Ausgabe ___ |  March 29 2017
12. Juni 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Sinkende Studierendenzahlen an Hochschulen in den USA
  • Hightech-Unternehmer verändern die Bildungslandschaft
  • Die Rolle von Deans an US-amerikanischen Hochschulen
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit Ursachen und Folgen sinkender Studierendenzahlen an Hochschulen in den USA und mit einem Beitrag der New York Times zum Engagement einflussreicher Unternehmer des Silicon Valley in der Frage, wie Schüler und Studierende künftig unterrichtet werden sollten. Wir werfen zudem einen Blick auf zwei Beträge zur Rolle von Deans an US-amerikanischen Hochschulen und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt

Sinkende Studierendenzahlen an Hochschulen in den USA
Derzeit überlagerten sich laut einem Beitrag in der New York Times zwei Entwicklungen, die sich negativ auf die Studierendenzahlen an US-amerikanischen Hochschulen auswirkten. Zum einen gäbe es eine demografische Delle, so dass derzeit die Kohorten der 18- bis 24-Jährigen um etwa 300.000 mögliche Studienanfänger kleiner ausfielen. Zum anderen: „Changes to immigration policies, and resulting resentments, threaten the crucial supply of international students, which the consulting firm DrEducation predicts could cost universities in the United States a quarter of a billion dollars in the coming academic year.”
Am von vormals 35 auf nun 28 Standorte geschrumpften University of Georgia System konzentriere man sich darum nun auch verstärkt darauf, mit den durch Konsolidierung frei werdenden Mitteln die bereits eingeschriebenen Studierenden auf Erfolgsspur zu halten, denn: „It’s cheaper to help a student stay in school than to recruit a new one.”
Vor allem für kleinere, private Hochschulen entwickele sich der weitgehend über Rabatte auf Studiengebühren ausgetragene Wettbewerb um die geringer werdenden Studierendenzahlen in den Bereich des Ruinösen. Nach Angaben der National Association of College and University Business Officers (NACUBO) müssten zahlreiche Hochschulen bereits mehr als die Hälfte der auf den Preisschildern vermerkten Studiengebühren als Rabatte wieder an die Studierenden zurückgeben, mit der Folge, dass der Deckungsbeitrag der Studierenden kontinuierlich absinke. Die Anlageberatungsfirma Moody’s fasse zudem die derzeitigen Aussichten für die Erträge aus Stiftungsvermögen mit den folgenden Worten zusammen: „In 2016, the long-term 10-year average annual endowment return fell to 5%, well below what is required for universities to maintain the industry standard of a 5% endowment draw and offset the effects of modestly rising inflation.”

Für überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanzierte Hochschulen käme erschwerend hinzu, dass zum einen die direkten Zuwendungen aus den Kassen der Bundesstaaten laut Zahlen des Center on Budget and Policy Priorities (CBPP) derzeit inflationsbereinigt noch fast $10 Mrd. unterhalb des Niveaus von vor der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 lägen. Zum anderen lasteten auf der Ausgabenseite mittlerweile erhebliche Pensionsverpflichtungen auf den öffentlichen Hochschulen, so dass etwa im Bundesstaat Illinois mehr als die Hälfte der zuletzt an die dortigen Universitäten und Colleges geflossenen $4,1 Mrd. für Pensionsansprüche aufgewendet werden müssten.
Weil an der Schraube der Studiengebühren nicht mehr weiter gedreht werden könne, seien ausgabenseitig erhebliche Einsparungen notwendig geworden, Einsparungen, die nicht immer vernünftig seien: „Colleges and universities face a combined shortfall of $30 billion for needed repairs and renovations, according to the APPA, formerly the Association of Physical Plant Administrators.” Nicht, dass Hochschulen keine repräsentativen bzw. werbewirksamen Neubauprojekte betrieben. Sie seien schließlich im Wettberwerb um mögliche Studierende ein wichtiges Werkzeug, doch belasteten sie eben auch die Haushalte durch deren Finanzierung und durch die Folgekosten für Betrieb und Wartung.

Schließlich gäbe auch noch eine andere Entwicklung Anlass zur Sorge um die Hochschullandschaft, dass nämlich die Vermittlung von speziellen Fertigkeiten außerhalb von Hochschulen, wie etwa Kurse zur Computerprogrammierung, durchaus den Bedarf umfassenderer Bildungsangebote an Universitäten und Colleges beeinträchtigen könne. Es heißt: „Some employers are rethinking whether going to college is even necessary: 14 percent of hires at Google have no college degree, according to the company’s senior human-resources officer. Nearly half of Americans surveyed last year by Public Agenda – a nonpartisan policy organization that focuses on education and other topics – said a higher education is no longer necessarily a good investment. And about the same proportion of graduates in a Gallup poll released last year said they were less than certain their degrees were worth the money.”

Sie finden den Beitrag hier.

Die Einschätzung von Moody’s finden Sie hier

Hier finden Sie einen Beitrag zu möglichen Auswirkungen von Ressentiments gegenüber internationalen Studierenden in den USA und im VK. 

Sie finden die CBPP-Zahlen zur direkten öffentlichen Hochschulfinanzierung hier

Sie finden die zitierten von Public Agenda Umfrageergebnisse hier.
Hightech-Unternehmer verändern die Bildungslandschaft
Ein Beitrag der New York Times befasst sich in dieser Woche mit Bildungsinitiativen verschiedener Hightech-Unternehmer aus dem Silicon Valley und schreibt: „The involvement by some of the wealthiest and most influential titans of the 21st century amounts to a singular experiment in education, with millions of students serving as de facto beta testers for their ideas. Some tech leaders believe that applying an engineering mind-set can improve just about any system, and that their business acumen qualifies them to rethink American education.”

Der Beitrag illustriert dies mit drei Beispielen. Facebook lasse in einem mehr als 100 Schulen umfassenden, landesweiten Versuch die Schüler selbst bestimmen, was sie lernen wollten und verändere so die Rolle der Lehrer, die nunmehr eher beratende Funktion bei der Aufnahme des Stoffes hätten. Das Unterhaltungsunternemen Netflix würde durch ein die Gewohnheiten und Vorlieben von Nutzern des Firmenangebots analysierendes Computerprogramm die Neigungen von Schülern nachspüren und entsprechende Bildungsprogramme zusammenstellen wollen. Die Firma Salesforce (ein Anbieter von Marketing- und Verkaufssoftware) vergebe schließlich „Innovation Grants” zu jeweils $100.000 an Schulleiter, um sie mehr unternehmerisch und weniger bürokratisch handeln zu lassen.

Das Paradigma, unter dem der Beitrag auf die Beispiele blickt, ist das einer ideologiefreien Grundhaltung im Silicon Valley, wo die Welt nach dem Motto „don’t worry, I’m an engineer” durch die technokratische Brille gesehen würde. Leidenschaftslos und vorurteilsfrei würden Ideen daraufhin untersucht, ob sie etwas zur Verbesserung einer gegebenen Ausgangslage beitragen könnten. Wenn ja, würde angenommen, wenn nein, verworfen. Der Direktor der zahlreiche solcher Initiativen koordinierenden Silicon Valley Community Foundation wird dazu und darüber hinaus zu den treibenden Motiven mit den Worten zitiert: „They are experimenting collectively and individually in what kinds of models can produce better results. Given the changes in innovation that are underway with artificial intelligence and automation, we need to try everything we can to find which pathways work.”
Man könne freilich auch an andere Motive denken, weshalb ein gewisses Maß an öffentlicher Kontrolle derartig grundlegender Veränderungen wünschenswert sei. An dieser Kontrolle, so der Beitrag, fehle es allerdings und eine Professorin für Politikwissenschaften wird dazu mit den Worten zitiert: „They have the power to change policy, but no corresponding check on that power. It does subvert the democratic process.”

Am Beispiel von DreamBox, einem von Salesforce finanziell unterstützten interaktiven Mathe-Lernprogramm, wird schließlich der Nutzen eines pädagogischen Ansatzes diskutiert, der mit der Erhebung von 50.000 Einzeldaten pro Stunde und Schüler diese für das Programm (und freilich deren Besitzer) gläsern machen würde. Hierzu heißt es: „A report from Harvard University’s Center for Education Policy Research concluded that DreamBox use correlated with some improved math scores. But, the researchers cautioned, if those students had more effective teachers even without the technology, ‘then we might be falsely attributing’ student achievement gains ‘to the software, rather than to the teacher’.”
Firmenvertreter von DreamBox fühlten sich auf der anderen Seite durch die Feststellungen verschiedener Untersuchungen immerhin darin bestätigt, dass die Software den Schülern nicht schade. Der Beitrag bemerkt, dass dies eine doch sehr niedrig aufgelegte Messlatte sei.

Sie finden den Beitrag hier. 

Die Rolle von Deans an US-amerikanischen Hochschulen
In einem Gastbeitrag für den Chronicle of Higher Education fragen David English und Rob Kramer (der eine Vice Chancellor und Provost an der University of North Carolina School of the Arts, der andere „senior leadership consultant” des Institute for the Arts and Humanities der University of North Carolina in Chapel Hill), wem in dem „Rubik’s Cube” einer modernen US-amerikanischen Hochschule die entscheidende, transformative Rolle zufallen könne, und sie identifizieren dabei die Deans: „Deans live in the middle of the academic system. As leaders of their schools and divisions, they guide the daily and long-term operations of multiple departments, tend to dozens if not hundreds of faculty, and oversee numerous academic programs. They manage staff, facilities, and complex budgets. Did we mention fund raising? All of those duties result in grueling schedule demands for travel and relationship building.”

Trotz dieser enormen Anforderungen werde allerdings der Rekrutierung und Ausbildung von Deans noch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Man verlasse sich vielmehr auf akademische Lebensläufe der Kandidaten vor Ort bzw. landesweiten Ausschreibungen der Stellen. In jedem Fall sei die Wahrscheinlichkeit einer unzureichenden Vorbereitung groß, mit entsprechenden Konsequenzen: „In our experience (…) the list of problems confronting any dean can seem endless: budget woes and mismanagement, faculty upheaval (retention issues or even revolt), missed partnership opportunities, lost resources, drops in fund raising, personnel issues (grievances, turnover), and the uncomfortably growing presence of campus lawyers and HR staffers in administration.”

Zur Lösung der Probleme habe man an der University of North Carolina School of the Arts ein Programm aufgelegt, mit dem Deans professionell bei der Ausübung ihrer verschiedenen Funktionen beraten würden und bei dem sehr viel Wert auf (freilich zeitraubende) Kommunikationsprozesse gelegt werde. Trotz aller Schwierigkeiten sei das Programm sehr erfolgreich: „Collectively, the university’s Council of Deans is reporting substantial improvements in handling major campus issues, including: reaccreditation, development of a thoughtful and well-executed strategic plan, creation of a campus master plan, and the start of a comprehensive fund-raising campaign. None of those initiatives could have been achieved as successfully without this program.”

Sie finden den Beitrag  hier. 

In einem weiteren Beitrag beschreibt Kathryn Masterson für den Chronicle of Higher Education, „What Every Dean Needs to Know About Fund Raising”. Am Beispiel von Phil Bailey, dem langjährigen Dean des College of Science and Mathematics an der California Polytechnic State University, wird dabei ein wichtiger Lernprozess verdeutlicht, nämlich, dass potenzielle Spender gar nicht so gereizt auf entsprechende Anfragen reagierten, sofern man ihnen verdeutlichen könne, wie sie sich entscheidend und positiv in die Biographien der letztlichen Nutznießer einbringen können. Es heißt: „The donors didn’t resent his asking for money. Rather, they were looking for ways to make a difference in the lives of others. Mr. Bailey could help them.” Dazu sei es hilfreich, bei Spendern mal nach ihren jeweiligen Motiven nachzufragen.
Von dort aus ergäben sich dann die nachfolgenden Schritte beinahe wie von selbst und unter Beachtung von Grundsätzen wie „be patient”, „start small” oder „build credibility” sollte dann Fundraising leichter fallen. Der Erwerb von Glaubwürdigkeit habe Dean Bailey allerdings auch eigene Mittel gekostet: „He and his wife, who was then the chair of the chemistry department at Cal Poly, started giving early on through payroll deductions. They donated a total of $250,000 to the new science building, including a $100,000 pledge made in 2006.”

Sie finden diesen Beitrag hier.
 
Der Beitrag ist Teil einer Reihe von Beiträgen unter dem Titel „Fund Raising 101 for Deans”. Sie finden sie hier.


Kurznachrichten
Die New York Times befasst sich in einem Beitrag mit der Frage, wie die für angehende Studienanfänger in immer stärkerem Maße erforderlichen Brückenkurse in Mathematik und Englisch erfolgreicher ausgestaltet werden können. Vor allem in Mathe erwiese sich bei herkömmlicher Herangehensweise die Tatsache der Notwendigkeit von Nachhilfe nur allzu leicht in eine „self-fulfilling prophecy”, dass nämlich der Betreffende für Mathe gänzlich ungeeignet sei. Diesen „Fluch” aufzuheben, habe sich das CUNY Start Programm der City University of New York (CUNY) offensichtlich erfolgreich vorgenommen, denn: „More than half the students who complete the program are ready for college in just one semester, something that’s almost impossible with regular remedial courses.”

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University Affairs befasst sich in einem Beitrag mit dem von Universities Canada zusammengetragenen Umfang, in dem kanadische Hochschulen in die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag des Landes im kommenden Jahr eingebunden sein werden. Es heißt: „The association has compiled a list of more than 600 events and activities organized by universities throughout the year to mark the anniversary.”
 
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In einem Interview mit dem Autor eines Dokumentarfilms zum Hazing, also den Initiationsritualen von an US-amerikanischen Colleges zu findenden Mitgliederorganisationen wie Marching Band, Sororities und Fraternities heißt es auf die Frage Chronicle of Higher Education nach den verbindenden Charakteristika der verschiedenen Rituale: „There is a common universal theme, which is: I went through this process in order to get entry into this organization, team, or field, and so therefore you have to go through this process. Otherwise you’re not worthy; you’re not as valuable as the people who came before you. And so there is this expectation that if you are going to receive credibility as a member of that group, then you must submit yourself to that hazing process. That, I think, is universal.”

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Laut einem Beitrag der New York Times zur Obdachlosigkeit von Studierenden in den USA wird die Größe der betroffenen Gruppe auf zwischen 8% und 14% aller Studierenden geschätzt. Eigentlich sei Obdachlosigkeit unter Studierenden nur schwer vorstellbar, denn laut einem Psychologen der Wayne State University: „If you’re someone who has the wherewithal to get yourself into college, well, of course you should be immune to homelessness. But that just isn’t the case.”
 
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In einem Gespräch mit dem Chronicle of Higher Education zeichnet die neue Leiterin der Modern Language Association (MLA), Paula M. Krebs, ein vorsichtig optimistisches Bild der näheren Zukunft der Geisteswissenschaften an US-amerikanischen Hochschulen und das trotz des über die vergangenen Jahre gesunkenen Einschreibungszahlen. Ein Grund für den Optimismus sei dabei das zuletzt deutlich gestiegene Interesse an den Liberal Arts bei Studierenden an Community Colleges. Es heißt: „The recent humanities indicators report on community-college programs is really a positive sign for us. The increase in the number of humanities majors in community colleges indicates that there is a public understanding of the value of degrees in humanities. Community-college students, who are very concerned about their futures, don't see a contradiction in being concerned about their future and majoring in the humanities. We need to build on that in four-year institutions.”

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Sie finden den Bericht hier.

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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