Ausgabe ___ |  March 29 2017
10. Juli 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Zahlen zur internationalen Attraktivität von US-Hochschulen
  • „Project MALES”: Latinos als bildungspolitische Herausforderung
  • Beispiele für neue Geschäftsmodelle in der Hochschulbildung
  • Kurznachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit wahrnehmbaren Schwankungen in der Attraktivität der USA als Zielland internationaler Studierender und mit der Verbesserung von Schul- und Hochschulleistungen von Latinos in den USA als einer wichtigen bildungspolitischen Herausforderung. Wir werfen zudem einen Blick auf einen Beitrag mit Beispielen für neue Geschäftsmodelle in der Hochschulbildung und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt

Zahlen zur internationalen Attraktivität von US-Hochschulen
Das Institute of International Education (IIE) hat Ergebnisse einer neuen Umfrage unter den für die Zulassung internationaler Studierender an US-Hochschulen Verantwortlichen veröffentlicht und kommt zu folgendem Ergebnis: „Despite widespread concerns that international student interest in the United States might be flagging, the evidence from this survey, albeit based on a small sample of responding institutions, suggests that this is not the case.”
Die Untersuchung betrachtet dabei die sogenannte „yield rate”, also den Anteil der sich für ein Studium an der jeweiligen Hochschule beworben habenden internationalen Undergraduates, die nach einer Zulassung zum Studium sich dann tatsächlich auch einschreiben. Im Hinblick auf die jüngste Entwicklung des yields gäbe es keinen nennenswerten Unterschied zwischen internationalen Studierenden und den Landeskindern: „Overall, international undergraduate yield has dipped slightly from 26 to 24 percent from fall 2017 to fall 2016. The two percentage point decline is comparable to shifts in the domestic (U.S.) student yield reported by institutional respondents, which fell from 30 to 28 percent over the same time period.”
Für die vier im Hinblick auf internationale Studierende maßgeblichen Bundesstaaten California, New York, Texas und Massachusetts seien die entsprechenden yield rates und ihre jeweiligen Entwicklungen bemerkenswert verschieden. So seien New York und Massachusetts mit 22% bzw. 31% stabil geblieben, in Kalifornien sei die Rate von 23% auf 25% gestiegen und in Texas von 44% auf 35% gefallen.
Es ginge im Hinblick auf internationale Studierende für die USA nicht nur um den auf derzeit auf $36 Mrd. pro Jahr geschätzten direkten ökonomischen Nutzen, sondern in den Worten von IIE-Präsident Alan Goodman auch um weit mehr: „The intellectual contributions and diverse cultural perspectives that international students bring to U.S. campuses are extremely valuable.”
 
Sie finden die Zahlen  hier.

Im Hinblick auf die Yield Rate bei den Graduate Schools schrieb der Councils Graduate Schools (CGS) in seinem im Mai veröffentlichten „First Look”: „The data indicate that more graduate deans are seeing declines in admission yields of prospective international graduate students than of prospective U.S. citizen/permanent resident graduate students. Particularly for prospective master’s students, 46% of graduate deans indicated that they are seeing substantial downward changes in admission yields for international students, while only 24% reported the same for domestic students. At the same time, 41% of graduate deans reported that they are seeing substantial upward changes in admission yields for prospective domestic master’s students. Given that the large majority of international graduate students are offered admission into master’s degree programs, this may have substantial implications for first-time enrollment of international graduate students for Fall 2017.”

Sie finden diese Zahlen  hier.

In einem Beitrag ihres World Education News & Reviews (WENR) versuchen die World Education Services (WES), aus jüngsten Visadaten des Student and Exchange Visitor Program (SEVIS) einen „Trump Effect” herauszulesen. Es heißt: „The news is generally sobering. Even in the best-case scenario, the high growth rates in international enrollments that U.S. universities have experienced over the past 12 years can be expected to shrink.” Zwar seien die Zahlen der an internationale Studierende aus China ausgegebenen Visa nicht so stark gesunken wie die im Hinblick auf Mexiko und bezüglich Indien seien die Daten uneindeutig, doch seien Auswirkungen der neuen Administration in Washington auf die Attraktivität erkennbar: „Most indicators point to the conclusion that international enrollments in the U.S. will decrease in the immediate term.”

Sie finden den Beitrag hier.

Inside Higher Education verweist in einem Beitrag zu den Zahlen des IIE und des CGS auf die auffälligen regionalen Unterschiede in der Entwicklung bei den Undergraduates und zitiert aus dem IIE-Report den Passus bezüglich der Herkunftsländer aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika: „Middle Eastern and North African students accounted for 12 percent of international undergraduates in 2015-16, but a decrease in applications coupled with substantial and valid concerns from students and admissions professionals suggests possible declines in the number of students traveling to the United States from the Middle East and North Africa for their education.”

Sie finden diesen Beitrag hier.

In einem Beitrag für den Chronicle of Higher Education zieht Karin Fisher drei vorläufige Erkenntnisse aus den Zahlen zu möglichen Auswirkungen der derzeitigen „America First”-Stimmung im Lande und daraus folgend dem immerhin schon psychologische Auswirkungen zeigenden „Travel Ban” auf die internationale Attraktivität des Studienstandorts USA. Erstens würden Master-Programme danach die deutlichsten Einbußen hinnehmen müssen und zum zweiten müsse man dabei vor allem Indien im Auge behalten. Hier zitiert der Beitrag jüngste Erkenntnisse von Hotcourses, einer Webseite, die prospektiven internationalen Studierenden mit Rat zur Seite steht. Hierzu heißt es: „[Hotcourses] found that the share of Indian students searching for American colleges dropped sharply, from 36 percent of all searches by Indian users to just 27 percent. Where might those students instead be looking? Canada, whose share of searches climbed from 8 percent to 23 percent. Hotcourses, which based its findings on some 34 million users, noted that interest in the United States from the Middle East also declined. But the six countries named in the travel ban make up just 15,000 out of more than one million international students studying in America. India, on the other hand, accounts for more than 15 percent of all foreign enrollments, second only to China.”
Fisher fasst dann drittens die Erkenntnisse der verschiedenen Untersuchungen unter der Einsicht zusammen, dass letztendlich die Auswirkungen der neuen Regierung in Washington nicht ganz so verheerend seien, wie es zunächst zu befürchten gestanden habe: „Maybe the sky’s not falling after all.”

Sie finden diesen Beitrag hier.



„Project MALES”: Latinos als bildungspolitische Herausforderung
Ein Beitrag des Chronicle of Higher Education befasst sich in dieser Woche mit den vielversprechenden Erfolgen des „Project MALES”. Das Projekt in der texanischen Stadt Austin verfolgt als Ziel, mehr Latinos an die Hochschulen des Landes zu bekommen und dort erfolgreicher werden zu lassen. Bislang seien landesweit zwar schon bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen, etwa, dass der Anteil der an Hochschulen immatrikulierten Hispanics im Alter von 18 bis 24 Jahren in den vergangenen 20 Jahren von 21% auf 37% gestiegen sei und dass sich die Anzahl der an Hispanics verliehenen Bachelor’s und Associate Degrees im selben Zeitraum verdreifacht habe, doch gegenüber der Gruppe der Weißen bestünde weiterhin eine große Lücke (Asiaten laufen diesbezüglich außer Konkurrenz, d.h. viel weiter vorne): „While more than half of white 25- to 29-year-olds now hold at least an associate degree, only just over a quarter of Hispanics in that age range do. And Latinos lag behind Latinas, who now earn more than 60 percent of all associate and bachelor’s degrees, and almost two-thirds of master’s degrees, awarded to Hispanics.”
Aus deutscher Perspektive könnte man dies fälschlicherweise als ein Randproblem wahrnehmen, fälschlicherweise, weil das U.S. Census Bureau für 2060 für die Hispanics von einem Anteil von 29% an der Gesamtbevölkerung ausgehe. Schon heute hätten fast 25% der Grundschüler einen lateinamerikanischen Hintergrund, bei einer durchaus zwischen den Bundesstaaten sehr ungleichen Verteilung: Heute ist fast die Hälfte (49%) der Bevölkerung in New Mexico Hispanic, 39% sind es in Kalifornien und in Texas und in Arizona immerhin noch 31%. Das Ziel in Staaten wie Kalifornien und Texas als bildungsbasierten Erwerbsgesellschaften muss es darum sein, den Bildungserfolg der Hispanics so weit wie möglich an den der Weißen heranzuführen, um keine Einbußen in der Wirtschaftsleistung hinnehmen zu müssen.
Als den herausragenden Punkt, hier den Hebel wirkungsvoll anzusetzen, habe man dem Beitrag zufolge die Latinos identifiziert, den männlichen Teil der Hispanics, und in Austin hebele man im „Project MALES” mit dem Mittel der intensiven Betreuung durch Tutoren. Der Trick ist dabei, dass die intensiv an den Hochschulen durch männliche Graduate Students mit lateinamerikanischem Hintergrund betreuten Undergraduate-Latinos dann wieder als Tutoren an den Oberschulen eingesetzt würden, den Pipelines zu den Hochschulen. Es heißt: „The program, which pairs undergraduates with middle- and high-school students and graduate students with undergrads, has sent more than 50 mentors into Austin public schools this year. Over pizza and pickup basketball, the student mentors offer lessons in leadership and college preparation.”

Sie finden den Beitrag hier.

Beispiele für neue Geschäftsmodelle in der Hochschulbildung
In einem Beitrag für den Chronicle of Higher Education beschreibt Alana Dunagan vom mit hochschulpolitischen Fragen befassten Clayton Christensen Institute verschiedene Strategien, die in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig über der allgemeinen Inflationsrate gestiegenen Kosten für ein Hochschulstudium in den Griff zu bekommen. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung eines jüngst von ihr vorgelegten Papers.
Die beiden wesentlichen Tendenzen des Bezugsrahmes dieser Debatte beschreibt sie dabei mit den folgenden Worten: „Political pressure is building to lower the cost of college, as seen in efforts in many states to make college tuition-free. But the expenses involved in running a college aren’t going anywhere but up, according to data from the National Center for Educational Statistics.” Höhere Deckungsbeiträge von den Studierenden seien nicht mehr zu erwarten. Im Gegenteil, oft würden zur Erreichung der Rekrutierungsziele über die dafür notwendigen Preisnachlässe die Erträge aus Studiengebühren mindestens stagnieren. Das traditionelle Geschäftsmodell von Hochschulen sei demnach stärker gefährdet, als es die auf kurz- und mittelfristiges Überleben abzielenden Handlungen von Hochschulverwaltungen vermuten ließe.
Eigentlich, so die These, müsse man sich Gedanken über ein neues Geschäftsmodell machen, das über den kurzfristigen Horizont hinaus reiche. Für ein zukunftsfähiges Modell gäbe es bereits Beispiele, von denen die Autorin fünf heraushebt, die jeweils auf ihre eigene Art ihre Reichweite über traditionelle Studierende hinaus erweitert hätten. Es heißt: „While these institutions are diverse – small and large; public and private; some in financial straits, others hoping to broaden their missions – all of them are willing to look beyond incremental solutions and rethink the role of higher education. Each of the programs brought new students, and new types of students, into the institution. Some of those arrivals were adult learners looking to start or finish bachelor’s degrees. Others were looking to retrain for new careers. Regardless, the programs allowed colleges to reach untapped pools of students with the goal of raising their bottom line.”
Unter den im Hinblick auf eine Reduzierung der hohen „Stückkosten” innovativsten Ansätze seien zwei Beispiele erwähnenswert. Zum einen das von der Arizona State University (ASU) angebotene Programm der Global Freshman Academy, das es den zunächst kostenlos über MOOCs lernenden Studierenden erlaubt, ihre erworbenen Kenntnisse als Credits der ASU kostengünstig als erstes Studienjahr zertifizieren zu lassen. „That removes some of the risk of attempting a college degree, given that many students do not complete their first year.” Zum anderen sei auch der von der Southern New Hampshire University mit „Take College for America” unternommene Versuch erfolgversprechend. Der richte sich vor allem an non-traditional students, deren abseits von Klassenräumen erworbenen Kenntnisse entsprechende Berücksichtigung finden und somit die Kosten für einen Bachelor-Abschluss auf $3.000 pro Jahr senken könne. Es heißt: „The program operates on a business model different from that of traditional institutions: It joins with employers to help identify students for admittance, and in many cases to help them cover the cost of attendance. Designed explicitly to meet the needs of adult learners, the program has seen rapid growth.”

Sie finden den Beitrag hier.

Sie finden das Paper hier.

Sie finden die zitierten Daten des National Center for Educational Statistics here.

Kurznachrichten
 Der Chronicle of Higher Education meldet eine Klage von 18 US-amerikanischen Bundesstaaten gegen das von Betsy DeVos geleitete US Department of Education, weil man dort Bestimmungen der Vorgängeradministration zum Schutz von Studierenden gegen betrügerische Bildungsanbieter zurückziehen bzw. deren Umsetzung aussetzen und Details neu verhandeln wolle. Es heißt zur derzeit durchaus geteilten Meinung zum neuen Kurs des Bildungsministeriums: „Some college groups applauded the decision to renegotiate the borrower-defense rule, including those representing for-profit and historically black institutions. But advocates for student-loan borrowers viewed the decision as a sign that the Trump administration was backing away from its duty to protect students.”

Sie finden den Beitrag hier.

Inside Higher Education befasst sich in einem Beitrag mit Nutznießern der Verzögerung bei der Umsetzung der Gainful Employment Rule, also einer der aus der Zeit der Vorgängerregierung stammenden Schutzbestimmung für Studierende gegenüber betrügerischen Bildungsanbietern, und schreibt: „The for-profit sector has argued in court and elsewhere that the rule unfairly penalizes smaller programs providing training students wouldn’t be able to find elsewhere.” Der Beitrag nennt einige Beispiele für Missverhältnisse von Einkommen nach Studienabschluss, Studienschulden und daraus folgend dem Anteil, der vom Einkommen für den Schuldendienst aufgebracht werden müsse. Es heißt: „Graduates of Vatterott College’s associate degree for a pharmacy technician, for example, had the equivalent of 29 percent of $15,498 in annual earnings go to student loan payments. (…) Graduates of the associate degree program for legal assistants and paralegals at Centura College have more than a quarter of a typical annual salary of $10,617 go toward student loan payments.”
 
Sie finden diesen Beitrag hier.
 
Die New York Times befasst sich in einem Beitrag mit dem aus Sicht zahlreicher Bundesstaaten überraschend großen Nachdruck, mit dem Bildungsministerin DeVos nun nationale Bildunsstandards flächendeckend durchsetzen wolle. Es heißt: „Betsy DeVos, who made a career of promoting local control of education, has signaled a surprisingly hard-line approach to carrying out an expansive new federal education law, issuing critical feedback that has rattled state school chiefs and conservative education experts alike.” Es gehe um die Umsetzung der Bestimmungen aus dem Every Student Succeeds Act von 2015, dem Nachfolger des aus der Ärä Bush stammenden Gesetzes „No Child Left Behind”. Letzteres war in seinen Leitlinien als zu kleinteilig empfunden worden und mit ersterem hätten sich die Bundesstaaten von der neuen Regierung wieder größere Freiheiten bei der Umsetzung der Ziele erhofft. Entsprechend enttäuscht sei man. Mit dem Präsidenten des konservativen Thomas B. Fordham Institute wird eine kritische Stimme mit den Worten zitiert: „[This policy is] directly in opposition to the rhetoric and the promises of DeVos.”

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Der Tallahassee Democrat meldet eine Klage gegen den Bundesstaat Florida, weil dieser aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 seinen gesetzlich verbrieften Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen sei, privaten Spenden an die Hochschulen von Florida Mittel aus dem Haushalt in gleicher Höhe an die Seite zu stellen. Es heißt: „The suit seeks $49.8 million owed to Florida State University, $4.5 million for Tallahassee Community College and $1.2 million for Florida A&M University.”
 
Sie finden die Presseerklärung  hier.
 
Das Ende des mehr als zweijährigen Haushaltsstreits in Illinois, so ein Beitrag auf Inside Higher Education, bedeute zwar, dass der Bundesstaat nun wieder ein reguläres Budget habe, auf der anderen Seite seien in ihm aber auch die Zuwendungen an die öffentlichen Hochschulen auf 10% unter dem Niveau von 2015 festgeschrieben. Die Folgen von Haushaltsstreit und Kürzungen: „Public universities went through rounds of layoffs, service cuts and furloughs to cut expenses. They also faced pressure from accreditors and bond ratings agencies.”

Sie finden diesen Beitrag hier.

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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