Ausgabe ___ | March 29 2017
7. Mai 2018
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Hilfe zur Selbsthilfe: Studienführer für „1st Gen Students”
  • Wachsende Kluft in US-amerikanischer Schulbildung
  • Mitacs wird deutlich ausgeweitet
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit besonderen Studienführern für Kinder aus bildungsfernen und entsprechend in der Regel einkommensschwächeren Haushalten und mit möglichen Gründen einer wieder wachsenden Kluft von schulischen Leistungen entlang ethnischer Gruppen in den USA. Wir werfen zudem einen Blick auf das kanadische Praktikumsprogramm Mitacs und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche. 

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Hilfe zur Selbsthilfe: Studienführer für „1st Gen Students”
Der Chronicle of Higher Education befasst sich in dieser Woche am Beispiel der University of Michigan in Arbor mit einer neuen Art von Studienratgeber an US-amerikanischen Elitehochschulen. Diese Ratgebern würden eigens für Studierende aus einkommensschwächeren Haushalten als „guide for being not-rich” mit dem Ziel zusammengestellt, diesen, in der Regel „1st Generation Students”, zu einem erfolgreichen Studium zu verhelfen. Die Ratgeber seien dabei von anderen „1st Gen Students” aus jeweils eigenen Erfahrungen zusammengestellt und folgten einem Beispiel, das seit nunmehr vier Jahren als „Project Welcome Mat” erfolgreich dazu beitragen würde, dass sich Kinder aus bildungsferneren und daher in der Regel einkommensschwächeren Haushalten im Umfeld einer Elitehochschule wohlfühlen könnten. Es heißt zu weiteren Nachahmern: „Michigan’s ‘Not-Rich’ guide has already inspired similar guides at the University of Texas at Austin and Michigan State University.”

Der Beitrag erörtert die Frage, ob sich die Hochschulverwaltungen derartiger Initiativen annehmen und sie mit Mitteln der Hochschule fördern und mit anderen Hilfsstrukturen wie Finanzierungsberatung und Wohnfürsorge integrieren sollten. Dafür gäbe es möglicherweise gute Gründe, allerdings spräche derzeit vieles dafür, es nicht zu tun. Zum einen wunderten sich Angestellte von Hochschulverwaltungen regelmäßig darüber, dass Ziele, auf die man sich auf entsprechenden Fachtagungen als für Studierende sinnvoll zu verfolgen geeinigt habe, häufig bereits von den Studierenden selbst organisiert verfolgt würden (der Beitrag nennt dies „oh crap moments”), zum anderen drohten dann die Initiativen an Authentizität zu verlieren, denn Hochschulverwaltungen könnten etwa geneigt sein, Zensur auszuüben, um die Hochschulen nicht zu blamieren.

Eine Art Mittelweg würde in dieser Frage von Yolanda Norman vertreten, die von der University of Houston bezahlt dort als „consultant on first-generation students” die von ihr als „1st Gen Student” gemachten Erfahrungen an Studierende weitergibt. Sie wird mit den Worten zitiert: „It’s about how you use your voice. And this is clearly a passion project and a purpose project for these students. Let students know their voice is just as powerful as anyone else. Walk them through the process.”

Sie finden den Beitrag hier.

Wachsende Kluft in US-amerikanischer Schulbildung 
In einem Beitrag für Inside Higher Education warnt John Warner vor einer seit 1988 wieder wachsenden Kluft in der US-amerikanischen Schulbildung und schreibt: „In 1988, the year school integration reached an all-time high, the 8th grade reading scores on the NAEP Test (also known as ‘the nation’s report card’) showed the smallest ‘achievement gap’ between white and black students in the test’s entire history at 18 points, having shrunk from 39 points since 1971.” Bis 1992 sei die Kluft dann wieder auf 30 Punkte angewachsen gewesen und habe seither die 25-Punkte-Marke nicht mehr unterschritten.

Der nach seiner Ansicht wichtigste Grund für den hartnäckigen „achievement gap” sei die nach Jahren steigender Integration an den Schulen wieder wachsende Segregation. Dazu zitiert er die folgenden Zahlen: „The percentage of ‘hyper-segregated’ schools, in which 90% or more students are minorities increased from 5.7% in 1988 to 18.4% in 2016.” Mit Argumenten von „Wettbewerb” und „freier Auswahl von Schulen” würden Integrationsbemühungen zunehmend zurückgedrängt, selbst in liberalen Hochburgen wie New York City: „The single greatest tool for shrinking the achievement gap is desegregation. It is also a solution which we seem incapable of embracing, as demonstrated recently by white parents from New York’s Upper West Side seemingly ready to riot over a proposal to make space for minority students at their high performing school. In these parents’ minds their children had somehow earned the right to a ‘good’ school, and the mere presence of minority students would inevitably be somehow ‘unfair’.”

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Für den neuen Leiter der städtischen Schulen in New York, Richard Carranza, sei einem Beitrag der New York Times zufolge die Integration der Schulen eine der wichtigsten politischen Herausforderungen. Es heißt: „He caused an uproar last week when he tweeted a viral video of a meeting of parents and educators erupting over a plan to make some middle schools more diverse. ‘WATCH’, his tweet read. ‘Wealthy white Manhattan parents angrily rant against plan to bring more black kids to their schools’.”
 
Sie finden diesen Beitrag hier.

In einem weiteren Beitrag setzt sich die New York Times mit dem beliebten Argument auseinander, demzufolge die Segration in den Schulen eine „natürliche” Folge der Segregation der Wohnorte der Eltern sei. Selbst Bürgermeister Bill de Blasio sähe da nur wenig Handlungsspielräume und wird mit den Worten zitiert: „We cannot change the basic reality of housing in New York City.” Bei den Grundschulen zeige die Statistik allerdings, dass im städtischen Durchschnitt 40% der Eltern ihre Kinder außerhalb ihrer jeweiligen Wohnbezirke unterbringen würden, in einigen Bezirken mehr als 80%. Es heißt: „While parents of all races choose to send their children out of their zones, the overall pattern of their choices may make schools more segregated. It also concentrates the effects of poverty at zoned schools, the schools to which children are assigned based on where they live.”

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Mitacs wird deutlich ausgeweitet
Die 1999 gegründete kanadische Organisation Mitacs (ein Akronym der vormaligen Organisationsbezeichnung „Mathematics of Information Technology and Complex Systems”) unterstützt kanadische Hochschulen durch verschiedene Programme bei der Einbindung ihrer Absolventen in den Arbeitsmarkt. 

Ende April gab Mitacs bekannt, ihr Research Internship Program in einem Pilotprojekt auch auf Studierende an den eher berufsbezogenen Hochschulen wie Colleges und Polytechnicals auszudehnen und zitierte in einer Presseerklärung die kanadische Wissenschaftsministerin, Kirsty Duncan, mit den Worten: „The expansion of the Mitacs research internship program gives students at our colleges and polytechnics the chance to gain the hands-on skills they need for the jobs of today and tomorrow. Through these new research internships, students will be able to learn on the job while contributing new ideas that will help Canada’s businesses move discoveries and innovations from our labs to the marketplace.”

Das neue Programm wird Teil einer derzeit auf Can$ 221 Mio. über die kommenden fünf Jahre taxierten Bundesinvestition, die Mitacs in die Lage versetzen solle, pro Jahr 10.000 bezahlte Praktika für kanadische Studierende zu finanzieren.

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In einem Beitrag für Times Higher Education spricht sich Felipe Fernández-Armesto, Geschichtsprofessor an der University of Notre Dame im US-amerikanischen Indiana, gegen eine weitere Verlagerung von Kosten der Berufsausbildung an die überwiegend öffentlich finanzierten Hochschulen aus und schreibt: „There is little evidence of any consequent benefit to the country, the economy or the world from professionally oriented courses. Most seem designed to benefit businesses by sparing firms the costs of in-house training. I doubt whether the supposed advantages are well calculated, as an accountant or caterer or hotelier or retailer is surely likely to learn more, faster and more effectively, on the job than in a classroom. Even for traditional professional courses of life-enhancing value in medicine or law or forestry or architecture, there is no sense in wasting public money on what the unaided market will supply.”

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Interessant ist aus deutscher Perspektive sicherlich die Mitacs-Programmschiene „Globalink” (es müsste eigentlich Globallink heißen, denn es soll um Verbindungen und nicht um Tinte gehen, doch offensichtlich war das zweite „l” nicht bezahlbar). Mit Globalink können kanadische Studierende Reisekosten für internationale Erfahrungen finanzieren.

Sie finden die Programmschiene hier.

Kurznachrichten
Inside Higher Education befasst sich in einem Beitrag mit Bestrebungen an einigen US-amerikanischen Hochschulen, das offzielle Hochschulprogramm auf vier Tage zu konzentrieren, um ihren Studierenden und Fakultätsmitgliedern die Möglichkeit zu außeruniversitären Aktivitäten zu geben. An der University of Mobile im US-Bundesstaat Alabama habe ein entsprechendes Programm den Namen „Focus Fridays” und die überwiegende Mehrzahl der Studierenden nutzten die dadurch entstandenen langen Wochenenden nicht zu Besuchen im nahegelegenen New Orleans oder an den Stränden der Golfküste, sondern: „[They] spend Fridays volunteering, working at internships or mentoring and performing community service.”

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Die University of Texas in Austin wehrt sich einem Beitrag im Chronicle of Higher Education zufolge derzeit vehement gegen Vorwürfe, man betrachte dort Männlichkeit als eine Form geistiger Behinderung. Ein „MasculinUT” getauftes Programm solle zwar Männern an der Hochschule bei der Bewältigung möglicher Testosteron-Management-Probleme helfen und damit zu einer Verringerung sexueller Gewalttaten beitragen, doch die Unterbringung des Programms in ansonsten für „mental-health” an der Hochschule zuständigen Büroräumen bedeute keine entsprechende Einordnung.

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Aus Anlass der jüngsten Jahrestagung der Gemeinschaftsinitiative von Arizona State University (ASU) und Global Silicon Valley (GSV) beschreiben Beth McMurtie und Beckie Supiano in einem Beitrag für den Chronicle of Higher Education einen Paradigmenwechsel dergestalt, dass technologischer Fortschritt nicht mehr länger als disruptiv für die Hochschullandschaft wahrgenommen würde, sondern als ein willkommenes Hilfsmittel bei deren Zielerreichung. Es heißt: „Many of the conversations around ed-tech began with a discussion of student achievement gaps. Presenters talked about the stagnant national college graduation rate; differences by race, ethnicity, and socioeconomic status; and the growing percentage of low-income students entering higher education. Far from disrupting traditional higher education, which has been the standard narrative of ed tech, the industry was promising to improve it.”

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In zwei Beiträgen widmet sich der Prince George Citizen im kanadischen British Columbia den dort (wie in anderen Teilen Kanadas auch) stark gestiegenen Zahlen internationaler Studierender und einigen mit dem Anstieg einhergehenden Problemen. Der erste Beitrag beklagt, dass die Hochschulen in British Columbia zum Teil noch unzureichend auf die Betreuung der großen Zahl neu ins Land kommenden internationalen Studierenden eingestellt seien und erörtert dies am Beispiel des soeben beschlossenen Haushalts der College of New Caledonia (CNC). Es heißt: „The budget included an increase of $5 million in spending, including an increase of 20 new faculty members, 10 new operational staff and five new administrative staff. The operational hires would include two new student advisors and three new tutors who would provide academic assistance to students. Notably, the budget included a $2 million increase in the budget for the college's international education department.”
 
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Der andere Beitrag streicht heraus, welche überragende Bedeutung die von internationalen Studierenden gezahlten Studiengebühren für die Haushalte kanadischer Hochschulen haben. Es heißt – ebenfalls mit Blick auf das College of New Caledonia (CNC): „International students pay tuition rates more than four-and-a-half times those of domestic students for arts-related programs at CNC, according to the Ministry of Advanced Education, Skills & Training.”
 
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In einem Beitrag für Inside Higher Education listet Gary Lewandowski, Psychologieprofessor an der Monmouth University, die „Top 10” der in seinen Augen überflüssigen Arten von Meetings. Auf Platz eins der „Jour Fixe” als ein vom Kalender und nicht von einer Tagesordnung zu lösender Fragen einberufenes Treffen. Er schreibt: „Routinely reserving time for important priorities is a wise strategy. But those meetings should only convene when people must make a clear decision, discuss a specific strategy or solve a particular problem – not simply because the calendar says so.” Sein liebstes Meeting ist entsprechend das abgesagte, was ganz nebenbei zu einer Wahrnehmung gesteigerter Wertschätzung führe: „By canceling a meeting, you communicate something very important: I value your time and do not want to waste it.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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