Ausgabe ___ | March 29 2017
19. März 2018
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Öffentliche Hochschulen in den USA gehen schweren Zeiten entgegen
  • Bewegung im For-Profit-Sektor
  • Debatte um Verbindlichkeit von Praktika während des Studiums
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit den Ergebnissen einer Umfrage unter Präsidenten öffentlich finanzierter Hochschulen in den USA und mit jüngsten Entwicklungen im gewinnorientierten Hochschulbereich. Wir werfen zudem einen Blick auf die Debatte um die Verbindlichkeit von Berufspraktika während des Studiums und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche. 

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Öffentliche Hochschulen in den USA gehen schweren Zeiten entgegen
Gemeinsam mit dem Meinunsforschungsinstitut Gallup hat Inside Higher Education vor einigen Wochen seine regelmäßig durchgeführte Umfrage unter Präsidenten öffentlich finanzierter Hochschulen auf den jüngsten Stand gebracht und die Ergebnisse zur Jahrestagung des American Council on Education Anfang März als „2018 Survey of College and University Presidents” veröffentlicht. Die Umfrage konzentrierte sich – wie sonst auch üblich – auf die wirtschaftlichen Herausforderungen für die jeweiligen Einrichtungen, auf die als nachlassend empfundene öffentliche und politische Unterstützung für die Ziele öffentlicher Hochschulen, auf Fragen einer möglichen Schließung oder Zusammenlegung mit anderen Standorten infolge sinkender Studierendenzahlen und auf die Angemessenheit und Durchsetzbarkeit von Studiengebühren auf dem derzeitigen Niveau. 
Zusätzlich fragte man aber auch: „What effects do presidents perceive the election of Donald Trump had on their campus and on higher education more generally? What are presidents’ views of some of the federal policies that affect higher education?” Nur wenig überraschend ist die Zahl von 69% der Befragten, die angaben, dass sich die Rhetorik Trumps negativ auf die Fähigkeit der Hochschulen auswirke, international zu rekrutieren. Ebensowenig überraschen dürfte die Mehrheit der Befragten, die sich gegen eine Besteuerung der Erträge von Hochschulvermögen aussprechen. Vermutlich hätte man auch darauf getippt, dass etwa die Hälfte der Befragten sagen würde, die Hochschulpolitik der Trump-Regierung entwickele sich wie erwartet bzw. wie befürchtet und dass nur ein kleiner Teil (10%) von Trump noch habe negativ überrascht werden können. Auf der anderen Seite ergab die Umfrage aber auch: „A majority of college presidents favor efforts by the Department of Education to give colleges more flexibility in how they handle sexual assault cases.” 
Die Tatsache, dass sich weder Trump noch seine Wähler für Hochschul- und Bildungspolitik interessieren, scheint in „der Szene” zwar immer noch für Ratlosigkeit zu sorgen, aber eben auch für das Bewußtsein, dass die Probleme der Hochschulen nicht erst mit dem Amtsantritt der Trump-Administration begonnen haben und entsprechend auch nicht (hoffentlich) im Januar 2021 mit einer dann von den Demokraten geführten Regierung enden werden. 
Die Betrachtungshorizonte sind längere und über längere Zeiträume machen sich die Präsidenten öffentlich finanzierter Hochschulen schon erhebliche Sorgen: „The majority of presidents, 63 percent, remain confident that their institution is financially sustainable over the next five years. Fewer, 53 percent, agree their institution will remain viable over the next 10 years.” 
Man sehe langfristig funktionierende Geschäftsmodelle vor allem bei privat finanzierten Elitehochschulen, bei den führenden, ebenfalls privat finanzierten Liberal Arts Colleges und bei den großen Flaggschiffen öffentlich finanzierter Hochschulsysteme. Deutlich weniger überzeugt zeigten sich die Befragten hinsichtlich der Überlebensfähigkeit von Community Colleges und von For-Profits. Man erwarte insgesamt einen wachsenden Konsolidierungsdruck: „Nearly all presidents believe that additional colleges will merge or close this year, with 30 percent predicting that between one and five colleges will close, 40 percent between 6 and 10, and 29 percent more than 10. Thirteen percent of presidents say they could see their own college closing or merging in the next five years. That is higher than the 9 percent of chief business officers who answered that way in an Inside Higher Ed survey last summer.”
Die Mehrheit der Hochschulpräsidenten glaube schließlich, dass die Gesellschaft insgesamt von der Rolle der Hochschulen keine zutreffende Vorstellung habe und dass jüngste Debatten über hohe Studiengebühren, große Stiftungsvermögen weniger Einrichtungen und die derzeit hohe Wertschätzung der Erfahrungen von Studierenden entscheidend zu der Verzerrung der Wahrnehmung beitragen würden.

Sie finden die Umfrageergebnisse hier .

Der begleitende Beitrag ist mit „Leading in Turbulent Times: A Survey of Presidents” überschrieben und konzentriert sich vor allem auf die Herausforderungen, die mit der Fragmentierung der US-amerikanischen Gesellschaft für die Hochschulen einhergingen und mit einer schwindenden Wertschätzung von Hochschulbildung insgesamt. Es heißt: „This has been a turbulent stretch for college leaders, who have been anything but immune from the fragmentation and escalating social and political conflict in American society. The growing skepticism of institutions that candidate Donald Trump tapped into during his run to the presidency has not spared colleges and universities, as the public – in a series of surveys by Gallup, Pew and others – has expressed escalating doubts about the value of college and higher education’s contributions to the country.”
Die öffentliche Wahrnehmung des Preis-Leistungs-Verhältnisses, so Terry W. Hartle, der Senior Vice President for Government and Public Affairs beim American Council on Education, sei in Schieflage geraten: „They [Trump voters] overwhelmingly think the value [of a degree] has declined, and they measure value by economic return. They think you don’t need a college education to get a good job, but their own kids are going to go to college, and they think it’s too expensive.”
Bedenklich sei schließlich, wie sehr die Befragten noch der Meinung anhingen, es gehe bei den derzeitigen Problemen der Hochschulen allein um die gesunkene Wertschätzung von Hochschulbildung, also um eine Wahrnehmung, und nicht etwa auch um „wirkliche” Probleme an den Hochschulen. So zitiert der Beitrag Lanae Erickson Hatalsky vom Think Tank „Third Way” mit den Worten: „The presidents 100 percent think it’s about perception. There’s little acknowledgment that there might be a kernel of truth to the public concerns.”

Sie finden den Beitrag hier .

Bewegung im For-Profit-Sektor
Der Chronicle of Higher Education befasst sich in einem Beitrag mit den jüngsten Entwicklungen bei den gewinnorientierten Hochschulen in den USA und schreibt: „Time and again, the Trump administration has been a friend to for-profit colleges. Education Secretary Betsy DeVos has hired former executives of the colleges to advise her on key issues, and the Education Department under her leadership has backed away from Obama-era regulations opposed by the industry.” 
Das bislang größte „Geschenk” in die Landschaft der For-Profits sei allerdings die zunehmende Bereitschaft im Bildungsministerium, gewinnorientierten Hochschulen eine Umrwandlung zur Gemeinnützigkeit und damit – das Einverständnis des Finanzamts und der Akkreditierungsagentur vorausgesetzt – eine steuerliche Besserstellung zu gestatten. Es heißt: „Under DeVos, the agency has been more receptive to those applications than it was under President Barack Obama.” Als jüngstes Beispiel eines solchen Vorgehens listet der Beitrag die Anfang der Woche gemeldete Fusion von zwei Hochschulen des For-Profits Bridgepoint Education zu einer dann gemeinnützig agieren wollenden Ashford University.
Der Beitrag fasst dann noch einmal die Nachteile der For-Profits gegenüber gemeinnützigen Hochschulen zusammen, vor allem die nur die For-Profits betreffende Gainful Employment Rule, wonach ein Studienabschluss in die Lage versetzen muss, die Studienschulden wieder zurückzahlen zu können, und die Regel dass bei den For-Profits höchstens 90% der Einnahmen aus mit öffentlichen Mitteln finanzierten Studienbeihilfen bestehen darf. 
Der Beitrag weist aber auch darauf hin, dass sich die Landschaft der For-Profits so aufstellen wolle, dass sie nicht zu sehr von den wechselnden Stimmungen im Weißen Haus oder im Kongress abhingen, denn wenn Investoren eines vermeiden wollten, dann sei dies Unsicherheit. Es heißt in den Worten eines auf Hochschulbildung spezialisierten Investmentbankers: „They [die Investoren] have no idea what their regulatory situation is going to look like after 2020 (…). Investors don’t want to own a company that they can only own when there’s a Republican in the White House."

Sie finden den Beitrag hier .

In einem weiteren Beitrag listet der Chronicle of Higher Education die jüngsten Entwicklungen der Konvergenz von For-Profits und gemeinnützigen Hochschuleinrichtungen auf, deren spektakulärstes Beispiel im vergangenen Jahr der Erwerb der gewinnorientierten Kaplan University mit ihren 32.000 Studierenden an 15 Standorten durch die öffentlich finanzierte Purdue University im US-Bundesstaat Indiana gewesen sei. Auch hier gab es eine neue Entwicklung, nämlich die Genehmigung durch die Higher Learning Commission am 5. März unter Vorbehalt: „The accreditor says it remains concerned about the potential for confusion among consumers. The commission plans to review the arrangement again in six months.”

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Die kanadische iPolitics geht in einem Beitrag der Frage nach, warum Absolventen der dortigen privaten, gewinnorientierten „Career Colleges” deutlich häufiger mit der Rückzahlung von Studiendarlehen in Verzug geraten als Absolventen anderer Hochschulen. Ein Verbandssprecher der Career Colleges habe auf die Tatsache hingewiesen, dass die Studierenden dort im Durchschnitt deutlich älter seien als die an traditionellen Hochschulen, häufiger Kinder hätten und sich insgesamt in finanziell anfälligeren Lebenssituationen befänden. Derzeit beträfe dies 9% der etwa 500.000 Studierenden, die in Kanada Beihilfen aus Bundesmitteln beziehen würden und zuletzt habe man insgesamt mehr als Can$200 Mio. aus knapp 35.000 Darlehen als notleidend abschreiben müssen. In einer nennenswerten Anzahl von Fällen müsse es aber gar nicht so weit kommen. Es heißt: „Many students don’t know that they can qualify for repayment assistance that can reduce or delay payments to make them more manageable.”

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Debatte um Verbindlichkeit von Praktika während des Studiums
In einem Beitrag für den Chronicle of Higher Education setzt sich Matthew Hora, Professor für Erwachsenenbildung an der University of Wisconsin at Madison und Autor des 2016 erschienenen Buchs „Beyond the Skills Gap: Preparing College Students For Life and Work”, kritisch mit der jüngsten Tendenz an US-amerikanischen Hochschulen auseinander, Berufspraktika zur Voraussetzung für einen Studienabschluss zu machen. 
Angesichts von Statistiken, denen zufolge die Wahrscheinlichkeit einer Anstellung nach Studienabschluss mit einem Praktikum doppelt so hoch sei wie ohne und angesichts von Zahlen, denen zufolge Arbeitgeber mit überwiegender Mehrheit Berufsanfänger mit Erfahrungen im Arbeitsleben wünschten, seien die Verbindlichkeit eines Praktikums für den Studienabschluss verständlich und entsprechende Regelungen an Hochschulen wie Seton Hall University oder der California Polytechnic State University nachvollziehbar. 
Dennoch pflichte Hora einem Kollegen bei, der sagte: „Internships are the Wild West in higher education.” Das derzeitige Angebot sei unreguliert, habe ein deutliches Potenzial zur Ausbeutung und sei vor allem für viele Studierende nicht zugänglich. Diesem Wilden Westen ein Ende zu bereiten, fordert Hora die regelmäßige Bezahlung von Praktika (bislang seien wenigstens 40% der Praktika unbezahlt), eine systematische Erschließung von Praktikumsplätzen für die derzeit fast 20 Mio. Studierenden an US-amerikanischen Colleges und eine den Anforderungen entsprechende personelle Ausstattung der Hochschulen für die Praktikumsbetreuung. In diesem Zusammenhang nennt er eine Zahl aus seinem Erfahrungsbereich: „For instance, it takes a full-time career-services director, three employer-relations coordinators, and five part-time advisers to run the internship program for the 2,550 undergraduates in the University of Wisconsin at Madison’s business school.”
Sein Fazit zum gegenwärtigen Zeitpunkt: „Until we have (...) adequate resources in hand, let’s hit the pause button on internship mania, and take the time to carefully design and support a system that protects students while making available rich experiential-learning opportunities for all.”

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Kurznachrichten
Inside Higher Education zitiert die Ergebnisse einer jüngsten Gallup-Umfrage unter Studierenden in den USA und schreibt: „Asked to select which is more important, about 53 percent of the students interviewed for the study picked diversity, versus 46 percent who chose free speech.”

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Sie finden die Umfragergebnisse hier.

Einer Meldung auf Global News zufolge wird die Regierung der kanadische Provinz Albertat Can$ 50 Mio. über die kommenden fünf Jahre investieren, um mehr Studierende in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern auszubilden. Mit den Mitteln sollen neue Studienplätze eingerichtet und durch Stipendienprogramme ein entsprechendes Interesse erzeugt werden. Erklärtes Ziel sei nach Auskunft des Ministers für höhere Bildung, Marlin Schmidt, die nachhaltige und auch über die aktuelle Maßnahmen hinausgehende Verbesserung der Standortbedingungen für High-Tech-Unternehmen, die sich vor allem dort niederließen, wo ausreichend Talent zur Verfügung stünde. Er wird mit den Worten zitiert: „We know there’s more we need to do to make Alberta the go-to place for investment by high-tech industries.”

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In einem Beitrag für University Affairs plädiert Jonathan Finn von der kanadischen Wilfrid Laurier University dafür, Hochschulen wieder mehr zu Orten höherer Bildung werden zu lassen und etwas weniger Wert auf die „expericence” der Studierenden zu legen. Er beschreibt die gegenwärtige Situation mit den Worten: „As part of the experience industry, the armada of staff and programs in place to combat this situation signals to students that the stress and treachery of the road ahead are very real. Why else would universities have lazy rivers, therapy dogs, 24-hour health and wellness centres, on-site medical and psychological staff, among an array of other services? (…) The message from all this is clear: education is not enough. To truly separate yourself from the masses and to snag the elusive full-time job, you must build your experience profile. Your peers are doing it, they are doing more of it, and they are doing it better. You must do more. And if you find this stressful, avail yourself of the numerous resources on campus designed to ensure your positive experience. It’s an experience feedback loop.” 

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Queen’s University in der kanadischen Provinz Ontario meldet den Start des landesweit ersten Studienprogramms an ihrer Smith School of Business, das Betriebswirtschaftslehre mit Artificial Intelligence verbinde, und schreibt: „Smith’s new Master of Management in Artificial Intelligence (MMAI) is focused on the effective management of AI in business. The program is designed specifically for studying the application of artificial intelligence and machine learning in the context of modern business decision-making.”

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Die erste Sensation der diesjährigen Endrunde im College-Basketball der Männer war der Sieg der University of Maryland, Baltimore County über die haushoch favorisierte University of Virginia am vergangenen Freitag, nach Einschätzung der New York Times „the biggest upset ever in the N.C.A.A. men’s basketball tournament”. Akademisch überrasche der Erfolg der erst 1966 gegründeten Hochschule allerdings nicht. Es heißt: „The university (...) is better known for producing the most African-American students who go on to complete combined M.D.-Ph.D. programs (…). Before its 20-point win over the nation’s top-ranked basketball team, it was the reigning National Collegiate Cyber Defense Competition champion.”

Sie finden diese Meldung hier .

Die University of Alberta hat, so eine Meldung des Globe and Mail, derzeit einen Doppelgänger im kalifornischen Irvine. Die dortige California South University werde laut eigenen Angaben auf dem Internet zwar von Justin Trudeau als Hochschulpräsidenten geführt, aber ansonsten habe man sich sehr viel Mühe gemacht, das Edmontoner Original authentisch nachzubilden. Der vermutete Grund: „They are trying to con people into sending them money. It is fairly elaborate, and it’s fraud.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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