Ausgabe ___ | March 29 2017
26. März 2018
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Reaktionen auf den US-Haushalt
  • Missstände zu benennen scheint einfacher als Missstände zu beheben
  • Hochschulbildung für „Erwachsene”
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit einigen Reaktionen auf den am Freitag Gesetz gewordenen US-Bundeshaushalt für die verbleibenden sechs Monate des laufenden Haushaltsjahrs und mit den Problemen an der Edinboro University im ländlichen Pennsylvania. Wir werfen zudem einen Blick auf eine Veröffentlichung des Chronicle of Higher Education zu Studierenden außerhalb des gewöhnlichen „College Age” und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche. 

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre und ein frohes Osterfest am kommenden Wochenende.

Stefan Altevogt
Reaktionen auf den US-Haushalt
Das US House of Representatives hatte am vergangenen Donnerstag mit 256 zu 167 Stimmen ein $1,3 Bio. umfassendes Budget für das noch sechs Monate laufende Haushaltsjahr verabschiedet und damit den im vergangenen Monat parteiübergreifend um $140 Mrd. erhöhten Ausgabenrahmen ausgeschöpft. Der Senat hatte dann am frühen Freitagmorgen ebenfalls parteiübergreifend zugestimmt und obgleich Präsident Trump dann noch einmal für die Galerie sein Veto angekündigt hatte und bei seiner Unterzeichnung des Gesetzes hervorhob, nicht noch einmal ein Gesetz unterschreiben zu wollen, das so wenig seinen politischen Absichten entspreche, war es dann am frühen Freitagnachmittag so weit, dass die USA jetzt wieder einen regulären Haushalt haben. Wahrscheinlich nur sehr wenige Parlamentarier in Washington hätten sich wohl vorstellen können, den mehr als 2.200 Seiten umfassenden Kompromiss einer „Omnibus Spending Bill” und zudem unter Druck eines ohne gültiges Haushaltsgesetz Freitagnacht einsetzenden Government Shutdowns noch einmal aufzuschnüren und – wie von Trump bevorzugt – in Einzelhaushalten neu zu verhandeln. Sehr viel wahrscheinlicher wäre das Überstimmen des Vetos mit Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Parlaments gewesen. Dies wäre für Trump der deutlich höhere politische Schaden geworden als das jetzt ausgeschüttete Füllhorn. Es enthält zwar viele, von der Regierung als einzusparen identifizierte Ausgaben und nur $1,3 Mrd., die mit viel Phantasie und politischem Spin als eine Anzahlung auf die von Trump geforderte „big and beautiful wall” an der Grenze zu Mexiko vermittelt werden können.
Der Chronicle of Higher Education bemerkte zum bildungspolitischen Teil des nun ausgeschütteten Füllhorns: „The proposed increases feature a $3.9-billion jump in the U.S. Department of Education’s [DOE] budget (…). Advocates for broad funding increases in the bill, including the slight rise in Pell awards, offered reserved cheers for the proposals. The Trump administration had proposed severe cuts in several of the programs that Congress wants to expand.”

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Das American Institute of Physics nennt die forschungs- und forschungsförderpolitischen Aspekte des Budgets einen „Windfall” und macht in einer Tabelle deutlich, wie weit zum Teil die Vorstellungen von Regierung und Gesetzgeber hinsichtlich der Ausstattung einzelner Organisationen auseinandergehen. Sollte etwa nach Vorstellungen Trumps das Budget der National Institutes of Health (NIH) um 22% gekürzt werden und das der National Science Foundation (NSF) um 11%, können sich beide Einrichtungen über Zuwächse von 9% bzw. 4% freuen. Noch drastischer – wenngleich budgetmäßig unbedeutender – ist das Delta bei der Advanced Research Projects Agency-Energy (ARPA-E) des Department of Energy (DOE), die um 93% gekürzt werden sollte, aber nun über einen 15% größeren Haushalt verfügt. Das DOE selbst wird für seine Forschungssanstrengungen mit 16,2% mehr Mitteln ausgestattet, statt der von der Regierung geforderten Kürzung um 15,5%.

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Die Präsidentin der Association of American Universities (AAU), Mary Sue Coleman, wird in einer Presseerklärung zum Haushaltsgesetz mit den Worten zitiert: “By providing increased science and student aid investments, the omnibus will strengthen America’s extraordinary government-university partnership, which has for decades led to improved public health, innovation, economic growth, and unmatched military superiority. The significant funding increases for NIH, NASA, and the Department of Energy’s Office of Science are especially important to advancing American leadership in biomedical and physical sciences. We also thank Congress for rejecting proposals to eliminate the National Endowment for the Humanities and the Energy Department’s ARPA-E, choosing instead to sustain the vital work of each.”

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Auf Inside Higher Education hatte man sich bereits zum Zeitpunkt des absehbaren Kompromisses im Repräsentantenhaus Mittwochnacht daran gemacht, die im verabschiedeten Haushalt über die verschiedenen Ministerien in bildungs- und institutionenfördernden Bereichen fließenden Mittel mit den Ansätzen des Weißen Hauses und denen des vergangenen Haushaltsjahrs zu vergleichen. Bei den aus Bundesmitteln finanzierten Studienförderprogrammen kann man etwa erkennen, dass das Parlament den außerhalb geplanter Militärausgaben fast schon reflexartigen Wünschen der Regierung nach Streichung bzw. Einfrieren auf gegenwärtigem Niveau deutlichen Widerstand entgegengesetzt hat. Der Höchstsatz bei den Pell Grants wurde nicht eingefroren, sondern um 3% erhöht, das Supplemental Educational Opportunity Grants Programm nicht gestrichen, sondern um 14% auf $840 Mio. ausgeweitet und das Federal Work-Study Program nicht um fast 50% gekürzt, sondern um 14% auf $1,13 Mrd. ausgeweitet.
Im Bereich der durch das Department of Education finanzierten „Institutional Aid”, also besonders der Förderung von Bildungseinrichtungen für Minderheiten, hat das Parlament Zuwächse im oft zweistelligen Prozentbereich beschlossen, wo die Regierung (wahrscheinlich aus Desinteresse, denn es sind überwiegend Ansätze im zweistelligen Millionenbereich) die Zahlen aus dem vergangenen Haushalt einfach durchgeschrieben hatte.
Dem State Department werden für den Bereich „Educational and Cultural Exchanges” – das ist der Titel, aus dem heraus auch das Fulbright Programm finanziert wird – im kommenden Jahr statt der von Trump vorgeschlagenen $285 Mio. nun $646 Mio. zur Verfügung stehen. 
Ein Tabelleneintrag ist allerdings nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen, nämlich der Ansatz für den „Fund for the Improvement of Postsecondary Education” (FIPSE) im DOE, der im vergangenen Jahr bereits auf 0 gestanden hat. Hier sehe der Kompromiss angeblich eine Ausstattung mit $6 Mrd. vor, ein Betrag, der deutlich über dem Zuwachs des DOE-Haushalts von $3,9 Mrd. läge und den wir in der kommenden Woche sicherlich noch hinterfragen werden. 

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In der New York Times sieht man die Verabschiedung des Haushalts vor allem als ein „Rebuke to Trump”, dessen Bildungsministerin Betsy DeVos ihre geplante Verlagerung der Ausgaben in ein Programm mit Bildungsgutscheinen nicht finanziert bekommt und die ihrerseits statt eines gekürzten Bildungshaushalts ein Plus von $3,9 Mrd. für Ausgaben zur Verfügung habe. Die ranghöchste Demokratin im Bildungsausschuss des Senats, Patty Murray, wird dazu mit den Worten zitiert: „After more than a year on the job, I would have hoped Secretary DeVos would have learned by now that her extreme ideas to privatize our nation’s public schools and dismantle the Department of Education do not have support among parents or in Congress, but unfortunately that does not seem to be the case. I’m proud to have worked with Republicans in Congress to flatly reject these ideas.”

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Missstände zu benennen scheint einfacher als Missstände zu beheben
Der Chronicle of Higher Education zieht in einem Beitrag eine erste Bilanz der Bemühungen von H. Fred Walker, als Präsident der Edinboro University diese in einer ländlichen und strukturschwachen Region Pennsylvanias gelegene Hochschule erfolgreicher und effizienter zu machen und ein Versprechen einzulösen, das er bereits sieben Monate nach Amtsantritt mit der Vorlage eines „Our Path Forward” genannten Sanierungsprogramms gemacht hatte. Er hatte laut Chronicle seinen Sanierungsplan für diesen einen der 14 Campi des Systems der Pennsylvania State University mit einer entsprechend deutlichen Ansprache eingeläutet und erklärt: „Whatever we’re doing, we’ve got it wrong and it’s got to change.” 
Walker sei aber vermutlich auch wegen seiner beruflichen Vergangenheit als System-Ingenieur und Marinesoldat offensichtlich entgangen, gegen welche demografischen, finanziellen und organisatorischen Widerstände es gehen würde. In den vergangenen sieben Jahre seien etwa die Einschreibungszahlen um 35% gefallen und drohten, im kommenden Jahr unter 5.000 abzusinken. Zu den weiteren Problemen im Mix heißt es: „The university, where roughly half of students qualify for Pell Grants, serves a significant population of first-generation students from working-class backgrounds, who require levels of support that even wealthy universities struggle to provide. Added to that mix are unionized faculty members, who, in 2016, joined in the first strike in the system’s 35-year history.” 
Es sei – kurz gesagt – kein Wunder, dass Edinboro University in den vergangenen zehn Jahren bereits fünf Präsidenten gehabt habe, und wie es scheine, sei auch Walker auf dem besten Wege, an den selbstformulierten Zielen („ensuring student success – balancing revenues and expenses – aligning the academic program array to the needs of student and employers”) zu scheitern. 
Als eines der am schwierigsten zu lösenden Probleme sei das der Anpassung des Personals. Dazu heißt es: „About 65 percent of the university’s expenses are tied up in employees’ salaries and benefits, which are negotiated at the state level through collective bargaining. The university can rely only so heavily on lower-paid adjunct professors, whose numbers are contractually capped at 25 percent of all faculty.” Zwar habe gebe es zur Abwendung eines Bankrotts noch ein letztes Mittel, den  
„Path or Retrenchment” oder auch „Nuclear Option” genannt, doch sei der finanzielle Nutzen eines solchen Weges weniger sicher als die Zerrüttung des Verhältnisses zu den Fakultätsmitgliedern. Walker habe diesen Weg dennoch beschritten, wenngleich nur, wie er betone, um seine Verhandlungsposition mit den Gewerkschaften zu stärken und vor allem, um das Narrativ der öffentlichen Diskussion über die Probleme der Hochschule und mögliche Lösungen besser zu steuern. Dieses Narrativ habe Walker durch einen Anwalt mit den folgenden Worten skizzieren lassen: „Edinboro University is not an employment agency. It’s a university. We’re not here to employ people. We’re here to educate people. If we’re not educating people with programs that are in demand, then we need to realign.” 
Es bleibe abzuwarten, ob eine Hochschulpräsidentschaft, die sich die Gegnerschaft der Mehrheit der Fakultätsmitglieder verdient habe, in der Tat erfolgreich sein könne und nicht nur als Narrativ des Präsidenten. Es heißt: „This story, however, ends just as it began: with the president telling a reporter what to write. In November, Walker flew to Washington to pitch to The Chronicle what he first described as the story of a university that was radically transforming under his leadership.”

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Sie finden „Our Path Forward” hier .

Hochschulbildung für „Erwachsene”
Mit „The Adult Student: The Population Colleges – and the Nation – Can’t Afford to Ignore” hat der Chronicle of Higher Education im Februar auf 59 Seiten (und für etwa $2 pro Seite in der elektronischen Fassung) eine Strategie vorgelegt, wie Hochschulen einerseits der demografischen Entwicklung und andererseits der Tatsache Rechnung tragen könnten, dass es in den USA mehr als 80 Millionen Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung aber ohne einen Hochschulabschluss gebe. Der Text gehe dabei auf drei zentrale Bereiche ein, nämlich die „barriers that prevent adult students from enrolling or succeeding in college”, die „strategies to develop programs for and attract adult students” und „how to work with states, industries, and other partners to support adult students”.

Sie finden „The Adult Student” hier .

In einem Beitrag für den Chronicle of Higher Education erläutert Goldie Blumenstyk, die Autorin von „The Adult Student”, am Beispiel des Bundesstaats Tennessee, wie die vermehrte Aufmerksamkeit für potenzielle Studierende außerhalb des traditionellen Collegealters die Bildungsziele zu erreichen helfen könne. Im Fall Tennessee, wo man den Zielen des „Drive to 55” (man möchte bis 2025 wenigstens 55% der Bevölkerung mit einem „post-secondary degree” versorgt haben), hinke man mit derzeit 41% noch erheblich und eigentlich aussichtslos hinterher. Um irgendwie in die Nähe der 55% zu kommen, müsse man in Tennessee etwa eine Viertelmillion zusätzliche Studierende rekrutieren. Es heißt: „It [Tennessee] has been pulling out all the stops to attract more adults: New programs offer free tuition at community and technical colleges, and a statewide campaign called Tennessee Reconnect encourages people with some college experience to re-enroll.”
Man habe in Tennessee mittlerweile auch ein paar Erfahrungen hinsichtlich der Frage machen können, was funktioniere und was nicht. Vor allem zu Letztgenanntem gebe es Einsichten, die sich vom Ergebnis aus betrachtet als nur wenig überraschend erwiesen, dass nämlich oft finanzielle Gründe für einen Verzicht aufs Studium bzw. für einen Studienabbruch verantwortlich sind und man darum eben diese Gründe beheben müsse. 
Eine andere, in „hindsight” nur wenig überraschende Erfahrung, die man an der University of Memphis habe machen können: „The university began recruiting former students in 2011 with a campaign it called Back on Track. Even though it recruited students who were just 30 credits shy of a degree, it was mostly a bust. One big reason: The educational experience Memphis was offering wasn’t different from the one the students had abandoned.”

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Kurznachrichten
Laut CBC News schwelt in der kanadischen Provinz Alberta derzeit ein Streit zwischen dem dortigen Hochschulbildungsminister Marlin Schmidt und der Leitung der University of Alberta in Edmonton. Schmidt erachte das sich derzeit mit Zulagen auf Can$ 824.000 belaufende Gehalt des Hochschulpräsidenten David Turpin als für zu hoch und fordere, erst einmal bei den Gehältern in der Leitungsebene der Hochschule nach Einsparmöglichkeiten zu suchen, bevor man bei internationalen Studierenden eine Erhöhung der Studiengebühren um gut 3% und bei allen Studierenden eine Erhöhung der Wohnkosten um 4% und der Kosten für das Essen um knapp 16% durchsetze. Schmidt wird mit den Worten zitiert: „When it comes to getting money in the university’s budget, he [Turpin] goes rummaging in the pockets of students and doesn’t reach into his own pocket. I think most Albertans find that a little bit hard to swallow.”

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David Turpin hat auf „gleicher Wellenlänge” zurückgeschlagen und sich darüber enttäuscht gezeigt, dass der Minister offensichtlich einem populistischen Impuls nachgegeben habe. Turpin wird mit den Worten zitiert: „I've worked at three of the country's finest universities in three different provinces and this is the first time I have been personally and publicly attacked by a minister of the Crown.” Gegenüber seiner Vorgängerin habe sich Turpin bereits bei seiner Anstellung auf ein erheblich geringeres Einkommen eingelassen. Weiter heißt es: „If you look at what we’ve done already – the hundreds of thousands of dollars in executive compensation that was willingly conceded – that’s already occurred and the minister is well aware of that.”

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University Affairs arbeitet in einem Beitrag die im vergangenen von Statistics Canada veröffentlichten Zahlen des University and College Academic Staff System Survey auf und schreibt: „In terms of gender and salary (…), although women are increasingly represented in the professoriate, men remain its top earners. The gap in median salary between men and women (in constant, inflation-adjusted dollars) was widest in 1990, when men earned around 25 percent more than women.”

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An der katholischen Loyola University Chicago hatte man einer Meldung des Chronicle of Higher Education zufolge wohl nicht verstanden, dass man einen Komiker, der vor allem für seine Witze über sexuelles Fehlverhalten berühmt ist, nicht mit einer vertraglichen Regelung von seinen besten Pointen fernhalten könne. Hannibal Buress habe zwar vertraglich vor seinem Auftritt zugesichert, „[not] to speak about rape, sexual assault, race, sexual orientation/gender, or illegal drugs”, doch habe er sich während des Auftritts einfach nicht daran halten wollen: „When Buress joked about child sex abuse in the Roman Catholic Church, the university cut his mic[rophone].”

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Impressum


Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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