Ausgabe ___ |  March 29 2017
19. Juni 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Erste wichtige Entscheidungen der neuen US-Bildungsministerin
  • Lehre als terziäre Bildungsalternative
  • Kanadische Diskussion um Studiengebühren
  • Kurznachrichten

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit zwei Entscheidungen der neuen US-Bildungsministerin Betsy DeVos mit Einfluss auf die Geschäftsbedingungen gewinnorientierter Hochschulen und mit dem Wunsch der US-Regierung, betrieblichen Berufsausbildungsmodellen in den USA eine größere Bedeutung zuwachsen zu lassen. Wir werfen zudem einen Blick auf eine derzeit in der kanadischen Provinz Quebec geführte Diskussion um Studiengebühren und die Festlegung ihrer Höhe und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt

Erste wichtige Entscheidungen der neuen US-Bildungsministerin
Ein Beitrag des Chronicle of Higher Education zu zwei für die Geschäftsbedingungen gewinnorientierter Hochschulen wichtigen Entscheidungen des US-Bildungsministeriums erinnert an eine der für die Demokraten im Senat zentralen Fragen während der Senatsanhörungen zur Bestätigung der neuen US Secretary of Education, Betsy DeVos. Sie wurde von Senatorin Elizabeth Warren gefragt, wie das Bildungsministerium auch in Zukunft verhindern wolle, dass öffentlich finanzierte Ausgaben für Hochschulbildung nicht in erster Linie zu Profiten gewinnorientierter Bildungsanbieter umgemünzt würden. Hintergrund der Frage waren auf der einen Seite die zahlreichen Schritte der Obama-Administration, hier durch Regulierungen enge Schranken zu setzen, und auf der anderen Seite der vielfach erklärte Wille DeVos’, die Bildungslandschaft im Zusammenspiel von Privatwirtschaft und Deregulierung reformieren zu wollen. Die Frage beantwortete DeVos seinerzeit eher ausweichend damit, dass sie die bestehenden Regulierungen nur insofern zu bestätigen gedenke, wie sie regelrechten Betrug verhinderten, was Warren ihrerseits zu dem Kommentar bewegte: „Swindlers and crooks are out there doing back flips [over that answer].”

Anlass des Beitrags ist die Ankündigung des Bildungsministeriums mit der „defense to repayment rule” und der „gainful employment rule” jetzt die beiden Bestimmungen neu fassen zu wollen, die unter Obama zu einem deutlichen Einbruch des Geschäfts der For-Profits geführt hatten. Unter „Gainful Employment” ist dabei die Forderung an die Bildungsanbieter zu verstehen, dass Absolventen ihrer Angebote durch den erworbenen Abschluss in der Lage sein müssen, ihre durch die Ausbildung aufgelaufenen Schulden abzahlen zu können. „Defense to Repayment” (oder auch „Borrower Defense” genannt) ermöglicht Bildungsschuldnern eine Stundung der Schulden, wenn den Hochschulen Rechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Studienfinanzierung zur Last gelegt werden.

Der Beitrag befasst sich mit den abseits der For-Profits weitgehend skeptischen bis kritischen Einstellungen zu den geplanten Veränderungen und zitiert als eine der vielen Stellungnahmen die von Pauline Abernathy, der Vizepräsidentin der Organisation College Access & Success: „Today’s action by the Trump administration will be cheered by for-profit colleges and Wall Street but is terrible news for students, taxpayers, and anyone concerned about rising student debt.”
 
Sie finden den Beitrag hier.

Ein Beitrag auf Inside Higher Education befasst sich mit den zahlreichen technischen Aspekten bei der Neufassung beider Regulierungsbestimmungen und zitiert mit der Stellungnahme des Verbands Career Education Colleges and Universities auch die Haltung der For-Profits: „We commend the department for moving forward to begin conversations that will really protect students from academic fraud. Our sector has consistently supported this premise. Unfortunately, the Obama Department of Education chose to use this basic concept as a vehicle to continue their ideological assault on our sector’s very existence."

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Die New York Times verweist in ihrem Beitrag darauf, dass das Vorgehen des Bildungsministerium in zahlreichen Bundesstaaten sehr kritisch gesehen würde, und dass zumindestens in Massachusetts rechtliche Schritte dagegen geplant seien. Der Beitrag erinnert auch noch einmal an den Hintergrund der von der Obama-Administration verschärften Regulierung von For-Profits: „The Obama administration pushed through sweeping regulatory changes after hundreds of for-profit colleges were accused of widespread fraud and subsequently collapsed, leaving their enrolled students with huge debts and no degrees. The failure of two mammoth chains, Corinthian Colleges and ITT Technical Institutes, capped years of complaints that some career-training colleges took advantage of veterans and other nontraditional students, using deceptive marketing and illegal recruitment practices.”

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Lehre als terziäre Bildungsalternative
Mit einer Executive Order, so ein Beitrag auf Inside Higher Education, möchte US-Präsident Trump der betrieblichen Berufsausbildung in den USA breiteren Raum zur Entfaltung geben und so dafür sorgen, dass mehr junge Menschen eine Ausbildung bekommen, ohne sich groß zu verschulden. Der Beitrag zitiert Trump aus einer Presseerklärung dazu mit den Worten: „Apprenticeships place students into great jobs without the crippling debt of traditional four-year college degrees. Instead, apprentices earn while they learn.”

Obgleich noch keine konkreten Zahlen genannt worden seien, höre man aus Regierungskreisen, dass die Bundesmittel für betriebliche Berufsausbildung von derzeit $90 Mio. im Jahr auf bis zu $200 Mio. aufgestockt werden sollten. Zu den bereits bestehenden Maßnahmen heißt es: „Roughly 505,000 people work in federally registered apprenticeships. Employers must apply to participate in the program, and many say the registration process is needlessly cumbersome. (...) As a result, critics say the process has helped keep employer participation relatively light – just 0.3 percent of the work force are apprentices.” Hier wolle nun die Regierung durch eine von Unternehmerverbänden begrüßte Beseitigung von Hindernissen für ein deutlich größeres Interesse sorgen.

Die bislang bestehenden Regulierungen hätten auf der anderen Seite aber auch ihren Sinn gehabt, denn sie sorgten vor allem für einen Schutz der Auszubildenden und dafür, dass sie auch wirklich ausgebildet und nicht nur als billige Arbeitskräfte genutzt würden. Hierzu heißt es: „The rules include wage requirements and minimum time at work sites and on the related learning side, which occurs at community colleges, four-year institutions or at unaccredited education providers such as labor unions and industry associations.”

Sie finden den Beitrag hier.

Sie finden die Presseerklärung des Weißen Hauses hier.

Die New York Times zitiert zur Finanzierung des ApprenticeshipUSA getauften Programms eine Meldung der Associated Press und schreibt: „The money would come from existing job training programs. The executive order would leave it to industry to design apprenticeships under broad standards to be set by the Labor Department.”

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Zur Frage, mit welchem Nachdruck Trump ApprenticeshipUSA betreiben werde, ein Hinweis und ein Zitat aus der Presseerklärung. Der Hinweis: „The Apprentice” war der Titel einer Fernsehshow, mit der Trump zwischen 2004 und 2015 eigenen Angaben zufolge $214 Mio. verdient und eine deutliche Steigerung seines Bekanntheitsgrads erreicht hat. Das Zitat: „I want to thank my daughter Ivanka and her leadership. She has worked so hard on this. She understands how important it is. We're training people to have great jobs and high-paying jobs.”

Kanadische Diskussion um Studiengebühren
In einem Beitrag für die kanadische Ausgabe der Huffington Post plädiert der Vizepräsident des Montreal Economic Institute, Jasmin Guénette, dafür, bei der Festlegung von Studiengebühren auf Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage zu setzen. Hintergrund des Beitrags ist die Entscheidung der Provinzregierung von Quebec, der dortigen Hochschullandschaft zusätzliche Mittel in Höhe von $90 Mio. für Forschung und Lehre zukommen zu lassen. Damit solle auf Jahre finanzieller Vernachlässigung reagiert werden, doch Guénette erkennt vor allem in der seiner Meinung nach ungezielten Finanzspritze die Befüllung eines Tanks mit Loch: „It may alleviate the problem for some time, but it does not solve the core underlying issue.”

Das grundlegendere Problem sei ein System der Beteiligung von Studierenden an den Kosten ihrer Ausbildung, das keinen Marktgesetzen unterworfen sei. Die Lösung: „Allow universities to charge the fees they want. In practice, this means that McGill University, for example, could charge its students different prices for different programs. Political science studies might cost less than Law. And Law at McGill might cost more than Law at Université de Montréal.”

Eine Liberalisierung von Studiengebühren würde zu einer gesunden Portion Wettbewerb unter den Hochschulen führen, zu einer entsprechenden Ausrichtung ihrer Programme und dazu, dass der Return of Investment von Bildungsangeboten noch deutlicher erkennbar wäre. Wie in jedem Wettbewerb, gäbe es freilich auch weniger erfolgreiche Wettbewerber: „A university that did not maintain its competitive position would be at risk of losing students, which would lead to a loss of revenues.”

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Kurznachrichten
Die New York Times meldet den für kommendes Jahr geplanten Rücktritt der Präsidentin von Harvard University, Drew Gilpin Faust, und schreibt: „The first woman to be Harvard’s president announced on Wednesday that she would step down next year after 11 years of service, a period in which she oversaw ambitious fund-raising, expansion of academic programs and increases in student and faculty diversity. Dr. Faust, a well-liked historian known for her scholarship on the American South, was appointed in 2007 after a turbulent period in which her predecessor, Lawrence H. Summers, an economist and former Treasury secretary, alienated significant portions of the faculty.”

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Das kanadische Algonquin College, so eine Meldung auf CBC, wird seine Erfahrungen für eine Beteiligung am Jazan College in Saudi-Arabien mit $6,2 Mio. teuer bezahlen müssen. Es heißt zum schrittweisen Auseinanderklaffen von Erwartungen und Realität: „In 2013, a report to Algonquin's board of directors projected Jazan College would generate $19.9 million over the five-year contract. Two years later a revised report placed the estimated profit at just $4.4 million. Then, last August, when Algonquin announced it would no longer operate the school, figures showed losses were at $5.9 million.”
 
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In einem Interview mit dem Autor eines Dokumentarfilms zum Hazing, also den Initiationsritualen von an US-amerikanischen Colleges zu findenden Mitgliederorganisationen wie Marching Band, Sororities und Fraternities heißt es auf die Frage Chronicle of Higher Education nach den verbindenden Charakteristika der verschiedenen Rituale: „There is a common universal theme, which is: I went through this process in order to get entry into this organization, team, or field, and so therefore you have to go through this process. Otherwise you’re not worthy; you’re not as valuable as the people who came before you. And so there is this expectation that if you are going to receive credibility as a member of that group, then you must submit yourself to that hazing process. That, I think, is universal.”

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Die kanadische Regierung möchte verstärkt in die Programmierungskenntnisse kanadischer Schüler investieren und hat dazu jetzt ein Programm mit dem Titel CanCode und einem Umfang von $50 Mio. aufgelegt. In einer Presseerklärung heißt es: „CanCode (...), over the next two years, will give 500,000 students from kindergarten to grade 12 the opportunity to learn the in-demand skills that will prepare them for future jobs.”
 
Sie finden die Presseerklärung  hier.
 
Mit einem Umfang von mehr als $1 Bio., so ein Beitrag des Chronicle of Higher Education, seien Studienschulden ein attraktives Geschäftsfeld für Unternehmen, die ihren Kunden Vereinfachung und Erleichterung ihres jeweiligen Schuldendienstes versprechen. Der Beitrag wirft dabei einen Blick auf die schwarzen Schafe dieses Teils der Financial Service Industry in den USA, auf Firmen wie das Consumer Assistance Project LLC (CAP). Es heißt auf Grundlage eines Gesprächs mit einem ehemaligen Mitarbeiter von CAP: „Mr. Greenberg says his job at CAP tested his conscience like no other as he began to feel that the company exploited desperate borrowers. He says he fielded 10 to 20 complaints a day from callers.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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