Ausgabe ___ |  March 29 2017
26. Juni 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Studiengebührenverzicht in Michigan
  • Wege ans College für Kinder aus einkommensschwachen Familien
  • Welche Aussagekraft haben die Zahlen der College Score Cards?
  • Kurznachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit dem angekündigten Verzicht auf Studiengebühren an der University of Michigan in Ann Arbor für Landeskinder aus einkommensschwachen Familien und mit den Aussichten einer Abschlussklasse einer von Kindern aus einkommensschwachen Familien besuchten Oberschule. Wir werfen zudem einen Blick auf ein mögliches Dilemma beim Blick auf Zahlen der College Score Cards und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.
Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt

Studiengebührenverzicht in Michigan
Die neue, „Go Blue Guarantee” genannte Politik der öffentlich finanzierten University of Michigan fragt: „Are you a Michigan resident with a family income less than $65K?” Wenn man die Frage bejahen könne und zudem am Flaggschiff-Campus der Hochschule in Ann Arbor zum Studium angenommen sei, dann würden ab Januar kommenden Jahres keine Studiengebühren mehr für die ersten vier Jahre des Undergraduate Studiums anfallen. Insgesamt würden sich die Ersparnisse für die Familien auf etwa $60.000 belaufen, viermal die derzeitig für Landeskinder fälligen $14.400 für Tuition and Fees.
 
Sie finden die Garantieerklärung hier.

Im vergangenen April war im Bundesstaat New York eine Vereinbarung zwischen Gouverneur Andrew Cuomo und dem Gesetzgeber getroffen worden, demzufolge zunächst Kinder aus Familien mit Jahreseinkommen von unter $100.000 ohne Studiengebühren an den Standorten der State University of New York (SUNY) studieren können sollen und nach drei Jahren auch Kinder aus Familien mit Jahreseinkommen von unter $125.000, was dann 950.000 Familien in einem Bundesstaat mit insgesamt knapp 20 Mio. Einwohnern zugute käme.

Inside Higher Education berichtete seinerzeit hier.

Ein Beitrag im Chronicle of Higher Education fragt in dieser Woche zur neuen Politik in Michigan: „Will Michigan’s Free-Tuition Guarantee Change the Game for Low-Income Students?” Die Frage sei durchaus berechtigt, denn Kindern aus derart einkommensschwachen Familien seien bislang schon durch verschiedene Stipendien- und Hilfsprogramme keine wirklich nennenswerten Kosten für Studiengebühren entstanden und zudem würde durch das neue Programm die Frage nach den Lebenshaltungskosten genausowenig beantwortet, wie sie es bislang wurde.

Der Präsident der Universität, Mark Schlissel, verweise demgegenüber auf die Signalwirkung des Programms und er wird mit den Worten zitiert: „That’s an aspirational message. It’s a message of hope and of future success to lots of schoolchildren.” In einem Versuch habe man Zahlen zur Bewerbungsabsicht von „high-achieving, low-income students” unter zwei Prämissen miteinander verglichen. Die eine Prämisse sei dabei die bislang verfolgte Politik gewesen, die möglichen Studierenden auf die vielfachen Hilfsmöglichkeiten hinzuweisen. Die andere Prämisse war das jetzt in der „Go Blue Guarantee” verbriefte Versprechen. „Go Blue” habe dabei um Faktor Zweieinhalb über dem Bewährten gelegen.

Man rechne damit, dass sich die zusätzlichen Kosten für das neue Programm in Ann Arbor auf $12 – $16 Mio. belaufen werde und hoffe, es mittelfristig auch an den beiden anderen Standorten der Hochschule in Flint und Dearborn anbieten zu könne.

Im Hinblick auf den zurzeit mit 8,4% noch sehr geringen Anteil von Kindern aus Haushalten der unteren 40% der Einkommensverteilung gelte es aber, neben den jetzt in Form der „Go Blue Guarantee” gemachten finanziellen Zusagen auch an der Studienzulassung für Kinder aus einkommensschwachen Familien zu arbeiten. Im Zentrum der Kritik stünden hier die Testergebnisse während der Oberschulzeit. Diese sagten eher etwas über die finanziellen Mittel der jeweiligen Familien aus, weniger etwas über die akademische Leistungsfähigkeit der angehenden Studierenden.

Sie finden diesen Beitrag hier.

Wege ans College für Kinder aus einkommensschwachen Familien
In einem Beitrag für den Chronicle of Higher Education wirft Eric Hoover einen Blick auf den „signing day” der Seagoville High School im texanischen Dallas. Dieser Tag zeigt jeweils Ende Mai für jede Oberschule, wer sich aus dem jeweiligen Abschlussjahrgang für ein Studium entschieden hat und an welcher Hochschule sie oder er angenommen worden ist. An Oberschulen für Kinder aus einkommensstärkeren Schichten als die an Seagoville High seien zu diesem Zeitpunkt die Würfel für die Allermeisten bereits gefallen, in der Regel für den Besuch einer der besseren oder gar besten Hochschulen des Landes. Nicht so an Seagoville High, wo im vergangenen Mai noch doppelt so viele zum Studium Unentschlossene die Oberschule verlassen sollten, wie Absolventen mit klaren Studienabsichten. Es heißt zu ihnen: „Though a few were slackers, many were top students with sterling grades, solid test scores, and clear ambitions. They wanted to pursue a major, a career, a life. They just weren’t sure yet which, if any, options they could afford.”

Von den 281 Oberschulabsolventen des Jahrgangs 2017 hätten in der Tat die allermeisten zumindestens einen Acceptance Letter einer Hochschule erhalten, was für eine öffentliche Schule wie Seagoville High bemerkenswert sei, an der 80% der Schüler Subventionen für das Mittagessen erhielten und wenigstens ebensoviele die ersten in ihren Familien wären, die aufs College gingen. „Still, acceptances don’t guarantee access to higher education. When the neediest students end up with too little aid, an acceptance can feel hollow, even cruel.”

In einer idealen Welt würde jeder geeignete Oberschulabsolvent, sofern sie oder er wolle, auch einen für sie oder ihn geeigneten Studienplatz finden, und damit man möglichst nahe an das Ideal kommt, beschäftigen Oberschulen Hochschulberater. Deren Aufgabe sei es, den angehenden Absolventen die entsprechenden Wege aufzuzeigen, das richtige akademische Angebot zu finanzierbaren Bedingungen, in welcher Mischung auch immer. Diese Aufgabe erfülle an der Seagoville High School die 28-jährige Sara Morgan, und Frau Morgan habe es nicht leicht: „At Seagoville she quickly saw how poverty entwined with other circumstances to shape students’ views of higher education – and their chances of reaching it. (…) She advised unaccompanied youths, such as the young woman who had no bed. She advised the sons and daughters of undocumented immigrants who feared that completing the Free Application for Federal Student Aid would imperil their families. She advised a young woman who wanted to enroll full time while caring for her 4-year-old son. And she advised students who were homeless.” In vielen solcher Fälle sei es schwierig, überhaupt ein finanzierbares Studienangebot zu finden. Eine bemerkenswerte Ausnahme von dieser Regel sein der Erfolg, den Frau Morgan mit einer Schülerin gehabt habe, die nicht nur ohne festen Wohnsitz, sondern auch in Verdienstverantwortung für ihre Mutter gewesen sei. Hier habe sich der Aufwand des Coachings für ein Voll-Stipendium an der University of North Texas gelohnt, das ihr nun ein Studium ohne Schulden ermögliche. Ein solcher Aufwand sei freilich nicht durchgängig leistbar.

Sie finden den Beitrag hier.

Welche Aussagekraft haben die Zahlen der College Score Cards?
Ein Beitrag des Chronicle of Higher Education wirft einen Blick auf die College Score Cards des US-amerikanischen Bildungsministeriums, auf denen die statistische Leistungsfähigkeit von Hochschulen an Hand von Parametern wie Kosten, Erfolgsquote, ökonomischer Wert des Abschlusses oder soziale und ethnische Zusammensetzung der Studierendenkohorten abgebildet wird, und fragt: „What measures should students and the public use to determine if a college is successful? And what can the government and accreditors do if a college is failing?”

Der Beitrag befasst sich dabei mit einer Hochschule, die – würde man College Score Cards für eine Beurteilung heranziehen – eigentlich geschlossen werden müsste. Mit einer Graduation Rate von unter 10%, knapp $9.000 Studienkosten pro Jahr und nur $22.000 Jahreseinkommen nach Studienabschluss sei das Williamsburg Technical College in South Carolina auf den ersten Blickk ein typischer Kandidat für den Entzug der Akkreditierung. Mit dem zweiten Blick würden Betrachter jedoch auch die zahlreichen Ungunstfaktoren erkennen, unter denen Williamsburg Tech arbeite: „[ Williamsburg Tech] is located (…) in one of South Carolina’s poorest and least-educated counties. (…) A third of the county’s 32,000 residents live below the poverty line and the median household income is less than $29,000. Per capita annual income averages a little more than $16,000, federal figures show. Not surprisingly, Williamsburg Tech is the only college in a county where just 11 percent of residents have earned a bachelor’s degree or higher, compared with nearly 26 percent statewide. Nearly 60 percent of the college’s students receive federal Pell Grants.”

Für diejenigen, die an Williamsburg Tech einen Abschluss bzw. ein Zertifikat erreichten, sei die Hochschule allerdings mit einer Job Placement Rate von 95% ein weit überdurchschnittlich erfolgreicher Qualifizierungsschritt. Zudem seien Colleges wie Williamsburg Tech in vielen ländlichen Regionen des Landes alternativlos: „Margaret Chandler, dean of students at Williamsburg Tech, said shutting down her institution would leave behind many of the county’s students, who have little or no opportunity for an education aside from their local two-year college.”

Sie finden den Beitrag hier.
Sie finden die College Score Cards   hier.

Kurznachrichten
Die Schulden kanadischer Studierender und Absolventen, so ein Beitrag auf CBC News, hätten nach Steigerungsraten von mehr als 6% pro Jahr in den vergangenen zehn Jahren einen Rekordstand von nun fast Can$43 Mrd. erreicht. Es sei mittlerweile ein Problem zwischen den Generationen geworden, denn: „A lot of that debt (…) can be blamed on parents who have spent so much money they don't have enough to save for their children's college or university fund.” Selbst einkommensstärkere Familien seien oft nicht in der Lage, die auf derzeit Can$ 25.000 plus Lebenshaltungskosten und Unterrichtsmaterialien geschätzten Kosten für einen vierjährigen Studienabschluss aus den laufenden Familienhaushalten heraus zu bestreiten. Die für diese Zwecke eigentlich gedachten College Savings Plans würden zwar inzwischen häufiger eingerichtet, doch reiche dies derzeit nicht aus, die Wachstumsraten bei den Studienschulden entscheidend zu verlangsamen.

Sie finden den Beitrag hier.

Die Academica Group meldet, dass sich in den soeben veröffentlichten QS World University Rankings 2018 mit der University of Toronto, MCGill University, der University of British Columbia und der University of Alberta vier kanadische Hochschulen unter den ersten 100 der weltweit führenden Universitäten befinden.

Sie finden die Meldung  hier.
 
Aus der deutschen Hochschullandschaft schaffen es derzeit mit TUM, LMU und Heidelberg drei Universitäten unter die Top 100 weltweit.
 
Sie finden das Ranking hier.
 
Aus bundesstaatlichen Mitteln grundfinanzierte Hochschulen sollen vor allem den Landeskindern Zugang zu einer qualitativ hochwertigen und gleichzeitig vergleichsweise preiswerten Ausbildung gewähren. Auf der anderen Seite nutzen Flaggschiff-Campi öffentlich finanzierter Hochschulsysteme ihre Attraktivität auch, um Studierende von außerhalb der bundesstaatlichen Grenzen anzuziehen, die dann über deutlich höhere Studiengebühren entsprechend höhere Anteile an den Kosten der Hochschulen tragen. Inside Higher Education meldet in dieser Woche die deutliche Kritik an der Pennsylvania State University in einem Evaluationsbericht und schreibt: „The audit showed that Pennsylvania resident enrollment at the flagship campus dropped from 76.5 percent in 1990 to 56.2 percent in 2015. Further, in 11 of the last 16 years, including the most recent seven, the admit rate was higher for out-of-state students than in-state students. Penn State officials said that they did not favor out-of-state students but did see them as a source of revenue since they pay more than do in-state students.”
 
Sie finden den Beitrag  hier.
 
Ein Beitrag auf den Bildungsseiten der New York Times wirft einen Blick auf ein am Smith College unter dem Titel „Failing Well” angebotenes Seminar und schreibt: „Smith College (…) is one of a crop of university programs that aim to help high achievers cope with basic setbacks.” Smith College ist die größte der „Seven Sisters”, eine Gruppe ebenso wohlhabender wie selektiver Liberal Arts Colleges in und um Northhampton in Massachusetts. Der Beitrag macht auf das an derartigen Einrichtungen unter dortigen Studierenden durchaus mögliche Problem aufmerksam, dass nämlich die zur Aufnahme an Smith notwendige Perfektion an der Hochschule dann nicht immer zum Spitzenplatz reichen würde. In den Worten einer für den Kurs zuständigen Mitarbeiterin der Hochschule: „For many of our students – those who have had to be almost perfect to get accepted into a school like Smith – failure can be an unfamiliar experience. So when it happens, it can be crippling.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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