Der Chronicle of Higher Education listet in seinen jährlich erscheinenden Zahlen zur US-amerikanischen Hochschullandschaft regelmäßig etwa 4.500 Einrichtungen, von denen außerhalb der USA ebenso regelmäßig vielleicht die 250 Besten von Interesse sind, also die wenigen Gipfel. Der ehemalige Präsident des American Council of Education, David Ward, ließ sich zu dieser Stratifizierung gerne mit den Worten zitieren, dass die USA nicht nur Heimat der 50 besten Hochschulen der Welt seien, sondern auch der 500 schlechtesten. Bei statistischen Betrachtungen der gesamten Landschaft schlagen sich allerdings ihre Tallagen ebenso nieder wie die Spitzen und es ist nicht immer einfach abzuschätzen, inwieweit Aussagen über die gesamte Landschaft für den Höhenkamm relevant sind.
Ein Beitrag der Washington Post zum wachsenden Anteil der Lehrenden an US-amerikanischen Hochschulen, die ohne feste Verträge und in der Regel auch ohne Sozialleistungen einen bedeutenden Teil der Hochschulaufgaben übernehmen, ohne dafür angemessen bzw. wertschätzend bezahlt zu werden, beginnt denn auch mit einem Beispiel an Duke University, also einer Einrichtung, die auch außerhalb der USA bekannt ist. Es heißt: „When [MJ] Sharp became an instructor at Duke University in 2012, the $7,500 she earned for one course was just enough after taxes to cover her annual health-care premium. She fought for more classes and university health insurance. It took months to secure four classes, but Sharp still had no assurance the university would invite her back from one year to the next.” Hochschulen würden als Arbeitgeber nicht nur die Marktverhältnisse nutzen, um auf dem Rücken von Lehrbeauftragten die Kosten für die Lehre minimal zu halten, sondern profitierten auch von der Abhängigkeit der Lehrbeauftragten bei geringen Lehrdeputaten. In den Worten von Sharp: „It keeps you nice and disposable.”
Der Beitrag zitiert eine 2014 von den Demokraten im House Committee on Education and the Workforce in Auftrag gegebene Untersuchung zu den „Working Conditions of Contingent Faculty in Higher Education”, derzufolge mit steigender Tendenz mittlerweile mehr als 40% aller Lehrenden an Hochschulen in die Kategorie von „part-time adjunct instructors” fielen. Die Untersuchung wirft einen Blick auf die Entwicklung seit 1970 und stellt fest: „The tenure-track college professor with a stable salary, firmly grounded in the middle or upper-middle class,is becoming rare. Taking her place is the contingent faculty:non-tenure-track teachers, such as part-time adjuncts or graduate instructors, with no job security from one semester to the next, working at a piece rate with few or no benefits across multiple workplaces, and far too often struggling to make ends meet. In 1970, adjuncts made up 20 percent of all higher education faculty. Today, they represent half.”
Man gehe davon aus, dass mittlerweile mehr als eine Million Lehrende an US-amerikanischen Hochschulen diesem Prekariat angehörten, und die möglichen Ursachen dieser Entwicklung seien vielschichtig. Zum einen hätten zum Teil drastische gesunkene Zuwendungen der Bundesstaaten bei der Finanzierung öffentlicher Hochschulen an diesen zur ebenfalls zum Teil drastischen Erhöhungen der Studiengebühren und zur Verlagerung des Lehrbetriebs auf billigere Arbeitskräfte geführt. Zum anderen hätten Hochschulen auch ihre Prioritäten in ihren Ausgaben verändert: „The proportion of colleges’ total expenditures attributable to teacher salaries declined five percent from 1987 to 2005. In today’s lean era, schools have often chosen to balance their budgets on the backs of adjuncts. Outsized administrator salaries, marketing operations, and campus frills recently have received significant attention.”
Was da vermutlich helfe könnte, sei mehr Transparenz in den Budgets der Hochschulen.

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