Seit den verheerenden Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 ist man in den USA mit dem Dodd-Frank Act dazu übergegangen, Banken seitens der Regulierungsbehörden regelmäßig einem „Stress Test” zu unterziehen, also dem Durchrechnen einer Häufung ungünstiger bis sehr ungünstiger Umstände, damit sich Banken auch über die wenigen „too big to fail” hinaus besser auf solche Szenarien vorbereiten.
Die US-amerikanische Hochschullandschaft kennt keinen Dodd-Frank Act, allerdings seit Januar das von Johns Hopkins University Press veröffentlichte Buch der Autoren Robert Zemsky, Susan Shaman und Susan Campbell Baldridge mit dem Titel „The College Stress Test: Tracking Institutional Futures across a Crowded Market”. Der umfangreichen Anhang des Buches enthalte laut Inside Higher Education „everything needed to calculate a score gauging the market stress faced by individual colleges and universities across the country” und damit einigen Diskussions- wenn nicht gar Zündstoff. Es heißt: „It’s a provocative idea that could provide information of use to discerning students and improvement-minded administrators alike. It’s also an idea that’s getting more attention and growing more controversial of late as the higher education sector continues to feel pressure on several fronts and as a small number of institutions announce closure or merger plans every year.”
Der Beitrag enthält auch ein kurzes Interview mit Robert Zemsky, dessen beiden wichtigsten und freilich nicht überraschenden Einsichten aus dem Stress Test seien, dass zum einen Colleges in den Weiten des Landes krisenanfälliger seien als Hochschulen in New England und dass eine schwindende Grundfinanzierung durch die Bundesstaaten die Überlebenschancen öffentlich finanzierter Hochschule eher verschlechterten.

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Ein Beitrag im Chronicle of Higher Education stellt das Buch in den größeren Zusammenhang eines wachsenden Expertengewerbes und schreibt: „A small industry of experts armed with data is ready to tell you if your college will survive.” Teil des Geschäfts sei die Prognose, dass ein nennenswerter Teil der US-amerikanischen Hochschullandschaft mehr oder weniger akkut vom Tode bedroht wäre, angefangen bei der 1997 durch Peter Drucker gemachten Prognose „Thirty years from now the big university campuses will be relics. Universities won’t survive”, über die 2011 von Clayton Christensen formulierte These, dass binnen 15 Jahren die Hälfte aller US-amerikanischen Colleges verschwunden sein würde, bis hin zu der 2013 von Andrew Rosen formulierten Prognose, dass 600 Colleges in den kommenden Jahrzehnten schließen müssten.
Diese Kassandra-Rufe seien allerdings eher Schüsse aus der Hüfte gewesen, die nun durch sehr viel begründetere Prognosen ergänzt würden: „A wave of government agencies, media outlets, companies, and scholars are crunching numbers on finances, retention, and rankings to determine just how doomed particular colleges are, exactly.” Die messbaren Parameter könnten freilich nur auf das Vorhandensein von Problemen hinweisen, nicht aber die Gründe für die Probleme aufzeigen, die dann möglicherweise zur Schließung führten. In diesem Zusammenhang sei die Diskussion im Lande nicht hilfreich, denn sie sei eingeklemmt zwischen katastrophalen Prognosen („often coming from private industry and the ed-tech sector”) und einem eher naiven Optimismus „about the challenges ahead”, der dann im Falle der Schließung in Trauer umschlüge.

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Der Verleger sieht die Zukunft für die weitesten Teile der US-amerikanischen Hochschullandschaft nicht so düster wie die Pessimisten unter den Experten und schreibt: „The authors argue that just 10 percent or fewer of the nation’s colleges and universities face substantial market risk, while 60 percent face little or no market risk. The remaining 30 percent of institutions, the authors find, are bound to struggle. To thrive, the book advises, these schools will need to reconsider the curricula they deliver, the prices they charge, and their willingness to experiment with new modes of instruction.”

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