14.12.2020
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Die Themen dieser Woche:

  • Covid-19 und Hochschulen

  • „Snapshot” des Institute of International Education

  • Erfolgreiche Corona-Strategie an Purdue University?

  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns weiterhin mit dem Thema Covid-19 und mit einer Momentaufnahme des Institute of International Education zur Internationalisierung US-amerikanischer Hochschulen im Herbst 2020. Wir werfen zudem einen Blick auf die Corona-Strategie der Purdue University und schließlich wie immer auf Kurznachrichten.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre, eine besinnliche Adventszeit und in diesen Wochen zudem Gesundheit, Geduld und Zuversicht.


Stefan Altevogt
Covid-19 und Hochschulen
Der Covid-Ticker des Chronicle of Higher Education meldet die Entlassung von 339 Hochschulangestellten der George Washington University. Es heißt: „Officials said the layoffs, which spanned many campus units, saved the university $32 million, representing 18 percent of the deficit the institution is trying to close.”
Das University of Massachusetts System melde einen Haushaltsfehlbetrag von $335 Mio. „caused primarily by the loss of housing and dining revenue”.
Mittlerweile, so der Ticker weiter, würden an den Hochschulen des Landes über 6.600 Coronafälle in den Sport-Teams gezählt und auch intensiveres Testen habe die Ausbreitungsgeschwindigkeit kaum verlangsamen können. Es heißt: „The Big Ten Conference [eine von zahlreichen Football-Ligen] (...) tested players and coaches daily (a policy decision that worried some on campuses) but still tallied nearly 2,000 cases this fall.”
Im California State University System werde wohl erst zum Herbstsemester 2021 einen überwiegenden Präsenzunterricht geben, man hoffe allerdings, dass die Verfügbarkeit von Impfstoffen in der ersten Jahreshälfte 2021 eine frühere Rückkehr zur Normalität erlaube. Es heißt: „The announcement deferred any decisions about the mode of instruction for the summer of 2021.”

Sie finden den Ticker hier.

In der kanadischen Provinz British Columbia meldeten laut CBC zahlreiche Hochschulen nun eine Verlängerung der Winterpause um eine Woche. Es heißt: „The University of British Columbia, Simon Fraser University and Capilano University have announced they are extending their upcoming winter breaks, so students and staff can better prepare for another term under pandemic restrictions. Students at all three schools will now be returning to class on Jan. 11 instead of Jan. 4.”

Sie finden die Meldung hier.

Junge Menschen gehörten laut eines Beitrags in der New York Times zwar nicht zu den Hochrisikogruppen für Covid-19, sie würden allerdings als Überträger des Virus ein hohes Risiko für andere darstellen. Der Beitrag befasst sich mit der Entwicklung von Infektionszahlen an Orten, in denen Studierende eine demografisch große Bedeutung hätten. Die von der Zeitung erhobenen Zahlen gäben zu bedenken: „Since the end of August [Beginn des Semesters und folglich Rückkehr der Studierenden an ihre jeweiligen Studienorte], deaths from the coronavirus have doubled in counties with a large college population, compared with a 58 percent increase in the rest of the nation. Few of the victims were college students, but rather older people and others living and working in the community.”

Sie finden den Beitrag hier.

Covid-19 habe sich einem Beitrag des Chronicle of Higher Education zufolge besonders stark auf Einschreibungszahlen von Kindern einkommensschwächerer Familien niedergeschlagen. Es heißt: „This year, 21.7 percent fewer high-school graduates went straight to college compared with 2019, according to a new report from the National Student Clearinghouse Research Center. As year-to-year changes go, that’s huge.”

Sie finden diesen Beitrag hier.
Sie finden die zitierten Zahlen hier.

Ein Beitrag auf Inside Higher Education befasst sich mit der Problematik, dass durch Covid-19 deutlich in den virtuellen Raum verschobenen Unterrichts- und Testmethoden deutlich anfälliger für akademisch unehrenhaftes Verhalten seien. Statt allerdings in ein technologisches Wettrüsten mit denjenigen einzutreten, die es mit dem honor code nicht so genau nähmen, sollten sich die Lehrenden um eine bessere Einbindung der Studierenden kümmern und ihre Lehre so zu verbessern, dass der Bedarf nach Pfusch sinke. Auch im Cyberspace müssten die Lehrenden persönlich und positiv bleiben: „Talk about the importance of integrity, ethics, and authenticity with your students. Make it personal and positive; students don’t respond as well to threats of punishment.”

Sie finden diesen Beitrag hier.
„Snapshot” des Institute of International Education
In Ergänzung seines Internationalisierungsberichts „Open Doors“ veröffentlicht das Institute of International Education (IIE) seit einigen Jahren auch einen sog. „Snapshot“, der einen Ausblick auf das liefert, was für die Open Doors-Ausgabe des jeweils kommenden Jahres erwartet werden kann. Der Snapshot ist in diesem Jahr von besonderem Interesse, weil Open Doors 2020 auf Zahlen des Herbsts 2019 beruhten, also der Zeit vor Covid-19. Der Snapshot reflektiert hingegen Ergebnisse einer Umfrage aus dem Herbst 2020 und lässt daher eine fundiertere Vermutung darüber zu, wie sich die Corona-Krise auf die Internationalisierung US-amerikanischer Hochschulen ausgewirkt hat bzw. auswirken wird.
Während Open Doors auf Input von fast 3.000 Hochschulen beruht, bezieht der Snapshot seine Daten aus den Antworten von 700 repräsentativ ausgewählten Einrichtungen.
Die Ergebnisse sind in einigen Teilen – wie vielleicht schon befürchtet – erschreckend. So sind die Neueinschreibungen internationaler Studierender an US-Hochschulen im Herbst 2020 um 43% gefallen, wobei zahlreiche der internationalen Studienanfänger die Gelegenheit virtueller Seminarräume nutzten und nicht in die USA reisten. Wie hoch allerdings auch der physische Aufenthalt eingeschätzt wird, zeigen Zahlen zur Verschiebung des Studienbeginns (Deferral). Hierzu heißt es: „90 percent of institutions report international student deferrals in Fall 2020. Responding institutions indicate that nearly 40,000 students have deferred enrollment to a future term.” Insgesamt liege die Zahl an US-Hochschulen eingeschriebener internationaler Studierender (gleichgültig, ob sie physisch präsent waren oder per Fernstudium teilnahmen) um 16% unter den Vergleichszahlen des Vorjahres.
Die Hochschulen reagierten laut Snapshot auf die Gefahr, mit den internationalen Studierenden auch eine liebgewonnene Säule für die Hochschulfinanzierung zu verlieren, und sie intensivierten mehrheitlich ihre jeweiligen Rekrutierungsbemühungen. Zu den Strategien der Rekrutierungsbemühungen heißt es: „Over half of all responding institutions are leveraging current international students (68 percent), online recruitment (58 percent), social media (56 percent), Education USA (53 percent), and international partnerships (53 percent) for outreach and recruitment.“
Interessant ist zudem das Ergebnis, dass 56% der Einrichtungen bei der Rekrutierung internationaler Studierender auch die Oberschulen der USA und die dortigen Gastschüler im Blick haben. Weniger überraschend ist hingegen der Fokus von Rekrutierungsbemühungen der Hochschulen auf Länder wie China, Indien und Vietnam.

Sie finden den Snapshot hier.
Erfolgreiche Corona-Strategie an Purdue University?
Im Mai hatte der Präsident von Purdue University und ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaats Indiana, Mitch Daniels, in einem Beitrag für die Washington Post dargelegt, mit welcher Strategie Purdue für den Herbst die Rückkehr zu einem weitgehend „normalen“ Präsenzunterricht der Studierenden ermöglichen wolle. Er schrieb seinerzeit: „Forty-five thousand young people – the biggest student population we’ve ever had – are telling us they want to be here this fall. To tell them, ‘Sorry, we are too incompetent or too fearful to figure out how to protect your elders, so you have to disrupt your education,’ would be a gross disservice to them and a default of our responsibility.”
Mittlerweile lässt sich absehen, dass die Strategie an Purdue erfolgreich gewesen ist, und ein Beitrag des Chronicle of Higher Education fragt daher: „Does That Mean Mitch Daniels Was Right?“ Daniels selber würde das sicherlich so unterschreiben wollen, schließlich seien – im Gegensatz zu vielen anderen Hochschulen – weder Entlassungen noch Kurzarbeit notwendig gewesen und in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter der Hochschule habe er ihnen gratuliert, dass man nicht auf Grund hoher Infektionszahlen während des laufenden Semesters auf virtuelle Formate hätte umstellen müssen.
Der Beitrag zeichnet nach, welcher Aufwand an Purdue getrieben wurde, diesen Erfolg sicherzustellen. Es heißt: „Purdue was able to do this by spending $50 million on testing, as well as the improvements to the physical and technological infrastructure to minimize the possibility of viral spread on campus, such as reconfiguring classrooms for more social distancing and adding plexiglass barriers for students. The dining halls became carry-out only and the university set up tents around campus to provide outdoor space for eating and studying. If students did test positive, the university had not only dedicated space for quarantine, but provided them with extra medical and academic advising.”
Der Beitrag vergleicht die Infektionszahlen von Purdue (fast 2.800 zwischen Anfang August und Ende November) mit denen an einer vergleichbaren Einrichtung der University of Illinois (3.900 im selben Zeitraum) und konstatiert, dass sich diesbezüglich die Strategie an Purdue als erfolgreich erwiesen habe. Doch sei dieser Erfolg mit Einbußen an anderer Stelle erkauft worden, denn laut Vorsitzender des Senats der Hochschule habe man Anwesenheit und Beteiligung der Studierenden aus Gründen des Infektionsschutzes geringer bewerten müssen und damit auch die Motivation für die Studierenden gedämpft. Für die Fakultätsmitglieder habe die Strategie bedeutet: „Anxiety is up and research productivity is down.” Man könne daher nicht ohne Vorbehalte von einem Erfolg der Strategie an Purdue University sprechen und für das kommende Frühjahr stünden die Erfolgsaussichten an Purdue unter einem vielleicht noch ungünstigerem Stern: „There are signs, though, that the spring semester will provide even greater challenges, given the rapid rise in Covid-19 cases across the country.“

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Sie finden das zitierte Op-Ed in der Washington Post hier.
Kurznachrichten
Ein Beitrag auf Inside Higher Education fragt, warum die Auburn University in Louisiana unter ihren Studierenden lediglich 5% Afroamerikaner zähle, wo doch der Bundesstaat einen Anteil von 26% an Afroamerikanern an der Gesamtbevölkerung aufweise. Dies zeitnah und mit konkreten Schritten unterlegt zu ändern, habe sich nun eine Koalition aus Ehemaligen der Hochschule zusammengeschlossen. Es heißt: „The coalition asked for several changes from the university in a meeting, including: Increase Black freshman enrollment by 25 percent per year starting next fall. (...) Fire leadership in the Office of Inclusion and Diversity. Rename buildings associated with slavery or the Ku Klux Klan.”

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In der kanadischen Provinz Ontario ist laut CBC ein Streit um eine mögliche Akkreditierung des Canada Christian College entbrannt, nachdem die Provinzregierung unter Premier Doug Ford ein entsprechendes Gesetz erlassen habe. Es heißt: „College president and evangelical pastor Charles McVety has been an outspoken Ford supporter since 2018. (...) Former premier Kathleen Wynne has condemned the legislation, saying McVety has made derogatory comments about the LGBTQ community and Muslims in the past.”

Sie finden die Meldung hier.

Die New York Times vermutet, dass sich an der Frage des Umfangs eines erwarteten Erlasses von Studienschulden innerhalb der Demokraten Streit entzünden werde. Es heißt: „Democratic leaders are pressing the president-elect to cancel $50,000 in debt per student borrower by fast executive action, but he wants Congress to pass more modest relief.

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Researchinfosource hat die jüngste Ausgabe ihres Rankings kanadischer Forschungshochschulen herausgegeben. In absoluten Zahlen ist nach wie vor mit deutlichem Abstand die University of Toronto die drittmittelstärkste Einrichtung (Can$1,09 Mrd.) vor der University of British Columbia (Can$624 Mio.) und McGill University (Can$606 Mio.). Rechnet man die Drittmittel je Fakultätsmitglied bzw. Graduate Student, ergibt sich ein anderes Bild. Hier führt mit deutlichem Abstand und wegen der institutionellen Besonderheit das Institut national de la recherche scientifique (INRS) als Forschungseinrichtung des Université du Québec Systems (Can$482 K bzw. Can$108 K) vor McMaster University (Can$404 K bzw. Can$75 K) und der University of Toronto (Can$399 K bzw. Can$56 K).

Sie finden die Liste hier.

Statt eines Grußes für die anstehenden Festtage habe Joseph Epstein, Emeritus der Northwestern University, laut Inside Higher Education im Wall Street Journal eher eine Stinkbombe platziert, nämlich seinen Erfahrungsbericht, wonach Professoren an US-Hochschulen gerne auch mal $200.000 pro Jahr für „essentially a six-month job, and without ever having to put in an eight-hour day” erhielten. Inside Higher Education hält dem Zahlen der American Association of University Professors (AAUP) entgegen, deren jüngster Faculty Compensation Survey aussage: „On (...) research-intensive campuses, the average salary for full professors (not assistant or associate professors) last year was $196,000, according to the AAUP. Associate professors on such campuses made $119,000 on average. Assistant professors made $105,000. At public doctoral institutions last year, the average full professor salary was $141,000. Associates made about $97,000. Assistants made $84,000. Full-time instructors made about $63,000, while lecturers made about $57,000.”

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Sie finden die Zahlen hier.
Den Beitrag von Epstein finden Sie hier.