Ausgabe ___ | March 29 2017
21. Juni 2018
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Hochschulzugangstest SAT/ACT
  • Kommunikationsstrategien für Führungskräfte von Hochschulen
  • Rückzahlung von Studiendarlehen für Graduiertenausbildung
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit der Entscheidung der University of Chicago, die beiden Hochschulzugangstests SAT und ACT nicht mehr verbindlich von ihren Studienbewerbern einzufordern, und mit Kommunikationsstrategien für Führungskräfte von Hochschulen. Wir werfen zudem einen Blick auf eine Untersuchung zur Rückzahlung von Studiendarlehen für Graduiertenausbildungen und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.  

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Hochschulzugangstest SAT/ACT
Die beiden in den USA verbreiteten, standardisierten Tests zur Feststellung von Hochschuleignung sind der ursprünglich mal „Scholastic Aptitude Test” genannte SAT und das ursprünglich mal „American College Testing” genannte ACT. Gemeinsam mit anderen Kriterien wie Bewerbungsessay, Notendurchschnitt aus der Oberschule, extracurriculare Leistungen oder eben auch Finanzkraft und Alumnus-Status der Eltern bilden SAT/ACT die Bewertungsgrundlage für die Zulassung an Hochschulen. Besonders an den selektivsten Hochschulen des Landes kommt ihnen damit eine besondere Weichenfunktion zu. Es wird wegen der Vorbereitbarkeit der Tests häufig kritisiert, dass Ergebnisse in SAT und ACT eher die finanziellen Möglichkeiten der Familien der Prüflinge bestätigt als deren akademische Eignung. Darum sind in der jüngeren Vergangenheit einige Hochschulen dazu übergegangen, Ergebnisse von SAT und ACT bei der Bewerbung nicht mehr als verbindlich einzufordern.

Mit der University of Chicago, so eine Meldung der Washington Post, verzichte jetzt auch eine der akademisch führenden Hochschulen des Landes auf die Vorlage von SAT oder ACT bei der Studienbewerbung. Das „going SAT/ACT opitional“ sei zwar eine derzeit häufiger anzutreffende Politik in der US-amerikanischen Hochschullandschaft, doch mit der University of Chicago sei diese Entwicklung nun auch bei den führenden Forschungshochschulen des Landes angekommen. Es heißt: „The announcement Thursday by the university was a watershed, cracking what had been a solid and enduring wall of support for the primary admission tests among the two dozen most prestigious research universities.“

Sie finden die Meldung hier.

Auf Inside Higher Education sieht man die veränderten Bestimmungen der Hochschule als Teil der Bemühungen, die Anfängerkohorten sozial und demografisch mehr an den Durchschnitt der US-amerikanischen Bevölkerung anzupassen. Mit einer Zulassungsquote von zuletzt 8% habe die Hochschule dabei sehr gute Voraussetzungen, die sie künftig noch besser nutzen wolle. Der Vice President und Dean of Admission, James G. Nondorf, wird dazu mit den Worten zitiert: „Today, many underresourced and underrepresented students, families and school advisers perceive top-ranked colleges as inaccessible if students do not have the means to help them stand out in the application process.”

Die Maßnahme der Hochschule werde durch einen Verzicht auf Studiengebühren für Kinder aus Haushalten mit Jahreseinkommen von unter $125.000 flankiert, durch Stipendien von $20.000 über vier Jahre und garantierte, bezahlte Sommer-Praktika für „all first-generation students” und besondere finanzielle Förderung von Kindern von Polizisten, Feuerwehrleute und Militär-Veteranen.

Der Beitrag wirft auch einen Blick auf die Debatte um die Aussagekraft von SAT und ACT und zitiert die beiden jeweils jüngsten Publikationen für die beiden Standpunkte. Es heißt: „In January, a new book from Johns Hopkins University Press (edited by three people with current or former ties to the College Board [Herausgeber des SAT]) argued that test-optional admissions policies have not increased the diversity of higher education or had other positive impacts. Then in April, a large-scale study – based on data from 28 colleges and universities and 955,774 applicants over multiyear periods for each of those institutions – found that the adoption of test-optional policies does increase the enrollment of black and Latino students and does not have a negative impact on completion rates.”

Sie finden den Beitrag hier.

Der Chronicle of Higher Education befasst sich in seinem Beitrag zum Thema sowohl mit der Aufregung, die die Meldung auch Chicago in der Hochschullandschaft verursacht habe, als auch mit der absehbaren Folgenlosigkeit für die Anbieter der Tests. Es heißt: „ACT and SAT, long fixtures of the admissions process, aren’t about to vanish just because one big-name private college made a bold move. As the ACT and College Board noted in written statements on Thursday, more students than ever before are taking the two exams. Also, the vast majority of all applications to four-year colleges go to campuses that require the ACT/SAT. And many colleges still require incoming students to submit test scores for various purposes besides admission.”

Der Beitrag macht darüber hinaus darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse in den Tests doch für die Zulassung von unterrepräsentierten Schichten ausschlaggebend bleiben könnten, weil man dort auch unterdurchschnittlich in der Lage sei, die für Zulassungsentscheidungen ansonsten herangezogenen Leistungsnachweise wie Advanced Placement Kurse zu erbringen. Nichtsdestotrotz habe die Entscheidung in Chicago einer bereits länger anhaltenden Entwicklung mehr Dynamik verliehen und der Autor fragt: „Who’s next?”

Sie finden diesen Beitrag hier.

Kommunikationsstrategien für Führungskräfte von Hochschulen
Der Skandal um Larry Nassar hat bereits der Präsidentin der Michigan State University, Lou Anna Simon das Amt gekostet und die Hochschule hatte große Hoffnungen in den Interim-Präsidenten, John Engler, gesetzt, dass er die Folgen des Skandals möglichst geräuschlos und im Rahmen der angepeilten Kosten von $500 Mio. (wir berichteten dazu in der vorletzten Mai-Ausgabe) bewältigen könne.

Diese Hoffnungen scheinen sich einem Beitrag des Chronicle of Higher Education derzeit zu zerschlagen, denn Engler habe sich nicht nur in privatem Kontext mit der Vermutung zitieren lassen, dass Anwälte der Geschädigten diese ins Rampenlicht zitierten, um höhere Entschädigungssummen auszuhandeln. Er habe darüber hinaus nicht verhindert, dass diese Äußerungen nun die öffentliche Runde machten und statt sich zu entschuldigen, mauere er sich derzeit kommunikativ ein. Es wird mit den Worten zitiert: „I am looking forward to the Board of Trustee meeting next week where we will continue our progress and efforts to move forward. I believe actions matter, and that is how the success of our work will be determined.”

Eines der Mitglieder des Boards sähe allerdings mittlerweile Engler als ein Hindernis auf dem Weg der Bewältigung der Krise und wird mit den Worten zitiert: „We need leadership that sets a tone of empathy and compassion toward our courageous survivors (...). John Engler simply can no longer do that. And for these reasons, John Engler should step down immediately as this university’s interim president.”

Sie finden den Beitrag hier.

Zu Risiken und Nebenwirkungen bei der Anwendung sozialer Medien durch Führungskräfte von Hochschulen heißt es auf Inside Higher Education: „While social media blurs lines, it also removes communication barriers, which generally is ‘a good thing’.” Hintergrund des Beitrags ist die in der Studierendenzeitung der University of British Columbia veröffentlichte Kritik an deren Präsident Santa Ono, der als ein „Twitter Star” mit Zehntausenden von „Followern” nicht nur die Hochschule effektiv bewerbe und gelegentlich persönliche Tipps verbreite, sondern die Plattform auch zur Verkündung offizieller Entscheidungen und Stellungnahmen der Hochschule verwende. Mit einem Seitenhieb auf einen Präsidenten südlich des 49. Breitengrads heißt es in der Zeitung: „Twitter is not usually the place to make policy statements – at least, not for our president.”
Es sei laut Inside Higher Education für Führungskräfte von Hochschule durchaus riskant, mit privaten Twitter Accounts die Grenzen zwischen der jeweils eigenen Meinung und der Haltung bzw. Politik der Institution zu verwischen, so erfolgreich private Twitter-Accounts auch sein mögen.

Sie finden diesen Beitrag hier.

Sie finden den Beitrag der Hochschulzeitung hier.

Der Chronicle of Higher Education befasst sich schließlich in einem Beitrag in dieser Woche mit dem Umgang mit gelegentlich blitzartig auftauchendem Medieninteresse an Vorgängen an Hochschulen. Es heißt in dem von Erin L. Thompson verfassten Artikel: „I’ve written this to share the advice I wish I would have known as I faced my own media blitz. I never thought my work would attract so much interest. Whether you, too, find yourself unexpectedly overwhelmed or you just want to make the most of a single interview request, it’s best to be prepared.”

Die Autorin rät dringend davon ab, ein aufblitzendes Medieninteresse alleine bewältigen zu wollen. Mit der Zeit würden selbst die Besten ermüden und dann käme es zu hinterher mitunter sehr bedauerten Äußerungen, „whether it’s merely incoherent or reputation-destroying disastrous”.

Wenn man sich im Falle eines Aufblitzens für einen produktiven Umgang mit dem Medieninteresse entscheide, sei es hilfreich, Hintergrundinformationen, zitierfähiges Material und ggf. auch Hinweise auf abweichende Meinungen prompt zur Verfügung zu stellen. Weiter heißt es: „Finally, and most important, practice your main talking points and your answers to frequently asked questions. You want to sound pithy, straightforward, and quotable.”

Sie finden diesen Beitrag hier.

Rückzahlung von Studiendarlehen für Graduiertenausbildung
Die Fähigkeit zur Rückzahlung von Studiendarlehen, so eine jüngst durch das American Enterprise Institute (AEI) veröffentlichte Untersuchung, sei ein für die Undergraduate Education gut eingeführter Maßstab zur Beurteilung von Qualität der Ausbildung und deren „Marktwert”. Bislang habe es dergleich allerdings noch nicht im Bereich der Graduate Education und der Professional Degrees gegeben, eine Lücke, die das AEI nun mit „Graduate Schools with the Lowest Rates of Student Loan Repayment” schließen wolle.

Auf Grundlage von Daten aus den Jahren 2009 bis 2014 habe man festgestellt: „Among graduate institutions, historically black colleges and universities have some of the lowest shares of borrowers who made progress repaying their federal student loans. Additionally, several large, private nonprofit and for-profit graduate institutions have low student loan repayment rates.” So hätten etwa 65% des Absolventenjahrgangs 2009 von der zur Gruppe der Historically Black Colleges and Universities (HBCU) gehörenden Mississippi Valley State University bis 2014 noch keine Abzahlung der Darlehen geleistet und damit deutlich mehr als der bei 20% liegende Median aller Graduate und Professional Schools.

Sie finden die Untersuchung hier.

Ein Beitrag auf Inside Higher Education setzt die Zahlen der Untersuchung in den Kontext der durch die Obama-Administration durchgesetzten Gainful Employment Rule für in der Regel von gewinnorientierten Einrichtungen angebotenen „career education and certificate programs”. Im Rahmen einer Neuausrichtung der Gainful Employment Rule, derzufolge ein Abschluss den Absolventen in die Lage zur Rückzahlung aufgelaufener Studienschulden versetzen muss, sei es für das Bildungsministerium unter Betsy DeVos jetzt ratsam, auch die jetzt vorgelegten Zahlen für die Graduate Schools mit zu berücksichtigen. Die volkswirtschaftlichen Risiken einer Nichtbeachtung seien zu groß. Michael Itzkowitz, ein ehemaliger Mitarbeiter in der Obama-Administration, wird dazu mit den Worten zitiert: „[It is] important that we hold these programs accountable for their outcomes. If a graduate program is leaving most of its students owing more on their original loan even years after entering repayment, it may be too risky of a bet for students and taxpayers, alike.”

Sie finden den Beitrag hier.

Kurznachrichten
Die New York Times meldet die Veröffentlichung von Gerichtsakten aus dem Jahr 2013, aus denen eine Diskriminierung von Studienbewerbern mit asiatischem Migrationshintergrund durch Harvard University hervorgehe. Bei einer so geringen Zulassungsquote wie der an Harvard (zuletzt 4,6%) sei das Interesse an Informationen aus dem Zulassungsprozess entprechend groß, wie auch das Interesse der Hochschule, sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Es heißt: „Harvard had fought furiously over the last few months to keep secret the documents that were unsealed Friday.” Den Dokumenten sei nun zu entnehmen, dass es bei „Asian-Americans” wohl „Punktabzüge” für angebliche charakterliche Defizite gebe, die dazu führten, dass sie bei gleicher oder besserer akademischer Eignung nicht in erwartbarer Weise zum Zuge kommen würden. Das Problem sei aber vermutlich nicht auf Harvard beschränkt. Es heißt: „Many Ivy League schools, not just Harvard, have had similar ratios of Asian-American, black, white and Hispanic students for years, despite fluctuations in application rates and qualifications, raising questions about how those numbers are arrived at and whether they represent unspoken quotas.”

Sie finden den Beitrag hier.

Inside Higher Education meldet die Veröffentlichung eines gemeinsam von der Bildungstechnologiefirma Pearson und der gemeinnützigen Organisation Jobs for the Future vorgelegten Berichts zur künftigen Entwicklung von Hochschulbildung in den USA und schreibt: „The new report, which was based on federal data and interviews with experts, said the next wave of reform will be about ensuring more graduates and program completers are job ready and have access to rewarding careers.” Die beiden bislang wichtigen Paradigma seien gewesen, mehr Studierende ins System zu bekommen und sie erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Nun, so heißt es im Bericht, sei die Zeit reif für einen Paradigmenwechsel. Es heißt: „Now marks the transition to a third wave – which we call ‘demand driven education’ – where programs focus more strongly than ever on ensuring graduates are job-ready and have access to rewarding careers over the course of their lifetimes. Demand-driven education adapts to the needs of the learner and the employer. It responds to signals from society to ensure alignment between desired qualifications and available training.”

Sie finden die Meldung hier.
 
Sie finden den Bericht hier.

Die New York Times meldet die Veröffentlichung einer von Wissenschaftlern der Stanford University durchgeführten Untersuchung, die die Leistungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern in Mathematik mit sozialen Faktoren korreliert haben. Eines der weniger überraschenden Ergebnisse sei dabei gewesen, dass Schülerinnen bis wenigstens zur achten Klasse genauso gut abschnitten wie ihre Klassenkameraden. Für Überraschung sorge allerdings eine Ausnahme von dieser Regel: „In school districts that are mostly rich, white and suburban, boys are much more likely to outperform girls in math.”

Sie finden diese Meldung hier.

Sie finden die Untersuchung hier.
Dieser Newsletter wird bereitgestellt von:
 
DAAD Außenstelle New York, 871 United Nations Plaza New York, NY 10017, rechtlich vertreten durch Frau Dr. Dorothea Rüland, Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V., Kennedyallee 50, 53175 Bonn
 
Tel: (212) 758-3223  
Fax: (212) 755-5780

E-Mail: daadny@daad.org       
 
Vereinssitz:
Bonn (Deutschland), eingetragen beim Amtsgericht Bonn, Registergericht VR 2105
 
Redaktion:
Dr. Nina Lemmens, Stefan Altevogt, Katrin Kempiners
 
Bildnachweis:
Rainer Sturm/pixelio.de
 
Haftungshinweis:
Wir übernehmen keine Haftung für die Inhalte Dritter. Für den Inhalt verlinkter Seiten sind ausschließlich deren Betreiber zuständig.
Copyright © by DAAD e.V. Der Inhalt dieses Newsletters ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung des Textes - auch auszugsweise – und der Bilder ohne vorheriges schriftliches Einverständnis des DAAD ist nicht gestattet.
 
Abmeldung:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen möchten, klicken Sie bitte auf 'Unsubscribe' unten am Ende dieser E-Mail.