Ausgabe ___ | March 29 2017
16. Oktober 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Reformpläne des University of Wisconsin Systems
  • Zunehmende ökonomische Bedeutung internationaler Studierender in Kanada
  • MOOCs sind tot, es lebe „personalized learning”
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit Plänen in Wisconsin, dort die öffentlich finanzierte Hochschullandschaft an sich verändernde Bedarfe anzupassen, und mit der zunehmenden ökonomische Bedeutung internationaler Studierender in Kanada. Wir werfen zudem einen Blick auf einen Nachruf auf die Massive Open Online Courses (MOOCs) und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Reformpläne des University of Wisconsin Systems
Das University of Wisconsin (UW) System zählt nach eigenen Angaben mit 180.000 Studierenden an 26 Campi, einem Budget von $6 Mrd. pro Jahr (davon derzeit $1 Mrd. als direkte Zuwendungen aus dem Haushalt des Bundesstaats) und mit dem Standort in Madison als Flaggschiffcampus zu den größeren öffentlich finanzierten Hochschulsystemen in den USA. Das System ist 1971 aus dem Zusammenschluss von vier Standorten der University of Wisconsin (darunter der ursprüngliche, 1849 als land-grant university gegründete Campus in Madison) mit seinerzeit 70.000 Studierenden und den neun Standorten der Wisconsin State University mit damals insgesamt 64.000 Studierenden hervorgegangen.

Sie finden die Informationen zum System hier .

Ein Beitrag des Chronicle of Higher Education befasst sich in dieser Woche mit den Plänen der UW, auch die öffentlich finanzierten zweijährigen Hochschulen des Bundesstaats mit in das System einzugliedern und so auf eine Kombination von Herausforderungen zu reagieren, denen zahlreiche Bundesstaaten gleichermaßen gegenüberstehen würden und die wie folgt zu beschreiben seien: „An aging population, declining enrollment, scarce public dollars, and growing demands from employers and lawmakers to meet work-force needs.”
In Wisconsin rechne man bis 2040 nur mit einem sehr geringfügigem Wachstum (0,4%) der Gruppe der Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren und mit einem deutlich nachlassenden Interesse an den Angeboten der zweijährigen Colleges. Dazu heißt es: „Data from the system show that enrollment at the two-year colleges has dropped by nearly a third since 2010. At some colleges, the decline over that period has exceeded 50 percent.”
Mit den Reformen wolle man auf diese Tendenz reagieren und dazu auch die Integration der zweijährigen Ausbildung in die vierjährigen Angebote der UW fördern.
In ihrer Reichweite seien die Pläne in Wisconsin in den USA noch ohne Beispiel, wenngleich in zahlreichen anderen Bundesstaaten auch Konsolidierungspläne in den öffentlich finanzierten Teilen der jeweiligen Hochschullandschaften verfolgt würden. Dazu heißt es beispielsweise: „Georgia merged 14 campuses to make the institutions more efficient and better serve residents of regions with growing populations.”
In der Regel seien diese Maßnahmen allerdings lokal beschränkt – etwa die Eingliederung des Machias-Campus der University in Maine in das Flaggschiff in Orono oder der Merger zweier Campi des Vermont State College – und selbst dann würden sie häufig auf Widerstand stoßen. So heißt es: „Several proposals have been scuttled by controversy, such as a recommendation in New Jersey to put Rutgers University at Camden under control of Rowan University. In Pennsylvania a draft report recommended not merging any of the state’s 14 state-owned universities, despite widespread financial problems and falling enrollment at many campuses.”

Sie finden den Beitrag hier .

Ein Beitrag auf Inside Higher Education zu den Plänen geht auf den zu erwarteten Widerstand von Fakultätsmitgliedern gegen die Umsetzung auf der einen Seite ein und auf der anderen Seite auf Bedenken, dass die Pläne den Problemen in Wisconsin entsprechend nicht weitgehend genug seien. Es heißt: „Faculty members worrying they are being rushed and one expert likening the proposal to rearranging deck chairs on the Titanic.”
Einer der wichtigsten Gründe des Widerstands könne dabei die Frage sein, wie der Schutz der Arbeitsplätze für die entfristeten Fakultätsmitglieder gewährleistet werden solle. Diesbezüglich habe man gerade in Wisconsin zuletzt schlechte Erfahrungen machen müssen: „The concern resonates in a state system where faculty members in recent years lost a bitter battleagainst changes they saw as weakening tenure protections.”

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Zunehmende ökonomische Bedeutung internationaler Studierender in Kanada
Die Vancouver Sun befasst sich in einer Reihe von Beiträgen mit der zunehmenden Bedeutung internationaler Studierender für die Budgets der öffentlich finanzierten Bildungseinrichtungen in der kanadischen Provinz British Columbia (B.C.) und schreibt: „Efforts by the province’s universities and colleges to attract international students – who on average pay three to four times more than Canadian students, according to Statistics Canada – has led to a surge in their numbers. There are now more than 130,000 studying in B.C., meaning one student in every five is from abroad.” Von diesen mehr als 130.000 seien gut 45.000 an den öffentlichen Hochschulen des Landes eingeschrieben, fast 70.000 in Sprachkursen und der Rest an den Schulen der Provinz. Der ökonomische Wert der internationalen Studierenden werde für B.C. auf Can$3,5 Mrd. geschätzt, für das gesamte Land auf Can$11 Mrd.
Zur Entwicklung Kanadas im weltweiten Wettbewerb um internationale Studierende heißt es: „Canada is still a relatively junior player in the international student market, attracting a fraction of the numbers of universities in the U.S. and the U.K. But that number is growing fast and Canada has already overtaken countries such as France and Germany in terms of its share of the international student market.”
Gleichzeitig mit der steigenden Zahl internationaler Studierender gingen allerdings die direkten öffentlichen Zuwendungen an die Hochschulen zurück und innerhalb der Hochschulen würden Departments mit geringem Potenzial bzw. geringer Attraktivität für internationale Studierende in einen erheblichen Wettbewerbsnachteil geraten. Dazu heißt es: „UBC [University of British Columbia]’s most recent operating budget notes that the faculties of dentistry, law and medicine, which do not attract large numbers of international students, will face constraints on their budgets.”
Vergleichsweise gut hätte es dagegen das Forestry Department der UBC, das bereits vor einigen Jahren damit begonnen habe, sich als eine international attraktive Adresse aufzustellen und dessen Zahlen mittlerweile entsprechend beeindruckend seien: „International students accounted for 36 per cent of undergraduate and 57 per cent of graduate students in UBC’s faculty of forestry in 2016.”

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Ein zweiter Beitrag befasst sich mit der Tatsache, dass ein großer Anteil der internationalen Studierenden nach Abschluss entgegen ursprünglichen Absichen nicht im Lande blieben und dies obgleich seitens der kanadischen Immigrationsbehörden immer wieder hervorgehoben würde, dass Hochschulbildung der bevorzugte Kanal für Immigranten sei. Zu diesem Missverhältnis heißt es: „According to a 2015 survey by the Canadian Bureau for International Education, 59 per cent of international students viewed the potential of permanent residency as a deciding factor in their decision to study in Canada. Another survey by the B.C. Council on Admissions and Transfer found that 63 per cent of international students in B.C. intended to remain in Canada after graduation.
But according to Statistics Canada, between 2004 and 2013, only 25 per cent of international students actually gained permanent residency after their studies.”

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Ein weiterer Beitrag befasst sich mit den mittlerweile beträchtlichen Mitteln, die zahlreiche Colleges in British Columbia für die Rekrutierung internationaler Studierender ausgeben würden und die mit diesen Mitteln einhergehenden Spielräume, Rekrutierung auch in betrügerischer Absicht zu betreiben. Es heißt: „According to a 2016 study by U.S.-based language school Bridge Education Group, agents accounted for as much as 41 per cent of international enrolments in Canada. The industry of third-party recruiting agents contracted by colleges and universities is largely unregulated by federal or B.C. governments and the codes of ethical conduct are often voluntary in nature.” Welche Auswirkungen die Begegnung mit einem Rekrutierungsagenten mit unterdurchschnittlich ethischem Verhalten haben kann, illustriert der Beitrag am Beispiel zweier Studentinnen aus Albanien, die zusammen Can$15.000 für Besuchs- und Studienvisa bezahlt hätten. Zum Verständnis dieser Summe heißt es: „The federal government charges $150 for a study visa and $100 for a visitor visa. The average wage in Albania is close to $500 per month.”

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MOOCs sind tot, es lebe „personalized learning”
Auf Inside Higher Education ist jetzt ein Nachruf auf die Massive Open Online Courses (MOOCs) entlang der Geschichte des MOOC-Anbieters Udacity und seinem Gründer Sebastian Thrun erschienen. Es heißt: „In 2012 Sebastian Thrun, (…) told Wired magazine that in 50 years, there would be only 10 higher education institutions in the world and Udacity had a ‘shot’ at being one of them. (…) By 2013 Thrun, concerned that fewer than 10% of original enrollees were completing their Udacity courses, declared that Udacity offered a ‘lousy product’. (…) Last week, Udacity declared an intention to move away entirely from open access courses. Company Vice President Clarissa Shen said MOOCs ‘are dead’.”
Die Firma verdiene freilich ihren (an das Wort audacity angelehnten) Namen nicht, hätte sie keinen Nachfolger für MOOCs bereit. Man wolle weiterhin sozioökonomisch relevante Bildungsangebote machen und Menschen bei der Entwicklung ihrer jeweiligen Karrieren unterstützen. MOOCs seien jedoch nicht mehr das angemessene Instrument und man werde sich statt dessen auf „targeted corporate training” konzentrieren.

Ob MOOCs jemals eine angemessenes Antwort auf aktuelle Bildungsfragen gewesen seien, hinterfragt der Beitrag mit Hinweis auf den Aufsatz „MOOC Mania: Debunking the hype around massive open online courses” von Audrey Watters aus dem Jahr 2013. Sie habe darin nachgezeichnet, wie keine „teaching machines” der vergangenen zwei Jahrhunderte Bildung habe transformieren können. Wenngleich MOOCs streng genommen keine solche Maschine sei, läge der Misserfolg von MOOCs doch in einem vergleichbaren Missverständnis begründet: „They [die Schöpfer von MOOCs] believed that the platform itself could deliver ‘education,’ rather than recognizing that the education is not a product but a process, one that happens (or not) inside of those being educated. Udacity seems to view learning like a virus. As long as you’re in close enough proximity to an educational product, you will learn.”
Mit dem Ende des MOOC-Hypes rücke jetzt verstärkt das Konzept adaptiver Software zu einem „personalized learning” in den Mittelpunkt des Interesses und erhalte finanzkräftige Unterstützung aus der Tech-Branche, etwa durch Bill Gates oder Mark Zuckerberg. Der Beitrag warnt allerdings vor zu großer Euphorie und Konzentration auch öffentlicher Mittel auf personalisierte Lernprogramme und schreibt: „Personalized learning software will be galloping through schools as our latest teaching machine savior before we have any evidence of its effects. (…) How much money will be wasted on this latest fad?”

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Kurznachrichten
MacLean’s hat jetzt die neueste Ausgabe ihres Rankings kanadischer Hochschulen veröffentlicht. Unter den Forschungshochschulen mit medizinischer Fakultät belegt danach die McGill University in Montreal den Spitzenplatz, in der Gruppe der „Comprehensive Universities” ist es die Simon Frazer University in British Columbia. Die Universitiy of Toronto behält ihren Spitzenplatz in der Rubrik „Canada’s Top Schools by Reputation” und so bleiben drei der wichtigsten Standorte kanadischer Hochschulen in den Tabellen ganz oben vertreten.

Sie finden das Ranking hier .

Inside Higher Education meldet eine Entscheidung der National Collegiate Athletic Association (NCAA) zur Frage, ob die University of North Carolina (UNC) at Chapel Hill wegen Verstoßes gegen Richtlinien zum Hochschulsport sanktioniert werden solle. Die Richtlinien schreiben unter anderem vor, dass die Studierenden in den verschiedenen Hochschulteams richtige Studierende zu sein haben, also auch akademische Programme erfolgreich besuchen müssten. Man habe UNC vorgeworfen, für ihre Ausnahmeathleten auch spezielle akademische Ausnahmeprogramme aufgelegt zu haben, in denen ein Scheitern von vornherein weitgehend ausgeschlosssen gewesen sei. Die Entscheidung der NCAA, UNC nicht zu sanktionieren, habe eine bemerkenswerte Begründung. Weil nämlich die besonderen Sportlerkurse auch anderen Studierenden an UNC offengestanden hätten, sei der Tatbestand spezieller akademischer Sportlerprogramme nicht erfüllt gewesen.

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Der Chronicle of Higher Education bedauert in einem Beitrag die NCAA-Entscheidung. Es heißt: „The announcement (...) has left many observers in higher education frustrated over the reality that there is no adequate watchdog in such cases, and no penalties available beyond the shadow of public shame.”

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Ein Beitrag in der New York Times befasst sich mit den jüngsten Ertragsergebnissen der größten Hochschulvermögen in den USA und meldet die Enttäuschung an Yale, wo man mit einem Ertrag von 11,3% zuletzt für ein Vermögen dieser Größenordnung ($27 Mrd.) unterdurchschnittlich abgeschnitten habe. Das MIT habe es auf 14,3% gebracht, Stanford auf 13,1%, Princeton immerhin noch auf 12,5% und das mit unter $5 Mrd. vergleichsweise kleine Vermögen von Dartmouth College habe der Hochschule stolze 14,6% verdient. Die Bedeutung der Vermögenserträge für das Budget von Yale wird mit den Worten beschrieben: „It is the university’s largest source of revenue, and in the current fiscal year, it is expected to contribute $1.3 billion, roughly 34 percent of the university’s operating budget.”

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Impressum


Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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