Bei Schuldzuweisungen für die in den vergangenen Jahrzehnten deutlich oberhalb der allgemeinen Inflationsrate gestiegenen Studiengebühren stehen unproduktive Fakultätsmitglieder in den Fachmedien allerdings seltener in der Kritik als eine angelbich aufgeblähte Verwaltung an Hochschulen und die Gehälter, die in Verwaltungspositionen verdient würden. Die obersten Spitzen der Gehaltsgefüge für Hochschulverwaltungen beleuchtet einmal im Jahr der Chronicle of Higher Education mit den Daten zu „Executive Compensation at Public and Private Colleges”, einer Sammlung von Zahlen zu 1.400 Führungskräften an 600 privaten und knapp 250 überwiegend öffentlich finanzierten Hochschulen bzw. Hochschulsystemen.
An 17 überwiegend öffentlich finanzierten Hochschulen der USA bekommen danach die Führungsspitzen der Einrichtungen Jahresgehälter von mehr als $1 Mio., angeführt von William McRaven, der es an der Spitze des University of Texas Systems auf ein Einkommen von knapp $2,6 Mio. bringt. Selbst an einer vergleichsweise kleinen Einrichtung wie der Lamar University mit knapp 15.000 Studierenden, Teil des eher berufsbezogenen Texas State University System, bekommt der Präsident knapp $600.000 im Jahr. An diesem Beispiel kann man dann auch das Gehaltsgefüge erkennen, dessen Spitze in der Regel wahlweise der Präsident ist oder – bei diesbezüglich erfolgreicheren Hochschulen – der Football-Coach. Im Falle von Lamar bekommt der Coach $234.000 im Jahr, genauso viel wie der Vice President, Operations und etwas weniger als der Provost, der mit $241.000 pro Jahr entlohnt wird. McRaven setzt sich entsprechend mit seinem Jahresgehalt gegenüber dem Vice Chancellor, Health Affairs ab, der auf gut $700.000 kommt, und dieser wiederum lädt gelegentlich den Vice Chancellor, External Relations zum Bier ein, weil dieser nur $550.000 im Jahr bekommt.
Bei den privaten Hochschulen liegt nicht eine der Hochschulen der Ivy-League vorn, auch nicht Stanford University oder das MIT, sondern mit knapp $5 Mio. Kenneth Starr, der Präsident der texanischen Baylor University, wobei er kein ganzes Jahr im Amt war (der Interim-Präsident für die übrige Zeit steht mit $430.000 in den Büchern). Starr müsste sich aber eigentlich immer vom Football-Coach zum Bier einladen lassen, der mit einem Jahresgehalt von fast $18 Mio. in den Büchern steht. Deutlich weniger bekommt mit gut $3 Mio. der Trainer der Basketballer und noch weniger mit $2,2 Mio. der Trainer der Basketballerinnen.
Aber die Ivy-League folgt auf den Plätzen zwei (Columbia University, $3,9 Mio.) und drei (University of Pennsylvania, $3,2 Mio.) Im Fall von Lee Bollinger an der Columbia University sehen wir nicht auf einen Übungsleiter mit höherem Gehalt, sondern zwei Personen, die sich um die möglichst ertragreiche Anlage des Stiftungsvermögens der Hochschule kümmern und die mit Jahresgehältern von jeweils knapp $4,2 Mio. geführt werden. Über allem thront David Silvers, der es als Clinical Professor auf knapp $4,7 Mio. pro Jahr bringt. Ähnlich ist es übrigens auch an der University of Pennsylvania, wo es ein Pathologe auf fast das gleiche Jahresgehalt bringt wie Amy Gutmann als Präsidentin.
Ähnliche Verwerfungen im Gehaltsgefüge finden sich auch an Harvard University, wo Drew Gilpin Faust zwar mit knapp $1,1 Mio. entlohnt wird, wo sie aber auf drei Fakultätsmitglieder mit höheren Jahresgehältern blickt: Teresa Amabile (BWL, $1,8 Mio.), William Sahlman (VWL, $1,8 Mio.) und Stephen Blyth, der zwar als Fakultätsmitglied im Department of Statistics mit knapp $6,8 Mio. in den Büchern steht, das Geld aller Wahrscheinlichkeit aber als President and Chief Executive Officer der Harvard Management Company verdient hat, der Einrichtung also, die sich um ertragreiche Anlage des Stiftungsvermögens kümmert.
Der Vollständigkeit halber noch Stanford University, deren Präsident John Hennessy im Betrachtungszeitraum (2018) mit $1,2 Mio. entlohnt wurde, den er allerdings nicht komplett im Amt gewesen ist. Hennessy hatte in der Gehaltspyramide drei Personen über sich, den Football-Coach mit $4,4 Mio., den Director of Football mit $3,8 Mio. und den für die Geldanlage zuständigen leitenden Mitarbeiter, der es auf gut $3,3 Mio. brachte.

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