Das US-amerikanische Bildungsministerium sorgte zuletzt mit einer Neufassung der „Title IX Rules” für Diskussionsstoff. Die Regeln bestimmen allgemein, wie Hochschulen in den USA mit Diskriminationsvorwürfen umzugehen haben und sie haben zuletzt insbesondere dadurch Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil nach ihnen auch Vorwürfe sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs an Hochschulen bearbeitet werden. Die Neufassung stärkt die Rechte vermeintlicher Täter gegenüber den Rechten vermeintlicher Opfer, wurde aber in erster Linie mit dem Argument begründet, man habe durch eine Deregulierungsmaßnahme die Compliance-Kosten für Hochschulen senken wollen, weil künftig weniger Beschwerden anfallen würden, mit denen man sich auseinanderzusetzen hätte.
Die New York Times hat in einem Beitrag diese Argumentationskette des Bildungsministeriums zur Neufassung der „Title IX Rules” nachgezeichnet und zitiert die entsprechende Kalkulation des Ministeriums mit den Worten: „The entire regulation, the department projected, would save $327.7 million to $408.9 million over the next decade.”

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Der Chronicle of Higher Education setzt sich in einem Beitrag kritisch mit der Kalkulation des Ministeriums auseinander und schreibt: „For Scott Schneider, a lawyer in Austin, Tex., who used to be associate general counsel at Tulane University, there’s a clear answer to the question of whether colleges would save money: no.”
Die zugrundeliegende Rechnung, nach der durch die Änderung der Verfahrensvorschriften die Zahl der durchschnittlich pro Hochschule jedes Jahr anfallenden 1,18 Ermittlung wegen sexueller Belästigung auf 0,72 sinken würde, sei allenfalls zynisch. Es heißt: „How would the proposed rules curb the number of sexual-misconduct investigations? For one, the regulations would codify a narrower definition of sexual harassment – where one-off comments might no longer trigger formal institutional responses – and would encourage colleges to adjudicate more complaints through mediation. In addition, colleges would be held accountable only for formal sexual-misconduct complaints filed through official channels (...). And colleges would no longer be obligated under Title IX to deal with allegations of off-campus incidents.”
Die Kosten würden von den Hochschulen – mit entsprechenden finanziellen Folgen – allenfalls in Richtung der normalen Gerichte verschoben: „If anything (...) as the courts continue to weigh the claims of accused students, colleges might have to uphold higher due-process standards when handling the cases, like hiring retired judges to run campus hearings. That could add costs, not reduce them.”

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