In einem Kommentar für die New York Times fragt Nicholas Kristof, ob liberale Eliten im Hinblick auf ihren persönlichen Nutzen bei gängigen Ausnahmen vom Leistungsprinzip bei Zulassungsverfahren an den kompetitivsten Hochschulen des Landes nicht scheinheilig argumentierten. Im Zentrum seiner Kritik steht das sogenannte „Legacy System”, also die Bevorzugung von Kindern der Alumni der Hochschulen im Zulassungsverfahren.
Das Legacy System sei neben der gezielten Förderung von Kindern aus reichen Elternhäusern in Erwartung künftiger Spenden (und an manchen Hochschulen der Bevorzugung von Sportskanonen) eine bemerkenswerte Abweichung von den eigentlich zu unterstellenden Prinzipien der Meritokratie. Er schreibt im Hinblick auf das derzeit noch laufende Verfahren gegen die Zulassungspraxis an Harvard: „The suit has shone a light on a genuine problem: legacy, coupled with preferences for large donors and for faculty children. Most of the best universities in America systematically discriminate in favor of affluent, privileged alumni children. If that isn’t enough to get your kids accepted, donate $5 million to the university, and they’ll get a second look.”
Das Legacy System sei nichts anderes als ein Verfahren der positiven Diskriminierung für ohnehin priviligierte Schichten und als aristokratisch in seinen Auswirkungen nicht vereinbar mit den Traditionen des Liberalismus, denen sich Hochschulen eigentlich verpflichtet fühlen sollten. Dieser Widerspruch werde aber gerne ausgehalten. Es heißt: „Ah, never underestimate the power of self-interest to shape people’s views. As Reeves [Richard Reeves vom Think Tank Brookings Institution, der das Legacy System in einem Buch mit dem Titel „Dream Hoarders” kritisiert] put it dryly: ‘American liberalism tends to diminish as the issues get closer to home’.”
 
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