Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada. | |
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Die Themen dieser Woche:
- Talent-Entwicklung im Fächerkanon Science, Engineering, and Health (SEH)
- Transfer von Community Colleges auf vierjährige Hochschulen
- Abbau von Studienschulden trotz Verbots durch den Supreme Court
- Kurznachrichten
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Liebe Leserinnen und Leser,
wir befassen uns dieser Ausgabe mit der Talent-Entwicklung in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern in den USA und der Rolle internationaler Studierender darin und mit den statistisch noch sehr schlechten Aussichten, nach zwei Jahren auf einem Community College auf eine vierjährige Hochschule wechseln und dort einen Bachelor-Abschluss machen zu können. Wir werfen zudem einen Blick auf den Stand der Bemühungen der Biden-Administration, das Problem der Studienschulden auch nach dem Verbot einer weitreichenden Entschuldung durch „Federstrich“ in den Griff zu bekommen, und – wie immer – auf verschiedene Kurzmeldungen.
Wegen des Osterwochenendes wird die nächste Ausgabe erst wieder am 7. April erscheinen.
Ich wünsche eine interessante Lektüre und ein frohes Osterfest.
Herzliche Grüße,
Stefan Altevogt
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Talent-Entwicklung im Fächerkanon Science, Engineering, and Health (SEH) | |
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Ob nun als STEM-Fächer bzw. in deutscher Übersetzung als MINT-Fächer bezeichnet oder mit leicht veränderten Zuschnitten als Science, Engineering, and Health (SEH), bestimmte Berufsgruppen gelten als zentral für wissensbasierte Erwerbsgesellschaften und entsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit um den Nachwuchs in diesen Bereichen, ob nun aus „eigener Produktion“ oder aus anderen Ländern, weil das eigene Land für international mobiles Talent entsprechend attraktiv ist. In dem alle zwei Jahre durch das National Center for Science and Engineering Statistics (NCSES) der National Science Foundation (NSF) vorgelegten Sachstandsbericht „The State of U.S. Science and Engineering“ hieß es zuletzt denn auch: „The global competitiveness of the United States is supported through the nation’s STEM talent, R&D-driven discovery, and translation of knowledge into the economy and society through innovation. The United States is the largest performer of R&D, but the overall balance of global science and engineering resources and activity continues a long-term shift toward other areas of the world.“
Sie finden den Bericht hier.
Ein Teilaspekt des Sachstands ist regelmäßig der Blick auf die Einschreibungszahlen in Graduate Programmen im – und hier wechselt der Bericht ein wenig die Blickrichtung – SEH-Fächerkanon. Die jüngsten Zahlen deuteten auf eine wachsende Bedeutung internationaler Studierender für die US-amerikanische Talent-Pipeline, denn einem Wachstum der Einschreibungszahlen in Graduate Programmen insgesamt (Master-Programme und Promotionsprogramme) um knapp 39.000 zwischen 2021 und 2022 habe ein Wachstum der für die Teilnahme an Graduate-Programmen ausgegebenen Studierendenvisa um knapp 43.000 gegenüber gestanden. Es heißt weiter: „Full-time SEH master’s enrollment in 2022 was 319,618, whereas full-time doctoral enrollment was 259,683 (...), the highest number recorded in the Survey of Graduate Students and Postdoctorates in Science and Engineering (GSS).“
Sie finden die Zahlen hier.
Das American Institute of Physics berichtet über die Zahlen unter dem Aspekt des internationalen Wettbewerbs um technologische und in Folge auch ökonomische Dominanz und vergleicht die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) der USA in 2021 in Höhe von $806 Mrd. (3,5% der Wirtschaftsleistung) mit denen in China ($668 Mrd.), Japan ($177 Mrd.) und Deutschland ($154 Mrd.). Doch sei im Zahlenwerk auch eine Achillesferse erkennbar, denn die USA seien in den MINT-Fächern zu einer Zeit stärker als die Konkurrenz von Fachkräften aus dem Ausland abhängig, in der die Leistungsfähigkeit der US-amerikanischen Schülerinnen und Schüler in Mathematik-Tests vergleichsweise niedrig und während der Pandemie nochmals gesunken sei. Es heißt: „The U.S. STEM workforce consisted of 36.8 million people in 2021, and of these, 19% were born abroad, the report found. Foreign-born workers also accounted for 43% of all doctoral-level scientists and engineers in the U.S.“
Das National Science Board (NSB) als Beratungsgremium der NSF habe dem Bericht noch ein Strategiepapier angehängt, dass von einer sich beschleunigenden MINT-Talentkrise ausgehe, die auf eine seit langem unzureichende Leistung des US-Bildungssystems im Vergleich zu vielen anderen Ländern zurückzuführen sei. Ein weiterer strategischer Schwachpunkt sei die übergroße Abhängigkeit der USA von der Anwerbung von MINT-Fachkräften aus nur zwei Ländern, nämlich China und Indien. Dementsprechend empfehle das Gremium, dass die USA ihre Anstrengungen zur Erhöhung der einheimischen MINT-Fachkräfte rasch verstärkten und Maßnahmen ergriffen, um MINT-Talente auch aus anderen Teilen der Welt anzuziehen und zu halten. Es heißt weiter: „The board also suggests a new focus on recruiting from ‘emerging science partner countries‘, defined as ‘low-and middle-income countries building their R&D enterprises that are poised to become the collaborators of tomorrow’.”
Sie finden den Beitrag hier.
Sie finden den zitierten Policy Brief hier.
In ihrem Internationalisierungs-Blog „Latitudes“ sieht Karin Fischer im Chronicle of Higher Education in den jüngsten Zahlen zum einen die gute Nachricht, dass sich die Zahl der internationalen MINT-Studierenden in den USA erholt habe und jetzt das Niveau von vor der Pandemie übersteige, dass aber auf der anderen Seite die internationale Attraktivität des Studienstandorts USA insofern und vor allem mit Blick auf die MINT-Fächer die Gefahr mit sich brächte, die Förderung des eigenen Talents zu vernachlässigen. Sie schreibt: „The report reaffirms the United States’s role as a premier destination for students from around the world, particularly in high-demand science and technology fields. But it also underscores dual challenges for American colleges: how to ensure their continued global appeal while increasing the number of domestic students who pursue STEM degrees.“
Sie finden diesen Beitrag hier.
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Transfer von Community Colleges auf vierjährige Hochschulen | |
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Die zweijährigen, im Vergleich zu vierjährigen Colleges kostengünstigeren und in der Regel eher berufsbezogenen Community Colleges gelten als eine Möglichkeit, über einen Umweg, aber mit geringeren Studienschulden zu einem Bachelor-Abschluss zu kommen. Dazu sollte das Community College entsprechend ausbilden und Transfer-Programme anbieten, was vor allem in integrierten, öffentlich finanzierten Hochschulsystemen wie etwa der City University of New York (CUNY) die Regel ist. In einem Beitrag des Chronicle of Higher Education heißt es dazu: „The opportunity to transfer from a community college to a four-year institution is one of the most powerful tools that the American higher-education system has for democratizing bachelor’s-degree attainment. It enables students who would otherwise stop at a two-year associate degree to continue their education journey in bachelor’s programs that are personally fulfilling and increase their chances of finding a job that pays a living wage.“
Soweit die Theorie. In der Praxis sähe es allerdings anders aus, denn während 80% der Studierenden an Community Colleges einen Wechsel an eine vierjährige Einrichtung bzw. einen vierjährigen Bachelor-Abschluss anstrebten [einige Community Colleges bieten mittlerweile selbst Bachelor-Abschlüsse an], wechselten nur etwa ein Drittel und nur 16% erreichten tatsächlich einen Bachelor-Abschluss. Für die sozialen Gruppen, für die der Weg über ein Community College zu einem Bachelor-Abschluss eigentlich am attraktivsten sein sollte, nämlich für Kinder aus einkommensschwachen Familien, für Hispanics und für Afro-Amerikaner, seien die Zahlen mit 11%, 13% und 9% sogar noch entmutigender.
Zu den Gründen dieser geringen Aussichten für die an Hochschulen noch deutlich unterrepräsentierten Schichten, über den Weg des Community College zu einem Bachelor-Abschluss zu kommen, heißt es im Beitrag, dass zum einen der Wechsel zu einer vierjährigen Hochschule ein komplexer Prozess sei, für den es an Community Colleges noch an angemessener Beratung und Unterstützung mangele. Zudem fehle es an gut strukturierten Transfer-Programmen, mit denen die Studierenden herausfinden könnten, welche vierjährigen Hochschulen sie aufnehmen würden und welche Kurse am Community College danach am besten zu einem Bachelor-Abschluss führten. Zwar könnten Partnerschaften zwischen Community Colleges und vierjährigen Hochschulen zu einer Anrechnung von erworbenen Credits beitragen, doch seien solche Partnerschaften derzeit noch nicht üblich und bestünden manchmal nur aus komplexen und für Studierende schwer zu verstehenden Vereinbarungen zu Sprachregelungen. Es heißt weiter: „As a result, students are left alone to navigate a sea of information in creating their own path toward the bachelor’s degree they want to complete.“
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Abbau von Studienschulden trotz Verbots durch den Supreme Court | |
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Die Biden-Administration hat laut New York Times in der vergangenen Woche ihre Bemühungen um einen möglichst weitgehenden Erlass von Studienschulden fortgesetzt und weitere $5,8 Mrd. für knapp 78.000 Kreditnehmerinnen und -nehmer getilgt, die größtenteils im öffentlichen Dienst arbeiteten, darunter Lehrerinnen und Lehrer und Feuerwehrleute. Damit habe die US-Regierung bislang insgesamt $143 Mrd. an Krediten durch verschiedene Korrekturen und Hilfsprogramme für fast vier Millionen Kreditnehmende streichen und wenigstens einen kleineren Teil des Wahlkampfversprechens von Joe Biden einlösen können, das Problem der Studienverschuldung vieler Menschen zu lösen. Es heißt: „That’s the largest amount of student debt eliminated since the government began backing loans more than six decades ago, but it’s still far less than President Biden’s initial proposal, which would have canceled up to $400 billion in debt for 43 million borrowers but was blocked by the Supreme Court.”
Was der Supreme Court seinerzeit untersagt habe, sei eine umfassende Streichung der Schulden gewesen, und so habe sich die Bundesregierung entschließen müssen, für jeweils deutlich kleinere Kohorten von Schuldnern andere Lösungen zu finden. So gelte zum Beispiel die jüngsten Schuldenstreichung für Regierungsangestellte und Mitarbeitende gemeinnütziger Organisationen, die auch am Public Service Loan Forgiveness-Programm (PSLF) teilnehmen würden, das eine Tilgung der Schulden nach 120 Ratenzahlungen vorsähe. Ein näherer Blick auf die Lösung für diese Kohorte zeige aber auch einen der Gründe, warum das Problem der Studienschulden so immens geworden sei, nämlich Probleme in der Administration von Studiendarlehen. Es heißt: „The P.S.L.F. program, which was plagued with administrative and other problems, has improved in recent years after the administration made a series of fixes.”
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Der nun endlich in vollem Umfang beschlossene und noch bis Ende September gültige Bundeshaushalt der USA biete laut Inside Higher Education hinsichtlich der Mittel für das Department of Education wenige Überraschungen. Es gäbe auf der einen Seite kaum neue Mittel für Programme, die für die Hochschulen wichtig wären, auf der anderen Seite vermeide der Bundeshaushalt aber auch weitgehend die von den Republikanern im Repräsentantenhaus vorgeschlagenen Kürzungen in Milliardenhöhe. In der Tat wüchse der Etat des Bildungsministerium um rund $500 Mio. auf $79,1 Mrd. Emmanual Guillory, Senior Director of Government Relations des American Council on Education, wird mit den Worten zitiert: „It’s pretty much what we expected. We figured it would be closer to the Senate’s [Mehrheit liegt hier bei den Demokraten] proposal than the House’s [Mehrheit liegt hier bei den Republikanern].”
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Karin Fischer geht im Chronicle of Higher Education auf mögliche Folgen einer Wahl von Donald Trump im kommenden November auf die internationale Attraktivität des Studienstandorts USA ein und erinnert daran, dass trotz gegenteiliger Einschätzungen vor der Wahl 2016 die tatsächlichen Auswirkungen der ersten Trump-Präsidentschaft auf die Studierendenmobilität in Richtung USA lange nicht so katastrophal wie befürchtet gewesen seien. Dennoch habe seine Präsidentschaft deutliche Spuren hinterlassen, etwa der Eindruck einer seiner ersten Amtshandlungen, mit der er die US-Grenze für Studierende und Forschende aus einem halben Dutzend überwiegend muslimischer Länder geschlossen habe, oder der von Trump geäußerte Generalverdacht, alle chinesischen Studierenden und Forschenden seien Spione. Es heißt weiter: „His administration put global research ties under the microscope, and international students became a pawn in a political fight over reopening colleges during the pandemic.“
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Inside Higher Education meldet einen weiteren „unforced error“ des US-amerikanischen Bildungsministeriums bei der Administration von etwa 1,5 Mio. Anträgen für föderale Studienbeihilfen und schreibt: „The hiccup is the latest in a long line of errors and delays that have vexed financial aid offices and disrupted college admissions timelines, forcing many institutions to push back their commitment deadlines.“
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Karin Fischer berichtet im Chronicle of Higher Education von Überlegungen bei Fulbright, die Hemmschwellen für Fakultätsmitglieder an Community Colleges zu einer Bewerbung zur Teilnahme an den Fulbrightprogrammen zu senken. Es heißt: „Each year, Fulbright grants are awarded to some 800 American faculty members, said David J. Smith, an educational consultant and Fulbright alumnus. Typically, fewer than 20 go to professors at community colleges.“
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Inside Higher Education meldet die Gründung eines auf Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) fokussierten Colleges an der University of South Florida und schreibt: „The College of Artificial Intelligence, Cybersecurity and Computing, opening in the fall of 2025, would be the first AI-centered college within a university in Florida, said Prasant Mohapatra, provost and president of academic affairs for University of South Florida.“
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