Ausgabe ___ | March 29 2017
6. November 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Steuerpläne der Regierung Trump
  • Sechs Mythen rund um die Wahl des Hauptfachs im Studium
  • Das „Online Paradoxon”
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit möglichen Auswirkungen einer derzeit in den USA geplanten Steuerreform auf die Hochschulbildung und mit Mythen rund um die Wahl des Hauptfachs im Bachelor-Studium. Wir werfen zudem einen Blick auf das „Online Paradoxon” an US-amerikanischen Community Colleges und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt

Steuerpläne der Regierung Trump
Die republikanische Mehrheit im US Kongress hat sich jetzt an die Arbeit gemacht, eines der Wahlversprechen von Donald Trump, nämlich eine umfassende Steuerreform, in Gesetzestext zu gießen und sich dabei auf Gewinner und Verlierer gegenüber dem Status Quo zu einigen. So klar dabei die Gewinner sein dürften, so unklar scheint bislang zu sein, wie die Reformen zu finanzieren sein werden, also an welchen anderen Stellen Ausgaben bzw. Vergünstigungen gestrichen werden sollen.
Die Washington Post befasst sich in dieser Woche mit den hochschulpolitischen Aspekten der geplanten Steuerreform und schreibt: „Tucked away in the much-anticipated Republican tax bill are a few provisions that are sure to rattle universities, student loan borrowers and anyone paying for college.”
Es gehe zum einen um die bislang steuerlich bevorzugte Behandlung von Einkommen der Stiftungsvermögen von Hochschulen. Hier gäbe es den Plan, Erträge der landesweit größten Stiftungen, nämlich die über $100.000 pro Studierendem, mit 1,4% zu besteuern. Nach Einschätzung der National Association of College and University Business Officers (NACUBO) wären von einer solchen Steuer etwa 150 Hochschulen in den USA betroffen und auf Seiten republikanischer Gesetzgeber rechne man mit einem Ertrag von $3 Mrd. pro Jahr aus dieser Steuer.
$4,75 Mrd. pro Jahr erhoffe man sich zudem durch die Streichung steuerlicher Abzugsfähigkeit von Zinsen auf Studiendarlehen (bislang bis zu $2.500 pro Jahr) und die Besteuerung von Rabatten auf Studiengebühren für Kinder von Hochschulangehörigen.
Im Sinne einer Steuervereinfachung wolle man auch die bisherigen drei Tax Credits für Hochschulausbildung, nämlich den American Opportunity Tax Credit, den Lifetime Learning Credit und den Hope Scholarship Credit, in einem neuen Tax Credit zusammenfassen. Freilich würde diese Vereinfachung höhere Steuereinnahmen erbringen: „Streamlining the jumble of tax credits could increase revenue for the government by $17.3 billion over 10 years, according to the plan. (…) The new credit would squeeze graduate students, especially PhD candidates.”
Nicht so klar zu beziffernde Auswirkungen hätte dagegen das Vorhaben, die Steuerbefreiung von Sparplänen für Kosten von Hochschulbildung zu vereinheitlichen und auf andere Bildungsbereiche auszudehnen. Die sog. 529-Pläne, mit denen man derzeit vor Steuer bis zu $14.000 für künftige Hochschulkosten ansparen könne, sollten dann auf $10.000 beschränkt, aber auch auf Kosten ausgedehnt werden, die im Primar- und Sekundarschulbereich und in der Berufsausbildung anfielen. Hierzu heißt es: „Both additions are a clear nod to Education Secretary Betsy DeVos’s push to shift more federal dollars to private schools and focus greater attention on vocational training.”

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Der Chronicle of Higher Education befasst sich in einem Beitrag sehr kritisch mit den Auswirkungen des Gesetzesentwurfs auf Hochschulbildung in den USA und schreibt: „The bill was met with immediate opposition from a number of higher-education groups, which argued that the measure would rob institutions of vital dollars and increase the price of college for debt-laden students and already-strapped families.” Der ehemalige Staatssekretär im Bildungsministerium und derzeitige Präsident des American Council on Education (ACE), Ted Mitchell, wird mit den Worten zitiert: „The House tax-reform proposal released today would discourage participation in postsecondary education, make college more expensive for those who do enroll, and undermine the financial stability of public and private two-year and four-year colleges and universities.”
Eine geplante Erhöhung von Steuerfreibeträgen bei gleichzeitiger Beschränkung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von einzeln nachgewiesenen Spenden an Non-Profits werde sich nach Ansicht von Hochschulverbänden deutlich negativ auf die Möglichkeiten der Hochschulen zum Fundraising auswirken. Weil derzeit etwa 30% der Steuerzahler ihre Spenden einzeln nachwiesen und dieser Anteil bei Umsetzung der Pläne auf 5% abzusinken geschätzt würde, müsse man mit möglichen Verlusten der Hochschulen in der Größenordnung von $13 Mrd. pro Jahr rechnen.

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Ein Beitrag auf Inside Higher Education warnt davor, dass eine Umsetzung der Pläne Hochschulbildung weniger erschwinglich machen würde und zitiert eine Einschätzung des zuständigen Parlamentsausschusses, dass die Kosten für den Hochschulbesuch in den kommenden zehn Jahren insgesamt um $63 Mrd. steigen würden. Auch dieser Beitrag zitiert Ted Mitchell vom ACE, diesmal mit den Worten: „Taken in its entirety, the House tax reform proposal released today would discourage participation in postsecondary education, make college more expensive for those who do enroll and undermine the financial stability of public and private, two-year and four-year colleges and universities.”

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Sechs Mythen rund um die Wahl des Hauptfachs im Studium
Ein Beitrag der New York Times zur Schwierigkeit vieler Undergraduate-Studierender bei der Auswahl ihrer jeweiligen Hauptfächer zitiert Zahlen des Bildungsministeriums, wonach rund 30% aller Undergraduates ihr Hauptfach wenigstens einmal während des Studiums wechselten. Der Beitrag zitiert weiterhin die Ergebnisse einer Umfrage, derzufolge eine Mehrheit sich auf den Rat von Freunden und Familie verließen und sich nur eine Minderheit zur Hauptfachwahl Beratung von Studienberatern an Oberschulen oder Hochschulen einhole. Zudem: „Most didn’t think that the advice was especially helpful. Maybe it’s because much of the conventional thinking about majors is wrong.”
Der Beitrag ordnet die Gründe, warum an den gängigen Ansichten zur richtigen Studienplatzwahl wenigstens genauso viel Falsches wie Richtiges ist, zu sechs Mythen und vergleicht sie mit der Untersuchung „The Lifetime Earnings Premia of Different Majors” (Douglas A. Webber, 2014).
Der erste Mythos sei dabei, dass Fächer aus dem Bereich Science, Technology, Engineering and Math (STEM) immer die besseren Einkommensintegrale erzielten. Zwar sei Chemical Engineering statistisch gesehen die lukrativste Studienfachwahl, doch könnten auch English oder History Majors vergleichbare Einkommen erzielen. Es komme eben darauf an, wo man genau innerhalb der berufsspezifischen statistischen Spanne lande: „Even English or history graduates who make just above the median lifetime earnings for their major do pretty well when compared to typical graduates in business or a STEM field.”
Der zweite Mythos betrifft die Geschlechterverteilung und lautet: „Women want to have it all.” Zwar seien Frauen mittlerweile unter Studierenden deutlich mit 56% in der Mehrheit und seien auch insgesamt im Studium erfolgreicher, doch in den Fächern mit den höchsten Einkommen seien sie nach wie vor in einer mitunter sehr deutlichen Minderheit: Volks- und Betriebswirtschaft 31%, Chemical Engineering 28%, Informatik 20%, E-Technik 10% und Maschinenbau 8%. Im Hinblick auf den geschlechtsspezifischen Pay Gap sei hier noch einiges aufzuholen: „If the proportion of women in fields where men dominate increased by just 10 percent, the gender pay gap would narrow considerably: from 78 cents paid to women for every dollar men receive to 90 cents for every dollar men receive.”
Der dritte Mythos sei, dass die Wahl des Studienfachs wichtiger sei als die Wahl des Studienorts. An Hand von verfügbaren Daten aus sieben Bundesstaaten lasse sich zeigen, dass die bessere Hochschule das vermeintlich besser dotierte Studienfach toppe: „After all, the better the college, the better the professional network opportunities, through alumni, parents of classmates and eventually classmates themselves.”
Der vierte Mythos behauptet, dass Liberal Arts Majors auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen hätten und als Beleg dieser Ansicht wird der Gouverneur von Kentucky aus einer Rede mit den Worten zitiert: „If you’re studying interpretive dance, God bless you, but there’s not a lot of jobs right now in America looking for people with that as a skill set.” Ausdruckstanz stünde zwar in der Tat in den Anforderungsprofilen der allerwenigsten Stellenanzeigen, doch andere im Studium vermittelte Fertigkeiten wie Schreiben oder Problelösung seien am Arbeitsmarkt durchaus gefragt: „A 2017 study by David J. Deming, an associate professor of education and economics at Harvard, found jobs requiring both the so-called soft skills and thinking skills have seen the largest growth in employment and pay in the last three decades.”
Der fünfte Mythos hebe die Notwendigkeit hervor, sich früh für einen Major zu entscheiden. In der Tat kosteten Wechsel des Hauptfachs oft Zeit. Um dies zu verhindern, hätten viele Hochschulen mittlerweile die einzelnen Majors zu größeren Gruppen, sogenannten „Meta-Majors”, zusammengefasst und würden den Studienanfängern nach einer ersten Grobeinsortierung damit ein wenig mehr Zeit lassen, sich genauer zu orientieren.
Der sechste Mythos sei schließlich, dass man sich für ein vernünftiges Studium generell auf ein Hauptfach festzulegen habe, denn die wirklichen Anforderungen des beruflichen Lebens seien in der klassischen Fächerstruktur von Hochschulen schon lange nicht mehr abgebildet. „Fewer than a third of college graduates work in jobs related to their majors. And picking one based on today’s in-demand jobs is risky, said Dr. Webber of Temple, especially if the occupation is threatened by automation.” Man solle alles Mögliche studieren, nur besser keine Dinge, die sich automatisieren oder von einem Computerprogramm erledigen ließen.

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Sie finden „The Lifetime Earnings Premia of Different Majors” hier .

Eine ähnliche Untersuchung finden Sie ohne Bezahlschranke hier .

Das „Online Paradoxon”
Ein Beitrag des Chronicle of Higher Education geht der Frage nach, warum auf der einen Seite Studierende an Community Colleges, die einen Kurs nur online am Computer belegen, statistisch geringere Erfolgsaussichten als ihre Kommilitonen in Seminarräumen haben, auf der anderen Seite aber Studierende, die einen Teil ihres Studiums online absolvieren, besser als soche abschneiden, die ausschließlich „face-to-face” unterrichtet werden.
Eine mögliche Antwort auf dieses „online paradox” sei vermutlich in der mangelnden Qualität von Online-Kursen zu finden, die akademisch nicht so gut vorbereitete Studierende rasch verlieren würden. Auf der anderen Seite würde aber die Flexibilität der Stundenplangestaltung durch Einfügung von einigen Online-Kursen für die Studierenden deutlich steigen und dies hätte seine Vorteile: „The flexibility of online education enables students to work around obstacles that stand between them and a degree, like work, family obligations, or distance from campus. That means they are more likely to achieve their long-term goals if they mix in a few online classes.”
Die sich aufdrängende Frage sei demnach, bei welchem Maß an Online-Ausbildung der Vorteil in einen Nachteil umschlage, und hier läge nun eine Untersuchung auf Basis der Auswertung von 45.000 Studierenden an 30 Community Colleges im System der State University of New York (SUNY) vor. Das Ergebnis: „The ratio that seems to lead to the most success for a full-time student, they found, is two online courses to three on-campus courses. In other words, students who take more than 40 percent of their courses online lose some of the benefits that help lead to degree completion.”

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Kurznachrichten
University World News widmet sich in einem Beitrag mit dem vermehrt genutzten Potenzial von in kanadischen Großstädten wie Toronto oder Vancouver angesiedelten Hochschulen im Umgang mit Immobilienbesitz. Der Wert von Immobilien sei gerade in diesen beiden Städten in jüngster Zeit dramatisch gestiegen und würde auch noch in absehbarer Zeit weiterhin deutlich ansteigen. Da sei es vernünftig und nachvollziehbar, dass zum Beispiel die University of Toronto als Käufer auf dem Immobilienmarkt tätig würde, selbst wenn man die zugekauften Flächen erst einmal nicht für den akademischen Betrieb nutzen wolle. Es heißt: „Although buying a property that you do not intend to use immediately may seem like a waste of energy, the move is an important one in light of the city’s current land shortage. Toronto has the lowest commercial vacancy rate of any North American city and Toronto’s universities have to be creative about growth. Too often, mature universities with aging facilities find themselves on the buying end of property deals, a position that has not been favourable over the past few years. Advanced purchases may be the only way to build assets for future growth.”

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RE$EARCH Infosource Inc. hat ein Ranking kanadischer Hochschulen veröffentlicht. Es unterscheidet nach ihren jeweiligen Drittmittelerfolgen in absoluten Zahlen, nach Wachstum der Forschungsmittel gegenüber dem Vorjahr und nach eingeworgbenen Mitteln pro Professor (Research Intensity. Das Ranking unterscheidet zudem drei Hochschultypen, nämlich Forschungshochschulen mit medizinischer Ausbildung, Forschungshochschulen ohne Medizin und Undergraduate Colleges. Führend beim ersten Typ ist nach absoluten Zahlen erwartungsgemäß (weil auch mit Abstand die größte Universität des Landes) die University of Toronto (U of T), die im Haushaltsjahr 2016 mehr als Can$1 Mrd. einwerben konnte. Auf den Plätzen folgen McGill University (Can$547 Mio.) und University of British Columbia (Can$532 Mio.). Der „Winners Circle“ des Rankings umfasst insgesamt 16 Hochschulen, deren durchschnittlicher Drittmittelerfolg mit (Can$350 Mio.) beziffert ist. Den größten Zuwachs an Drittmitteln hatte zuletzt mit 28% die University of Saskatchewan erzielt, gefolgt von der University of Manitoba und McGill. Der Durchschnitt der 16 Besten lag hier zuletzt bei 3,1%. Mit gut Can$405.000 je Professor hat die McMaster University derzeit die höchste „Research Intensity“, gefolgt von der U of T (Can$381.000) und McGill (Can$317.000), wobei der Durchschnitt der 16 Besten hier bei Can$239.000 liegt. Wie stark sich medizinische Forschung auf die Drittmittelerfolge auswirkt, zeigt dazu im Vergleich die Tabelle mit 12 Forschungshochschulen ohne Medizin. Hier führt die University of Waterloo mit (Can$166 Mio.) die Gruppe vor der University of Guelph (Can$149 Mio.) und Simon Fraser University (Can$110 Mio.) an; der Durchschnitt der Besten 12 liegt bei (Can$75 Mio.), der sich gegenüber dem Vorjahr allerdings um fast 2% reduziert hat.

Sie finden das Ranking hier .

Der Chronicle of Higher Education versammelt eine Reihe von vier Beiträgen zur frühstmöglichen Einbindung von Undergraduates in Forschungsprojekte an Hochschulen und schreibt: „Engaging students in original scholarship is a time-intensive and expensive activity, but the outcomes are almost always powerful and positive. Perhaps most important, research keeps students and the faculty connected and engaged in high-level intellectual collaborations. Studies have shown that student learning depends strongly on faculty involvement, and that when faculty members who have a strong research focus don’t include students in that research, it has a negative impact.”

Sie finden die Reihe hier .

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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