Ausgabe ___ |  March 29 2017
17. Juli 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Indirekte Forschungskosten und Hochschulfinanzierung
  • Public-Private Partnerships als Modell für Hochschulentwicklung
  • Universitäten kooperieren mit Google
  • Kurznachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit der Diskussion über indirekte Forschungskosten, folglich auch ihrer Rolle bei der Hochschulfinanzierung, und mit Public-Private Partnerships als Modell für Hochschulentwicklung. Wir werfen zudem einen Blick auf die Einbindung klassischer Wissensproduktionssysteme in die Entwicklung künstlicher Intelligenz und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt

Indirekte Forschungskosten und Hochschulfinanzierung
Mit der Association of Public and Land-grant Universities (APLU) nahm in der vergangenen Woche ein wichtiger US-amerikanischer Hochschulverband zur derzeit laufenden Debatte um die Finanzierung sogenannter „indirect costs” im Zuge von Forschungsförderung durch die National Institutes of Health (NIH) Stellung. APLU-Präsident Peter McPherson wird in einer Presseerklärung mit den Worten zitiert: „In rejecting the proposal to dramatically slash federal funding for facilities and administrative (F&A) expenses, the House Appropriations Subcommittee on Labor, Health and Human Services, Education, and Related Agencies made it clear that it recognizes these are actual research costs universities incur.”

Sie finden die Erklärung  hier.

Der Chronicle of Higher Education erläutert in einem Beitrag, um was es bei der Debatte um „indirect costs” geht, wer sie losgetreten hat und welche Beträge auf dem Spiel stehen, die derzeit noch als indirekte Kosten zusammen mit direkter Forschungsförderung aus dem Bundeshaushalt an die Forschungshochschulen des Landes fließen. In seinem Entwurf für das im Oktober beginnende Haushaltsjahr 2018 habe Präsident Trump das Budget für die NIH um $5,8 Mrd. (18%) gekürzt, ein Betrag der nahe an den $6,4 Mrd. läge, die die NIH neben den $16,9 Mrd. an direkter Forschungsförderung an „indirect costs” an die Universitäten gäben. Die Höhe der „indirect costs” werde dabei zwischen den einzelnen Hochschulen und den NIH verhandelt und lägen typischerweise bei 50% der direkten Förderung. Damit würden über die „indirect costs” ein wesentlicher Bestandteil der tatsächlich an den Hochschulen durch die Forschung entstehenden Kosten vom Bundeshaushalt übernommen und deren Streichung bzw. Reduzierung würden entsprechende Löcher in die Budgets der Forschungshochschulen reißen.
Bislang hätte der Konsens darüber noch immer den vielschrittigen Entstehungsprozess von Bundeshaushalten überstanden, doch es sei nicht einfach. Es heißt: „Even the NIH’s director, Francis S. Collins, has expressed frustration with the inability of some lawmakers to understand that indirect-cost payments are a central element of the longtime cost-sharing partnership between the government and research universities.” Jetzt habe Trump hier Einsparpotenziale entdeckt (private lebenswissenschaftliche Forschungsförderer wie das Howard Hughes Medical Institute zahlen 10% an „indirect costs”), doch im House of Representatives sei der zuständige Bewilligungsausschuss dagegen der Ansicht, dass die NIH auch weiterhin „to the same extent and in the same manner“ indirekte Kosten bezahlen können und im kommenden Haushaltsjahr mit $35,2 Mrd. ausgestattet werden sollten.

Sie finden den Beitrag  hier.

Der andere wichtige Verband von Forschungshochschulen in den USA, die Association of American Universities (AAU), sieht ebenfalls die derzeitige Kostenverteilung als nicht verhandelbar an und schreibt in einer Erklärung: „AAU works with its members to help explain the how the federal government supports both the direct and indirect costs of federally funded research. The Association also works to ensure that F&A [Facilities and Administrative = indirect] costs reimbursements are sufficient to support the physical and administrative infrastructure necessary for universities to continue to conduct research on behalf of the government.”

Sie finden diese Erklärung  hier.

Public-Private Partnerships als Modell für Hochschulentwicklung
Inside Higher Education befasst sich vor dem Hintergrund der jüngsten Jahrestagung der Society for College and University Planning mit der Erfahrungslage im Hinblick auf Public-Private Partnerships (P3s) als Modell für Hochschulentwicklung und schreibt: „Public-private partnership models are continuing to proliferate as cash-strapped colleges and universities seek to replace or update aging and outdated infrastructure amid tight finances. That proliferation is on display in many of the large development projects institutions announce, like the ambitious billion-dollar-plus campus expansion plan the University of California, Merced, unveiled last year that uses a public-private partnership to build and operate new facilities.”

Entsprechend habe man sich auf der Tagung in zahlreichen Sessions mit dem Thema befasst und immer wieder sei hervorgehoben worden, dass P3s aus sich heraus nachhaltig konzipiert sein müssten und nicht nur ein Weg für die Hochschule, Teile der Infrastruktur außerhalb der Bilanzhülle einzurichten und zu betreiben.

P3s seien an Hochschulen bislang als Struktur zur Errichtung und zum Betrieb von Studentenwohnheimen bekannt, wobei den Hochschulen entgegenkäme, dass sie weniger Risiken in einem Geschäftsfeld zu tragen hätten, das nicht im Zentrum universitärer Kernkompetenz läge. Auch ließe sich bei Wohnheimen der mit P3s für die Hochschule einhergehende Verzicht auf Kontrolle leichter verkraften, leichter zumindestens als bei zentralen universitären Einrichtungen wie Laboren, Bibliotheken etc.

Als ein gelungenes Beispiel einer über Studentenwohnheime hinausgehenden P3 wird der Bau eines Hotels mit 150 Betten, Konferenzzentrum und Restaurant an der California State University in Northridge im Gesamtumfang von $52 Mio. zitiert. Die Hochschule werde dafür dem privaten Immobilienentwickler ein Grundstück auf dem Campus für 65 Jahre zur Verfügung stellen. Das wolle gut durchdacht sein und die das Beispiel anführende Rednerin wird aus ihrer Session denn auch mit den Worten zitiert: „Keep in mind your relationship with your developer is 30, 60, 90 years. Anybody been married for that long?”
Bei derartig langfristigen Verpflichtungen sollte man sich stets auch die langfristigen Vorteile für beide „Ehepartner” vor Augen führen: „Deals that include long-term operating agreements can mean private companies hire employees to staff buildings, a cheaper proposition than hiring state employees who receive more generous benefits. (…) The private sector is in the habit of building cash reserves and updating buildings on a 10-year cycle. Universities can be tempted to defer maintenance as they address other budget priorities.”

Sie finden den Beitrag hier.

Universitäten kooperieren mit Google
Die Firma Google bzw. das von ihr abgeleitete Verb „googeln” hat es mittlerweile fast in den Rang eines epistemologischen Begriffs geschafft und dies, obgleich das Geschäftsmodell zunächst einmal „nur” auf das Absuchen bestehenden Wissens und die Sortierung der Suchergebnisse beschränkt war. Die Entwicklung dafür notwendiger Programme war neben der Bevorratung riesiger Datenmengen die Kernkompetenz von Google. Mit der Erweiterung des Firmenportfolios um den Geschäftsbereich „künstliche Intelligenz” (Artificial Intelligence bzw. AI) durch Zukäufe von Firmen wie DeepMind Technologies aus London hat Google vor drei Jahren allerdings den Weg in eine Zukunft beschritten, auf dem einem traditionell vor allem auch Universitäten als Orte von Wissenserzeugung begegnen.
In dieser Woche meldete der Edmonton Journal, dass die AI-Sparte von Google gemeinsam mit den drei Wissenschaftlern Rich Sutton, Michael Bowling und Patrick Pilarski von der University of Alberta (U of A.) in Edmonton ein zunächst 10-köpfiges Labor für künstliche Intelligenz aufbauen werde. Jonathan Schaeffer, der Dean of Science der U of A., wird dazu mit den Worten zitiert: „This is a huge reputational win for the University of Alberta. We’ve been one of the best AI research centres in the world for more than 10 years. The academic world knows this, but the business community doesn’t. The DeepMind announcement puts us on the map in a big way.”

Der Beitrag beantwortet dabei auch zwei sich aufdrängende Fragen. Die erste, die nach dem Wert der Wette auf AI innerhalb des Google-Portfolios, wird mit „angeblichen $650 Mio.” beantwortet, die Google vor drei Jahren für DeepMind ausgegeben habe und damit, dass der Chef von Google, Larry Page, persönlich in die Verhandlungen zur Übernahme involviert gewesen sei. Die zweite Frage, die nach der U of A. als idealem Kooperationspartner für Google in Sachen AI, beantwortet der Beitrag mit den Sätzen: „The answer starts with Rich Sutton, truly one of the world’s leading experts on reinforcement learning – teaching a computer with ‘rewards’ and ‘punishments’ to learn by experience, as a child or a pet would.”
Gemeinsam mit Bowling und Pilarski sei in Sutton die richtige Mischung und die kritische Masse an Expertise an der UofA vorhanden gewesen, die DeepMind gerne im Paket an seinen Standort in die englische Hauptstadt geholt hätte. Die drei seien jedoch nicht zum Umzug bereit gewesen: „So DeepMind is coming to them.” Der Grund für die Ortsverbundenheit der drei sollte allerdings auch nicht unterschlagen werden: „Over the last 15 years, the Alberta government has invested $40 million in AI and machine learning research, mostly at the U of A. (That steady funding, in fact, was what lured Sutton and Bowling here in the first place.) It was a gamble by the (...) government (...) that may now be paying off.”

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Der Chronicle of Higher Education meldet, dass die „Campaign for Accountability (CfA)” ihre Liste mit finanziellen Verpflechtungen zwischen Google und Akademia nach zahlreichen Einwänden aktualisiert habe, und schreibt: „A group that created a list of scholars who’d received money from Google has updated the database in response to critics, including professors who said they didn’t belong on the list.”

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CfA ist nach eigenen Angaben eine „nonpartisan watchdog organization that uses research, litigation and aggressive communications to expose misconduct and malfeasance in public life”, und schreibt im Hinblick auf die Notwendigkeit der „Google Academics Inc.” genannten Übersicht: „Google uses its immense wealth and power to attempt to influence policy makers at every level. At a minimum, regulators should be aware that the allegedly independent legal and academic work on which they rely has been brought to them by Google.”

Sie finden die Presseerklärung zur aktualisierten Ausgabe hier.

Kurznachrichten
Das bei der National Science Foundation (NSF) angesiedelte National Center for Science and Engineering Statistics (NCSES) hat jüngste Zahlen zu den in den USA erworbenen Promotionen in den Natur-, Ingenieur- und Lebenswissenschaften (SEH für Science, Engineering and Health) veröffentlicht und schreibt: „In 2015, an estimated 1,047,900 individuals worldwide held U.S. research doctoral degrees in science, engineering, and health (SEH) fields – an increase of 13% from 2013. (...) Overall, 920,050 of the SEH doctorate holders were residing in the United States and 127,800 (12%) in a foreign country.” Zur nach wie vor hohen internationalen Attraktivität des Forschungsstandorts USA und seiner Abhängigkeit vom weltweiten Zufluss von Talenten heißt es: „Overall, nearly 40% of U.S-trained SEH doctorates were born in a foreign country, though a majority (73%) remained in the United States after receiving their first SEH doctorate.”

Sie finden die Zahlen hier.

Der Chronicle of Higher Education hat aktuelle Zahlen zu Einkommen an den Spitzen von mehr als 250 öffentlich finanzierten Hochschulen in den USA herausgegeben. Die Liste wird derzeit vom Präsidenten der Arizona State University, Michael Crow, mit $1,55 Mio. angeführt und zählt weitere sieben Präsidenten öffentlicher Universitäten mit Jahreseinkommen von mehr als einer Mio. Dollar auf.

Sie finden diese Zahlen  hier.
 
Die New York Times berichtet in einem Beitrag über die Folgen von Protesten an der Universtiy of Missouri vor knapp zwei Jahren, die sich gegen die Benachteiligung von Minderheiten richteten und zum Rücktritt der Hochschulleitung führten. Es heißt: „Freshman enrollment at the Columbia campus, the system’s flagship, has fallen by more than 35 percent in the two years since. The university administration acknowledges that the main reason is a backlash from the events of 2015, as the campus has been shunned by students and families put off by, depending on their viewpoint, a culture of racism or one where protesters run amok.”

Sie finden diesen Beitrag hier.
 
Times Higher Education zitiert Ergebnisse einer internationale Umfrage der Association of MBAs, wonach 20% der Business Schools defizitär betrieben würden. Zu den Gründen, warum man vor allem im Undergraduate-Bereich Verluste in Kauf nehmen würde, heißt es: „They [Undergraduate Programs] reflect well on the school and its postgraduate programmes in general, help to generate closer links to industry, and produce a highly supportive alumni network with high-level connections in the international corporate world.”
 
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CBC News berichtet eine wachsende Bedeutung von Studiengebühren internationaler Studierender bei der Finanzierung der Hochschulen der kanadischen Provinz Ontario und schreibt: „Total revenue from international students' tuition fees more than doubled in a four-year stretch, shooting upward from $620 million in 2011-12, to $1.28 billion in 2015-16, the most recent year for which statistics are available.” Ein Zusammenhang zwischen nachlassenden Bemühungen bei der Grundfinanzierung der Hochschulen durch die Provinzregierung und den steigenden Studiengebühren für internationale Studierende sei dabei nicht von der Hand zu weisen: „The total operating grant provided by the province to Ontario universities has effectively been frozen for the past decade, increasing only with inflation, while revenues from foreign students have shot up.”

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In einem Beitrag zur Rolle von Bildung bei der Verfestigung gesellschaftlicher Schichtungen in den USA schreibt David Brooks in der New York Times: „Over the past generation, members of the college-educated class have become amazingly good at making sure their children retain their privileged status. They have also become devastatingly good at making sure the children of other classes have limited chances to join their ranks.” Zum Aspekt der Förderung des eigenen Nachwuchses verweist er auf die seit 1996 um 300% gestiegen Bildungsausgaben in den wohlhabendsten Schichten, während die entsprechenden Ausgaben in den einkommensschwächsten Schichten weitgehend gleich geblieben seien. Das Fernhalten einkommensschwächerer Schichten von adäquater Bildung geschehe weitgehend über „residential zoning restrictions”. Es heißt: „Well-educated people tend to live in places like Portland, New York and San Francisco that have housing and construction rules that keep the poor and less educated away from places with good schools and good job opportunities.”

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Auf den Pie News ist man gemeinsam mit Experten der Ansicht, dass Kanada auch dann neue Rekordzahlen internationaler Studierender hätte vermelden können, wenn Hillary Clinton die US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen gewonnen hätte. Es heißt: „These experts argue that Canada’s low currency, welcoming immigration policies, and streamlined visa processing are the key forces behind the country’s skyrocketing international enrolments.” Die Zahlen von Studierenden aus Indien etwa seien in einem Jahr um 57% gestiegen, die aus Vietnam um 55%. Diese Sprünge seien alleine durch den „Trump-Effekt” nicht zu erklären.

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Inside Higher Education meldet die Schließung eines Coding Bootcamps des gewinnorientierten Hochschulbildungsanbieters Kaplan und schreibt: „The closure of Dev Bootcamp likely will raise doubts about the overall viability of an industry many have seen as a promising new form of postsecondary education and job training. Some of the larger coding and skills boot camps, such as General Assembly and Galvanize, are relatively well established and appear to be growing. But an industry expert predicted other consolidations or closures will follow.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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