Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
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Die Themen dieser Woche:
- Neue Zahlen zu Einschreibungen an US-Hochschulen
- NAFSA warnt: Die USA verlieren internationales Talent
- Hochschulen im Zeitalter von Leistungsmessungen
- Kurznachrichten
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Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe befassen wir uns mit den jüngsten Zahlen des National Student Clearinghouse Research Centers zu Einschreibungen an US-amerikanischen Hochschulen und mit dem in der vergangenen Woche unter dem Titel „Losing Talent. An Economic and Foreign Policy RiskAmerica Can’t Ignore” veröffentlichten Bericht von NAFSA: Association of International Educators. Wir werfen zudem einen Blick auf Eindrücke von einer Konferenz zum Thema „Higher Education in the Age of Metrics” und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.
Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.
Stefan Altevogt
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Neue Zahlen zu Einschreibungen an US-Hochschulen
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Das National Student Clearinghouse Research Center hat jüngste Zahlen zu Einschreibungen an US-amerikanischen Hochschulen veröffentlicht und stellt fest: „In spring 2019, overall postsecondary enrollments decreased 1.7 percent from the previous spring.” Die Entwicklung der Zahlen (jeweils Winter- bzw. Sommersemester bis Winter- bzw. Sommersemester im Folgejahr) ist über die vergangenen drei Jahre zu verfolgen und man kann sehen, dass sich der Rückgang der Studierendenzahlen sogar etwas beschleunigt hat.
Es gab zuletzt eine Ausnahme von der allgemeinen Entwicklung, nämlich die Zunahme der Einschreibungszahlen an privaten, gemeinnützigen Einrichtungen um 3,2%, die allerdings im Wesentlichen auf eine Verschiebung innerhalb der Betrachtungskategorien zurückzuführen gewesen sei. Es heißt: „This increase was largely due to the recent conversion of a large for-profit institution to nonprofit status.” Entsprechend hoch (-19,7%) sei damit auch der Rückgang in der Kategorie der For-Profits.
Öffentlich finanzierte vierjährige Hochschulen hatten einen Rückgang von 0,9% zu verzeichnen, öffentliche zweijährige Hochschulen einen Rückgang von 3,4%.
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Ein Beitrag des Chronicle of Higher Education zu den Daten hebt darüber hinaus auch die „cross-sector dynamics” in der Altersgruppe der Über-24-Jährigen hervor, aus denen in der Vergangenheit die For-Profits überproportional rekrutiert hätten. Hier habe der Zuwachs bei den privaten, gemeinnützigen Einrichtungen bei fast 6% gelegen.
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Diese allgemeine Entwicklung ist der Hintergrund für die Besonderheiten der privaten Colleges im Nordosten der USA und in den „mid-Atlantic regions”. Zum einen liegt hier der Rückgang der Bevölkerung im traditionellen Studieralter deutlich oberhalb des US-Durchschnitts, zum anderen findet sich hier aus historischen Gründen eine hohe Verdichtung dieses Hochschultyps.
Ein Beitrag im Chronicle of Higher Education befasste sich vor zwei Wochen mit dem Thema und schrieb: „Years of data suggesting that a significant share of private colleges, especially smaller, traditional four-year institutions, are at risk of losing revenue as increasingly price-conscious families look elsewhere for degrees.” Anlass des Beitrags waren Meldungen, dass mit Bucknell University nun bereits auch sehr selektive Colleges ihre selbst gesetzten Einschreibungsziele verfehlten. Hier würden sich über kurz oder lang einschneidende Maßnahmen nicht mehr vermeiden lassen. Der Gründer eines Hochschulberatungsunternehmens, bei dem nun verstärkt auch Beratungsanfragen in Richtung „mergers and acquisitions”, also ökonomischer Konsolidierungsmaßnahmen aufliefen, wird mit den Worten zitiert: „At many institutions, we’ve been playing around the edges for a long time. And playing around the edges doesn’t cut it anymore.” Die Kostenstruktur mit den hohen pro-Kopf-Ausgaben pro Studierendem sei abseits der wenigen Fälle großer Vermögen an den privaten Hochschulen nicht mehr nachhaltig.
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Bereits eine Woche zuvor hatte der Chronicle of Higher Education einen Beitrag gebracht, demzufolge Probleme mit den Einschreibungszahlen an privaten Hochschulen im Nordosten der USA mittlerweile auch die selektiveren Einrichtungen beträfen. Es heißt hier: „A broad swath of private colleges across the Northeast and mid-Atlantic regions are expected to miss their enrollment goals for the fall semester. That growing trend now includes some institutions that have rarely, if ever, had to worry about filling classes.”
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Auf der anderen Seite, so eine Meldung im Chronicle of Higher Education, müsse Virginia Tech derzeit mit einer ungewöhnlichen Maßnahme auf überfüllte Hörsäle und Seminarräume reagieren und einigen Studierenden Geld dafür anbieten, ihr Studium etwas aufzuschieben. Es heißt: „The university sent out on Tuesday night an offer to 1,559 in-state freshmen of cash inducements to defer enrollment. For a $1,000 yearly scholarship over the next four years, they can take a gap year. They can get reimbursed for a year of community-college courses before transferring. Or they can take free classes this summer and next, taking either fall or spring semester off, for a combined full year’s worth of credits. Virginia Tech has allotted $3.3 million over four years to pay for the inducements.”
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Während bei klassischen Formen des Studiums ein Rückgang der Nachfrage zu verzeichnen sei, so ein Beitrag auf Inside Higher Education, erfreuten sich Online-Studiengänge wachsender Beliebtheit. Der Beitrag zitiert Zahlen des National Center for Education Statistics im US-Bildungsministerium, nach denen die Anzahl von Studierenden, die wenigstens einen Kurs online absolvierten, zuletzt um 5,7% zugenommen habe. Es heißt: „The proportion of all students who were enrolled exclusively online grew to 15.4 percent (up from 14.7 percent in 2016), or about one in six students. The share of all students who mixed online and in-person courses grew slightly faster, to 17.6 percent in 2017 from 16.4 percent in 2016. And the proportion of all students who took at least one course online grew to 33.1 percent, from 31.1 percent in 2016.”
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NAFSA warnt: Die USA verlieren internationales Talent
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Ein Beitrag des Chronicle of Higher Education zur diesjährigen Konferenz von NAFSA: Association of International Educators stellt einen Bericht in den Mittelpunkt, der deutlich vor den Gefährdungen für die internationale Attraktivität des Studienstandorts USA warnt, die auch von Maßnahmen der US-Bundesregierung ausgingen. Es heißt: „The top reason colleges have cited for declining international-student enrollment is the visa-application process, including delays and denials, according to survey data cited by Nafsa and originally released in November by the Institute of International Education. Eighty-three percent of institutions reported it was a deterrent, a 49-percentage-point increase from 2016, when 34 percent of colleges reported such problems.”
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Der NAFSA-Bericht stellt zum einen den sich mittlerweile auf $39 Mrd. pro Jahr summierenden Eintrag internationaler Studierender in die US-Volkswirtschaft in den Mittelpunkt, zum anderen aber auch den nur schwer zu beziffernden intellektuellen Beitrag, den internationale Studierende mittel- und langfristig in den USA leisteten. Hierzu zitiert der Bericht die Präsidentin der Cornell University, Martha Pollack, mit den Worten: „When we discourage or turn away international students, we lose much more than the students themselves (...) We lose their inventions and innovation, their collaborative input and their contributions to our communities. In time, we will lose our centers of technical excellence, which will, inevitably, migrate to places where every talented contributor is welcome. Ultimately, we will lose not just our status as a global leader, but the very identity that earned it.”
Weltweit sei die Zahl der internationalen Studierenden seit 2001 von 2,1 Mio. auf nun 5 Mio. gewachsen, doch der Marktanteil der USA im gleichen Zeitraum von 28% auf 22% gefallen. Demgegenüber würden die Marktanteile etwa von Kanada und Australien deutlich wachsen und selbst China – immer noch wichtigstes Herkunftsland für internationale Studierende in den USA – bekomme auch als Zielland wachsende Bedeutung. Hierzu heißt es: „In 2014, China surpassed the United Kingdom and the United States as a top destination for international students from Africa – and it continues to draw increasing numbers of students from the African continent.”
Der Rückgang der Zahlen internationaler Studierender in den USA habe zuletzt (zwischen 2016 und 2017) etwa 10% betragen, was die US-Volkswirtschaft rund $5,5 Mrd. und mehr als 40.000 Jobs gekostet habe. Doch müsse man über die direkten Einbußen hinaus auch die ökonomischen Verluste ausgebliebenen internationalen Talents betrachten, das derzeit noch mit dem Optional Practical Training (OPT)-Programm nach Studienabschluss ihren Unternehmergeist zur Entfaltung bringen könne. Es führe zu Innovation und zu insgesamt höheren Einkommen. Internationale Studierende gefährdeten keine bereits vorhandenen Arbeitsplätze, sondern seien ein Treiber von Innovation. Es heißt: „According to a 2018 report from the National Foundation for American Policy, nearly one-quarter of the founders of $1 billion U.S. start-up companies first came to America as international students.”
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Hochschulen im Zeitalter von Leistungsmessungen
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Ein Beitrag auf Inside Higher Education befasst sich mit einer Konferenz zur Vermessung von Hochschulleistung, die mit dem Titel „Disquantified: Making Sense of Metrics” an der University of California in Santa Barbara durchgeführt wurde und die sich dem zunehmenden Einfluss möglicherweise nur scheinbar messbarer Leistungsparameter bei der Steuerung von Hochschulen und in der Bildungspolitik widmete.
Das „age of metrics” sei dabei auf der einen Seite von dem kaum zu stillenden Bedürfnis nach objektivier- und damit vergleichbaren Daten geprägt, auf der anderen Seite durch eine grassierende Unsicherheit darüber, ob die Kriterien der angestellten Leistungsvergleiche überhaupt tauglich seien. Es heißt: „The tools of quantification we have available in higher ed are somewhere between imperfect and actively terrible, for example, the U.S. News & World Report rankings, which are essentially meaningless at measuring the learning experiences inside of institutions and yet are a considerable focus of institutional efforts.”
Diese Unsicherheit im Hinblick auf die Messwerkzeuge sei in dem Beitrag von Elizabeth Chatterjee von der Queen Mary University of London im Hinblick auf ein Programm zur Förderung der Exzellenz in der Lehre im Vereinigten Königreich als „metrical cynicism” bezeichnet worden, also als Gleichzeitigkeit der Einsicht, dass Leistungsmaßstäbe eigentlich nicht sinnvoll seien, und der Tatsache, dass man dennoch an ihnen gemessen würde. Ein offensichtliches Zeichen dieses Zynismus: „Administrators wink that they [the metrics] shouldn’t be taken seriously even as they caution that the consequences of failing the metrics are deadly serious.” Erschwerend hinzu komme, dass Fächergrenzen, in denen Leistungen verglichen würden, oft willkürlich gezogen würden und als Beispiel zitiert der Beitrag die Definition von STEM (Fächer aus dem Bereich Science, Technology, Engineering and Math), die nicht von Hochschulen vorgenommen worden sei, sondern von U.S. Immigration Officials.
Viel zu häufig würde man, um Voraussagen über die Zukunft zu machen, einfach in die Vergangenheit schauen und diese dann in die Zukunft projizieren. Die College Scorecards in den USA würde etwa so funktionieren und dabei mit statistischen Daten aus der Vergangenheit Prognosen über individuelle Entwicklungen in der Zukunft wagen. Es heißt: „Not only is it bad use of data, it has the potential to skew student choices in a way that may lower the chance of a positive outcome for some individuals. It’s irresponsible.”
Schließlich werde man sich wohl irgendwann damit abfinden müssen, dass die Mechanismen innerhalb der „Black Box”, die Bildung darstelle, ein Stück weit unaufgeklärt blieben, denn: „Given that learning happens inside individuals and often manifests itself in different ways inside those individuals, it is very difficult to measure what’s happening. To some degree, some part of the process will always be ‘ineffable’ to use a word often thrown around the conference.”
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Ein Beitrag auf den kanadischen World News befasst sich mit den Problemen von Lehrbeauftragten, denen auch an den dortigen Hochschulen auf der einen Seite eine immer größere Bedeutung zukomme und die auf der anderen Seite sozial kaum abgesichert seien. Dagegen sollen nun eine bessere (gewerkschaftliche) Organisation der Lehrbeauftragten und in deren Folge auch Tarifverhandlungen mit den Hochschulen helfen. In British Columbia stünden in diesem Sommer solche Verhandlungen an und erstmals würde dabei die Federation of Post-Secondary Educators gegenüber den Hochschulen die Interessen der Lehrbeauftragten vertreten. Zu ihren derzeitigen Bedingungen heißt es: „Some (...) are hired for as little as four months at a time and paid a fifth of what tenured professors make, often for teaching the same courses.”
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Canada News meldet die Klage der Canadian Federation of Students gegen die Provinz-Regierung von Ontario, weil diese den dortigen Hochschulen nun freistelle, bestimmte Anteile von Studiengebühren, darunter die Beiträge zu den Studierendenorganisationen, nicht mehr zu erheben. Dies ginge zu deren Lasten und die neue Politik sei willkürlich und darauf ausgerichtet, Studierendenorganisationen zu schwächen. Es heißt: „The students allege that the government issued the directive for improper purposes, unfairly targeting student unions.”
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Der Atlantic Monthly befasst sich in einem Beitrag mit der schwindenden Bedeutung von Beständen von Uni-Bibliotheken für das Studium und zitiert Zahlen aus der Bibliothek von Yale, nach denen in den vergangenen zehn Jahren die Ausleihe dort um 64% gefallen sei. Dennoch wären jüngste Pläne an Yale, drei Viertel des Präsenzbestands auszulagern, um mehr Leseplätze zu schaffen, auf lautstarken Protest gestoßen. Es heißt zur allgemeinen Entwicklung: „The University of Virginia, one of our great public universities and an institution that openly shares detailed library circulation stats from the prior 20 years, is a good case study. College students at UVA checked out 238,000 books during the school year a decade ago; last year, that number had shrunk to just 60,000.”
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Inside Higher Education berichtet über eine wachsende Zahl von US-Bundesstaaten, die undokumentierten Einwanderern den Zugang zur Hochschulbildung mit einem „Promise Scholarship Programm” erleichtern wollen, und schreibt: „Maryland, which is starting its Promise Scholarship program this year, and New York, which passed legislation in January to extend state aid to undocumented students, are the latest states to join California, Delaware, Oregon, Rhode Island and Washington in offering financial aid and grants or scholarships to students who live in those states but lack legal-immigrant status.”
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Ein Beitrag im Chronicle of Higher Education nennt die Jahrestagung der Modern Language Association (MLA) „Academe’s Extinction Event” und gibt zu bedenken: „The number of jobs in English advertised on the annual MLA job list has declined by 55 percent since 2008; adjuncts now account for all but a quarter of college instructors generally. Whole departments are being extirpated by administrators with utilitarian visions; from 2013 to 2016, colleges cut 651 foreign-language programs. Meanwhile the number of English majors at most universities continues to swoon.”
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Die New York Times vergleicht vor dem Hintergrund der mittlerweile auf mehr als $1,5 Bio. bezifferten Studienschulden in den USA verschiedene Arten von Studienfinanzierung in Ländern der OECD. Der Beitrag wirft dabei auch einen Blick auf Dänemark, wo mit 1,6% des BIPs fast doppelt so viel für Hochschulbildung ausgegeben werde wie in den USA und entsprechend die Verschuldung durchweg vernachlässigbar sei. In den Worten einer Hochschulabsolventin habe dies weiterreichende ökonomische Konsequenzen: „Starting out with no debt is a huge relief. We can start saving right away for other life choices.”
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Redaktion:
Benedikt Brisch, Stefan Altevogt, Jessica von Tresckow
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