Die Politik des U.S. Department of Education konzentrierte sich unter Leitung von Bildungsministerin Betsy deVos vor allem auf zwei Themenbereiche. Zum einen sollten die Arbeits- und Profitbedingungen für den gewinnorientierten Teil der Hochschullandschaft gegenüber der Entwicklung während der Vorgängerregierung wieder verbessert werden, zum anderen hatte man sich vorgenommen, die unter dem Stichwort „Title IX” bekannten Regelungen für Hochschulen zum Umgang mit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens so zu modifizieren, dass die i.d.R. männlichen Beschuldigten mehr Rechte bekommen.
Während letztere Entwicklung zum Teil auch in Kreisen der Demokraten als Stärkung rechtsstaatlicher Prinzipien begrüßt wurde, waren die Maßnahmen zu Gunsten der gewinnorientierten Privatwirtschaft und auf der anderen Seite zu Lasten des Verbraucherschutzes (Schutz von potenziellen Studierenden vor ruinösen Studienangeboten) leicht als reine Interessenspolitik zu erkennen. Die Obama-Administration hatte – infolge einiger Gerichtsentscheidungen wohl vergeblich – versucht, über die sog. „gainful employment rule” und die Regelung der Akkreditierung den Verbraucherschutz zu stärken, während deVos hier klar andere Prioritäten setzte.
Wirklich geholfen haben die bisherigen Maßnahmen des Bildungsministeriums dem gewinnorientierten Sektor der US-amerikanischen Hochschullandsschaft wohl noch nicht, wie eine Meldung aus der New York zuletzt zu vermuten nahelegt. Es heißt: „The for-profit college chain Education Corporation of America said this week that it would shut down nearly all of its schools, leaving almost 20,000 students with partially completed degrees and credits that many other schools will not accept. (…) The shutdown was the largest failure of a for-profit chain since 2016, when ITT Technical Institutes went bankrupt. (…) Its abrupt collapse came at an otherwise promising time for for-profit schools: The Education Department is reversing a regulatory crackdown that pushed several of the nation’s largest chains into bankruptcy in recent years.”

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DeVos hatte dabei auch immer wieder ihre Ansicht durchblicken lassen, dass es nicht Aufgabe des Staates sei, Studienschuldner, die aufgrund möglicherweise irreführender Studienangebote in Not geraten seien, finanziell zu entlasten. Ein Beitrag im Chronicle of Higher Education macht in dieser Woche allerdings deutlich, dass die Ministerin – wenn auch unter Druck von Gerichtsentscheidungen – ihren Widerstand gegen die noch unter Obaman initiierte „borrower defense rule” aufgeben werde. Es heißt: „The Trump administration’s Education Department announced on Thursday that it would begin notifying the borrowers on Friday that it is canceling about $150 million in federal loan debt, with about $80 million of that sum owed by students who attended the now-defunct Corinthian Colleges Inc.”

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Abseits der Politik des Bildungsministeriums gab es im Rahmen eines Gerichtsverfahrens gegen Harvard University im Laufe des Jahres interessante Einblicke in die „Black Box” der Zulassungsverfahren bei hochkompetitiven Hochschulen, denen sich ein Interview des Chronicle of Higher Education mit Noble Jones, dem Autor eines Papers mit dem Titel „Inside the Black Box: The Garbage Can Model of Decision-Making in Selective College Admissions”, rückblickend widmet.
Zur Metapher der Mülltonne greife er in der Tradition einer bereits Anfang der 1970er Jahre etablierten Theorie über Entscheidungen in komplexen Systemen wie Krankenhäusern oder Hochschulen, deren Rahmenbedingungen er mit „organized anarchy” bezeichne. Innerhalb dieser „organized anarchy” würden dann Zulassungsentscheidungen auch entlang subjektiver Kriterien wie „good fit” oder „intellecutal fire” getroffen, was – wie im Verfahren gegen Harvard deutlichen geworden sei – durchaus zu Frustrationen führen könne.
Hinzu käme schließlich noch, dass die jeweils in sich nicht immer objektivierbaren Entscheidungen in Kontexten anderer Entscheidungen fallen würden. Er wird zu diesem Aspekt mit den Worten zitiert: „The extent to which dynamic linkages exist between applicants surprised me a bit. The decision made about one applicant may affect the outcomes of other applicants, and vice versa. Also, over time, there’s a progression of the committee. The needs of the institution may have already been addressed by prior admissions decisions. This adds to the ambiguity. Right now the institution might have 10 trombonists on the campus, so it’s not a dire need to admit another one to keep the band rolling. The context of each decision is not just, Where is the student applying from? It’s also, Contextually, where does that applicant fall within all the other characteristics of the applicant pool right now?”

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