. ‘The Victors’ is the school fight song.”

Selbst wenn man verschiedene, durch die Hochschulsportler verursachte Kosten abziehen würde, wäre laut Autor Jahresgehälter in Höhe von $750.000 in den Spitzenligen des US-amerikanischen Hochschulsports angemessen und wertschätzend.  

Sie finden den Beitrag hier.

Wie erfolgreich sind Innovation Centers an Hochschulen?
Entrepreneurship und Innovation sind Begriffe, die zumindestens zu diskutieren einem Beitrag des Chronicle of Higher Education zufolge in den USA kaum noch eine Hochschule in den USA vermeiden könne. Viele Hochschulen hätten darüber hinaus auch noch erhebliche Mittel zur Einrichtung und zum Betrieb von Innovation Centers in die Hand genommen, in denen Studierende zwar nicht direkt lernen könnten, wie aus dem Thema der Hausaufgabe für das Proseminar oder dem Gespräch am Water Cooler die nächste revolutionäre Geschäfts- oder Produktidee geschnitzt und anschließend auch erfolgreich umgesetzt werden könne. Auch stünde in ihnen nicht die Vermittlung von Praktikumsstellen oder die unmittelbare Hilfe beim Einstieg in das Berufsleben im Vordergrund.

Was die Innovation Centers tatsächlich leisteten, macht der Beitrag am Beispiel des Iona Colleges nahe New York City deutlich, wo das dank einer Spende in Höhe von $15 Mio. gegründete Hynes Institute for Entrepreneurship & Innovation den Studierenden die Fähigkeiten vermitteln würde, die gemeinhin erfolgreiche Unternehmer ausmachten, nämlich Selbstvertrauen, Kreativität und der notwendige Schuss Gewinninteresse. Eine erfolgreiche Absolventin eines Kurses in Entrepreneurship wird zur sich aufdrängenden Frage, ob man so etwas überhaupt lehren und lernen könne, mit den Worten zitiert: „Being in this class I now think that it can be taught, and it can be taught in different ways.”

Beispiele wie dieses – und natürlich die beinahe schon legendären Wechselwirkungen zwischen Stanford University und dem Silicon Valley an der Westküste und zwischen Harvard/MIT und dem Technology Corridor entlang der Route 128 – hätten an zahlreichen Hochschulen zu entsprechenden Fundraising Kampagnen mit dem Ziel der Einrichtung ehrgeiziger und selbstverständlich interdisziplinärer Innovationszentren geführt: „Carnegie Mellon, Brown, and Iowa State Universities, the Rochester Institute of Technology, and the Universities of Connecticut and North Carolina at Chapel Hill are among the institutions that have also established or announced plans for innovation centers that they hope will attract nonbusiness students to the entrepreneurial world.”

Die entscheidende Frage aber, ob man mit den getätigten Investitionen tatsächlich auch die gesteckten Ziele erreichen könne, werde an den Hochschulen derzeit in bekannt akademischer Weise beantwortet, nämlich mit „yes and no”. Matthew J. Mayhew, Professor für Educational Administration an der Ohio State University, erläutere diese Antwort damit, dass auf der einen Seite das Konzept von Innovation durch die Zentren aus rein technologischen Feldern befreit und damit auch sinnvoll auf andere Bereiche ausgedehnt würde, dass aber auf der anderen Seite sich auch Hochschulen nicht den jeweils vorherrschenden Moden entziehen könnten: „Now it [innovation] is like this sexy term that everybody uses.”

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Kurznachrichten
In einem Beitrag stellt die New York Times die Strategien verschiedener Länder bei der Bewältigung von während des Studiums auflaufenden Schulden gegenüber und lässt dabei Schweden, Australien, das Vereinigte Königreich (VK) und die USA in einem virtuellen „Halbfinale“ gegeneinander antreten. Das Ergebnis der Paarung Schweden gegen USA lautet dabei 11-0. Im anderen Halbfinale schlägt Australien das VK mit 8-3 und im Finale siegt Australien gegen Schweden wiederum mit 11-0 (es handelte sich offenbar um eine Mischung aus Handball und Fußball). Die Lehre aus dem Wettbewerb für die USA: „Our panelists agreed that the best student loan repayment system is one that is simple, that is based on students’ incomes, that spreads loan payments over longer periods and that’s able to collect payments automatically through the tax system.”

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Die Brandon University im kanadischen Manitoba meldet, dass sie nicht nur mit einer Erhöhung der Studiengebühren auf eine Kürzung der Grundfinanzierung um 0,9% reagieren, sondern auch das administrative Personal um 15% der Stellen zusammenstreichen wolle. Der Provost der Hochschule mit gut 3.000 Studierenden wird dazu mit den Worten zitiert: „As much as possible, we are insulating students from the direct impact of these unavoidable cuts.”

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In der kanadischen Provinz Alberta genieße derzeit laut Edmonton Journal die Erschwinglichkeit des Hochschulstudiums eine sehr hohe Priorität, abzulesen am seit nunmehr vier Jahren praktizierten Einfrieren der Studiengebühren. Die finanziellen Folgen für die Hochschulen würden dabei von der Provinzregierung aufgefangen: „Provincial government coffers will soften the blow of lost revenue for universities and colleges by handing over $17 million to backfill the cost of the freeze. They’ll also continue with a promised two per cent funding increase to post-secondary institutions.”

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Der Chronicle of Higher Education meldet bemerkenswerte Wachstumspläne in der Fakultät der Auburn University, wo man bis 2020 500 neue Tenure Track Stellen einrichten wolle. Es heißt: „While the number of hires will draw attention, the actual number of faculty members employed at Auburn will grow by about 100 once attrition and retirements are factored in, the university said. University officials expect the 1,144-member faculty to reach 1,250 by 2022. Some of the new hires will take open positions; others will fill new positions.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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