Ausgabe ___ |  March 29 2017
7. August 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • "There is work to do, higher ed"
  • APLU öffnet sich der berufsbezogenen Bildung
  • Affirmative Action
  • Kurznachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit Ergebnissen des 2017 Inside Higher Ed Survey of College and University Business Officers und mit der Veröffentlichung eines ersten Berichts zur Anpassung von Lehrplänen an Forschungshochschulen an die veränderten Herausforderungen des Arbeitsmarkts. Wir werfen zudem einen Blick auf die nun auch in das Visier des US-amerikanischen Justizministeriums geratene „affirmative action” als ein Werkzeug der Hochschulzulassung und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt

„There is work to do, higher ed”
Rechtzeitig zur Jahrestagung der National Association of College and University Business Officers (NACUBO) legte Inside Higher Education Ergebnisse einer gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Gallup durchgeführten Umfrage unter den für ökonomische Aspekte verantwortlichen Führungskräften von Hochschulen vor, den „Inside Higher Ed Survey of College and University Business Officers”. An der diesjährigen Umfrage beteiligten sich 409 Chief Business Officers (CBOs), davon 217 von öffentlich finanzierten Hochschulen, 184 von privaten und acht von For-Profits. Als erstes Ergebnis hält man fest, dass die Insel der Seeligen immer kleiner werde. Hätten vor zwei Jahren lediglich 56% der Befragten den Medienberichten zustimmen wollen, denen zufolge sich die US-amerikanische Hochschullandschaft in einer finanziellen Krise befinde, waren es 2016 schon 63% und in der jüngsten Umfrage 71%.

Die veränderte Einschätzung der allgemeinen Lage folgt der Kenntnis der sich verändernden Voraussetzungen für die jeweils eigenen Hochschulen. Hierzu heißt es: „A slight majority of CBOs strongly agree or agree their institution will be financially stable over the next five years. Slightly less than half, 48 percent, agree their institution will be sustainable over the next 10 years. Those numbers are down sharply from last year.”

Wachstum bei den Studierendenzahlen (mehr zahlende Studierende) als Ausweg werde zwar immer noch von 71% der Befragten als Therapie der Wahl genannt, doch gegenüber der Umfrage des vergangenen Jahres (87%) scheine ein größer werdender Anteil nicht mehr auf die Wirksamkeit von Wachstumsstrategien zu setzen.

Demgegenüber würde man sich verstärkt Gedanken über die Ausgabenseite der Hochschulbilanzen machen: „More CBOs this year than in 2016 say their college will reduce administrative positions, promote early retirement for faculty members and administrators, and cut spending for intercollegiate athletic programs.”

An bereits 12% der Hochschulen machten sich Führungskräfte darüber Gedanken, ob die Fusion mit einer anderen Hochschule nicht ein Ausweg aus der Krise sein könne und an einem Viertel der Hochschulen würde man über die Zusammenlegung und gemeinsame Nutzung von Hochschulressourcen diskutieren.

Die Regierung Trump sei immer noch eine große Unbekannte in der Rechnung der Hochschulen. Die weit überwiegende Mehrheit der CBOs geht von negativen Auswirkungen auf die Hochschulfinanzen aus, sollte die Regierung Einsparungen in den Studienförderprogrammen des Bundes vornehmen.
Im Hinblick auf die für Forschungshochschulen wichtige Stellschraube der aus Bundesmitteln finanzierten Forschungsförderung heißt es: „Public doctoral CBOs are especially likely to think that potential federal policy changes, including those related to research funding, will affect their college’s financial situation.” (Zur Frage der Höhe der Erstattung indirekter Forschungskosten gibt es zwar eine Haltung der Regierung, nämlich diese drastisch auf dann 10% begrenzen zu wollen, doch bislang ist man im Kongress nicht geneigt, diese Forderung Trumps auch Haushaltsgesetz werden zu lassen.)

Sie finden die Survey  hier.

Der begleitende Beitrag auf Inside Higher Education stellt heraus, dass der Blick auf die finanzielle Situation von Hochschulen durch eine rosarote Brille der Vergangenheit angehöre. Es heißt: „The rose-colored glasses come off: (…) The reality of higher education’s financial challenges is sinking in among college and university business officers.” Die entscheidende Frage sei nun, ob die Hochschulen der veränderten Lage entsprechend reagieren wollten und ob die Reaktionen den Veränderungen angemessen sein würden. Hier ist der Beitrag vorsichtig skeptisch: „Colleges and universities will always have to find a balance between cuts and investing in new programs for the future. But against the backdrop of increasing financial uncertainty, enrollment challenges and high competition between institutions, worries persist that higher ed leaders have not been thinking drastically enough.”

Sie finden den Beitrag  hier.

In einem weiteren Beitrag befasst sich Inside Higher Education mit den in den vergangenen Jahren größer gewordenen Problemen bei der Vermittlung des Wertes von Hochschulbildung in Bevölkerung und Politik hinein und nimmt dabei Bezug auf eine Sitzung während der NACUBO-Jahrestagung mit dem Titel „Is College Worth It? Communicating the Value of Higher Education”. Eines der Probleme sei dabei die verzerrte Wahrnehmung und entsprechend politische Brisanz von Studienschulden. Hier stelle sich die Frage, „how college leaders might best communicate with members of Congress to counteract the media-created mis-impression that many students are drowning in hundreds of thousands of dollars in debt (when the average student loan borrower carries less than $30,000)”. In diesem Zusammenhang stelle sich zudem die Frage nach den gegenwärtigen Arbeitsmarktchancen und Verdienstmöglichkeiten von Hochschulabsolventen, eine Frage, die unmittelbar in Befürchtungen münde, dass es sich bei Studienschulden um die nächste große Blase nach der Hypotheken-Blase von 2008 handele. Es heißt: „Most people on both sides [of the political aisle] are cognizant of that bubble. There is work to do, higher ed.”

Sie finden den Beitrag  hier.
APLU öffnet sich der berufsbezogenen Ausbildung
Die Association of Public and Land-grant Universities (APLU), also die Organisation der eher forschungsbezogenen unter den öffentlich finanzierten Hochschulen in den USA, hat gemeinsam mit dem National Center for Manufacturing Sciences (NCMS) und dem Forschungsinstitut Lightweight Innovations for Tomorrow (LIFT) ein Expert Educator Team (EET) gebildet und nun die erste einer auf sechs Folgen ausgelegten Reihe von Empfehlungen vorgelegt, wie Lehrpläne an Hochschulen besser mit den Anforderungen des Arbeitsmarkts in diesem Teilbereich der Produktionstechnologie in Übereinstimmung gebracht werden können.

Die „Aligning Technology and Talent Development” genannte Initiative geht dabei von einer veränderten Situation aus, in der sich in bestimmten Bereichen des Arbeitsmarkts die berufsbezogenen Ausbildungsschwerpunkte von „vocational education and community colleges” und die eher forschungsbezogenen Schwerpunkte in der Ingenieurausbildung an Universitäten stärker zu überlagern beginnen. Es heißt in der Einleitung: „The infusion of technology across all manufacturing sectors and at all levels of design and production requires the workforce to have higher level skills and a significant set of competencies related to new technologies, materials, and processes. Strong partnerships are needed between post-secondary education and industry. If community and technical colleges and universities are not incorporating the evolving needs of industry into their curriculum and training opportunities, their students will not be prepared for the world of innovation in advanced manufacturing.”

Sie finden den Bericht  hier.

Die Presseerklärung der APLU zur Vorlage der ersten Empfehlungen hebt den Konsens unter „leading national higher education and workforce experts” zur Notwendigkeit hervor, dass neben den traditionell berufsbezogenen zweijährigen Einrichtungen nun auch die eher forschungsbezogenen vierjährigen Einrichtungen im Hinblick auf die Entwicklung der Lehrpläne stärker mit der Industrie zusammenarbeiten sollten. Es heißt: „The report includes recommendations about college-level competencies required for emerging technologies and lightweight metal solutions across several industries. The report urges programs at both the technical/production (two-year, associate’s degree) and design/engineering (four-year, bachelor’s degree) levels to review curricula and integrate materials and approaches that address competencies in four different manufacturing areas, including integrated computational materials engineering (ICME), metamorphic manufacturing, distortion control, and thin-wall aluminum die casting.”

Sie finden den Bericht  hier.
Affirmative Action
Die New York Times meldete Anfang der Woche, dass das US Department of Justice verstärkt gegen „affirmative action” als ein Instrument von Hochschulen vorgehen wolle, bei der Zusammenstellung von Studierendenjahrgängen bislang unterrepräsentierte Schichten stärker berücksichtigen zu können. Es heißt: „The Trump administration is preparing to redirect resources of the Justice Department’s civil rights division toward investigating and suing universities over affirmative action admissions policies deemed to discriminate against white applicants, according to a document obtained by The New York Times.”

Sie finden den Beitrag  hier.

In einem Beitrag des Chronicle of Higher Education schätzt Peter Schmidt die Chancen der Regierung, im Hinblick auf die Praxis von affirmative action wesentliche Änderungen herbeiführen zu können, als gering ein. Er schreibt: „Any broader Trump administration campaign against race-conscious admissions policies will have trouble making much headway, at least in the short term. Such policies simply have too much past U.S. Supreme Court backing for their legality to be easily challenged. They also have a long history of surviving attacks in the national political arena.”

Sie finden diesen Beitrag hier.

Ein weiterer Beitrag der New York Times zitiert affirmative action als ein Beispiel für die Diskrepanz öffentlicher Umfragen und Wählerverhalten und gibt auf diese Weise auch einen Hinweis auf die Motivation der Trump-Regierung, das Thema trotz der offensichtlichen Aussichtslosigkeit auf die Tagesordnung zu setzen. Es heißt: „Over the last decade or so, polls have shown that the public backs the liberal or Democratic position on just about every major issue [darunter auch affirmative action]. (...) And yet Republicans now hold full control of government in Washington. There’s a loosely held but widespread assumption that many of these same issues have been a part of the Republican resurgence.” An den Wahlurnen in Michigan habe die Ablehnung von affirmative action zuletzt eine Mehrheit von 16% erzielt.

Sie finden den Beitrag hier.

Statt affirmative action, so ein Beitrag des Chronicle of Higher Education, solle das Justizministerium lieber die sogenannte „legacy admission” ins Visier nehmen, die Praxis von Elitehochschulen, Kindern von Ehemaligen bei der Zulassung besondere Berücksichtigung zukommen zu lassen. Es heißt im Hinblick auf Umfrageergebnisse: „While 52 percent said colleges shouldn’t consider whether an applicant’s parents are alumni, 46 percent said that should be a factor. Yes, the admissions process is rigged. But there’s no real consensus on exactly how it’s rigged.”

Sie finden den Beitrag  hier.

Kurznachrichten
Zu den wichtigsten Determinanten für einen Hochschulbesuch, so die Einsicht eines Beitrag der Times Higher Education, zählten auch in Kanada „parental education, reading habits and parental and community aspirations”. Man müsse darum verstärkt dafür sorgen, dass auch bildungsfernere Schichten so früh wie möglich – am besten schon in der Grundschule – in den Genuss entsprechender Förderung kämen.

Sie finden den Beitrag  hier

Inside Higher Education zitiert Ergebnisse einer für die Times Higher Education durchgeführten Umfrage zur Beliebtheit von Englisch als Unterrichtssprache an Hochschulen in Deutschland und schreibt: „As European continental universities increasingly switch to English for master’s programs, interviews conducted at the University of Hamburg in Germany show that there is resistance to the shift, even though German students are demanding to be taught in English to improve their future job prospects.”

Sie finden diese Zahlen  hier.
 
Inside Higher Education befasst sich in einem Beitrag mit der nur sehr zögerlichen Verwendung entschuldigender Worte durch Hochschulpräsidenten und schreibt: „ At a complex institution like a college or university, a sincere apology can only come after a process of gathering information and weighing risks to the institution, according to experts who have been in crisis war rooms. That process is under strain in a world where rapid societal changes collide on college campuses and where students have a louder voice than ever because of social media. And then there is the human element. Sometimes, highly successful leaders have a difficult time looking beyond their tried-and-true playbooks, which might not apply to a particular situation and might not include apologizing. Other times, top brass can’t look beyond their own ego.”

Sie finden diesen Beitrag hier.
 
Die York University im kanadischen Toronto will sich einer Pressemitteilung zufolge nicht mit einer Reihe von Entscheidungen des Supreme Court of Canada zu den dort als „Fair Dealings“ beschriebenen Grenzen des Urheberrechts bei der Nutzung von Texten im Rahmen akademischer Aufgaben der Hochschule abfinden. Es heißt: „We take matters of copyright law very seriously. Our Fair Dealing Guidelines are intended to reflect a balance between the interests of creators, publishers and of users and function within a system that continues to include the University spending millions of dollars per year on licenses and acquisitions.” Gerichte hätten bislang noch verneint, dass es sich bei der Praxis von York um Fair Dealing handele.
 
Sie finden die Mitteilung  hier.

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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