Ausgabe ___ | March 29 2017
4. Dezember 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • US-Steuerreform und mögliche Folgen für die Hochschulen
  • Kanada: Zahlen zu internationalen Studierenden und zu Fakultäten an Hochschulen
  • Konservatives Misstrauen gegenüber Hochschulen in den USA
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns nach der Verabschiedung der Senats-Version einer „Tax Reform” mit möglichen Konsequenzen für die US-amerikanische Hochschullandschaft und in einem Blick auf Kanada mit jüngsten Zahlen zu internationalen Studierenden und mit der Beschäftigungssituation bzw. zu Einkommen an dortigen Hochschulen. Wir werfen zudem einen Blick auf einen Beitrag der Washington Post zum wachsenden Misstrauen gegenüber Hochschulen in den USA und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
US-Steuerreform und mögliche Folgen für die Hochschulen
Am vergangenen Freitag hat nun auch der US-Senat entlang der Parteillinie seine Vorstellungen von einer Umverteilung der finanziellen Nutzen und Lasten in den USA verabschiedet. Bevor der Präsident ein entsprechendes Gesetz unterzeichnen kann, müssen die Pläne des Senats noch mit den ebenfalls entlang der Parteilinie verabschiedeten Plänen des Repräsentantenhauses in Übereinstimmung gebracht werden. Es wird allgemein erwartet, dass dieser Prozess ebenso rasch erfolgen wird, wie er an der Grundstruktur der von einem Leitartikel der New York Times als Raubzug („Heist”) bezeichneten Steuerreform wenig ändern wird. Diese Struktur sieht vor, die Steuergeschenke an die von den Republikanern vertretenen gesellschaftlichen Gruppen, genauer gesagt den als Spender relevanten Teilen dieser Gruppen, nicht ausschließlich durch eine Ausweitung der Verschuldung zu finanzieren, sondern auch durch eine Beschneidung von Ausgaben und von bislang gewährten Steuervorteilen.
Unmittelbar nach der Abstimmung im Senat befasste sich ein Beitrag im Chronicle of Higher Education mit den Auswirkungen der Steuerpläne auf die Hochschullandschaft. Es hieß: „College leaders are bracing for major changes to the nation’s tax code that could weaken their financial footing by undermining charitable giving and placing new tax burdens on institutions with valuable endowments.” Sowohl die Version des Senats als auch die des Repräsentantenhauses sähen deutliche Einschnitte bei der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Spenden an gemeinnützige Einrichtungen wie Hochschulen vor. Zudem sollten Erträge aus Hochschulvermögen ab einer bestimmten Grenze (mindestens 500 Studierende und $500.000 bzw. nach Vorstellungen des Repräsentantenhauses $250.000 Vermögen pro Studierendem) mit 1,4% versteuert werden. Die Zahl der davon betroffenen Hochschulen schwanke zwischen weniger als 30 und 65. Es heißt zur Wahrscheinlichkeit, dass Erträge aus den größten Hochschulvermögen des Landes künftig versteuert würden: „A version of this measure is likely to be included in the final law.”

Zwischen Senat und Repräsentantenhaus ist die Beibehaltung der zurzeit gültigen Steuerbefreiung für sog. Graduate-Student Tuition Waivers umstritten. Eine künftige Behandlung dieser Waiver als steuerpflichtige Einkommen der Graduate Students hätte einem offenen Brief von mehr als 40 wissenschaftlichen Verbänden an die beiden Fraktionsvorsitzenden im US-House of Representatives zufolge deutlich negative Auswirkungen auf (nachgeordnete) Lehre und Forschung an den Hochschulen. Es heißt: „By making advanced education less affordable, it is likely to drive some students away from seeking higher education. Because a majority of graduate students are in the key areas of science, technology, engineering, and math (STEM), these provisions will have an outsized impact in the sciences.” Der Senatsentwurf teile laut Beitrag diese Pläne allerdings nicht die diesbezüglichen Pläne des Repräsentantenhauses, so dass ihre Umsetzung im Gesetz „far from certain” seien.
 
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Eine Liste der von einer „Einkommenssteuer” auf Erträge von Hochschulvermögen betroffenen Hochschulen finden Sie hier.
 
Sie finden das zitiert Schreiben der Verbände an die Fraktionsvorsitzenden des Repräsentantenhauses hier.
 
Die ehemalige US-Bildungsministerium und derzeitige Präsidentin der University of North Carolina, Margaret Spellings, hatte noch vor der Senatsabstimmung in einem Beitrag für den Chronicle of Higher Education vor den negativen Auswirkungen gewarnt und gemahnt, dass eine Steuerreform, die einen solchen Namen verdienen würde, eine allgemeine Verbesserung von Bildungschancen zum Ziel haben müsse. Sie schrieb: „Effective reform would enhance economic mobility and offer broader access to higher education. Instead, policy makers are considering new taxes on graduate students, new obstacles to private philanthropy, and a larger burden on college graduates already struggling to pay off student-loan debt. At a time when our economy is demanding more education for more of our citizens, we cannot erect new barriers for the millions of Americans who need affordable higher education.”

Zu den Auswirkungen der Steuerreform auf die Spendenkultur in den USA insgesamt, deren einer und wichtiger Teil bislang der Finanzierung von Hochschul-Aufgaben dient, zitiert der Beitrag zwei Zahlen: „A study by Indiana University’s Lilly Family School of Philanthropy estimates that 80 percent fewer taxpayers would itemize for charitable giving under the new law. A report by Congress’s Joint Committee on Taxation estimates a $95-billion drop – 40 percent – in charitable giving nationwide.”

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Kanada: Zahlen zu internationalen Studierenden und zu Fakultäten an Hochschulen
University Affairs meldet die jüngsten Zahlen zu internationalen Studierenden an kanadischen Hochschulen und zitiert den Präsidenten des Hochschulverbands Universities Canada, Paul Davidson, mit den Worten: „Students around the globe are increasingly choosing the internationally recognized quality of a Canadian university education, and the benefits for Canada are tremendous.”
Zuletzt seien die Zahl internationaler Studierender in Kanada um knapp 11% auf nun fast 200.000 gewachsen und British Columbia habe mit +15,6% den größten Sprung nach vorne getan. Zum Vergleich verweist die Webseite des Verbands auf die jüngsten Zahlen in den USA: „Meanwhile, the number of new international students studying in the U.S. declined by three per cent this year, the first decrease in 12 years.”
 
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Sie finden den Vergleich zur Entwicklung in den USA hier.
 
University Affairs zitiert jüngste Zahlen von Statistics Canada des erstmals seit fünf Jahren wieder erschienenen University and College Academic Staff System (UCASS) Survey und schreibt: „Since 2010-11, the total number of full-time academic teaching staff is up slightly by 1.6 percent. Increases took place among full and associate professors (8.6 percent and 5.2 percent, respectively), while the number of assistant professors has declined by 15.9 percent. The number of entry-level and non-tenured faculty with a contract of at least 12 months has also decreased, by 2.1 percent.” Der Frauenanteil in den Fakultäten betrage mittlerweile fast 40% und auf der Ebene der Full Professors habe sich der Frauenanteil in den vergangenen fünf Jahren um 28% erhöht. Der Einkommensmedian liege bei Full Professors derzeit bei Can$ 160.000 pro Jahr, Can$ 126.000 für Associate Professors und Can$ 99.000 für Assistant Professors.

Der Beitrag hebt zudem einen fortschreitenden Überalterungsprozess kanadischer Fakultäten hervor, deren Altersmedian im Durchschnitt nun 51 Jahre erreicht habe und der sich von 39 Jahren bei Assistant Professors über 49 Jahre für Associate Professors bis hin zu 57 Jahre für Full Professors erstrecke. Zu einem der Gründe und einer der Folgen heißt es: „Since the end of provincial mandatory retirement in the mid-2000s, faculty who are 65 and older have been growing rapidly, reaching 10.3 percent of the professoriate by 2016. This cohort also earned the highest median salaries: $172,560 for men and $166,990 for women.”

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Konservatives Misstrauen gegenüber Hochschulen in den USA
Das allgemeine politische Klima in den USA, so ein Beitrag der Washington Post, werde zunehmend sekptisch im Hinblick auf die Frage, ob Hochschulen für die in sie investierten Mittel noch ausreichend „common good” produzierten. Auf der einen Seite seien auch als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 nach Angaben der State Higher Education Executive Officers Association die von den Bundesstaaten ausgegebenen Mittel für die Hochschulen in den vergangenen zehn Jahren inflationsbereinigt um $5,7 Mrd. gesunken, bei gleichzeitigem Anstieg der Studierendenzahlen um 800.000, auf der andere Seite verfestige sich laut Umfragen derzeit eine Meinung, wonach die Hochschulen des Landes für viel Geld die falschen Fertigkeiten vermittelten und sie zu Schonräumen für weltfremde Ideen verkommen seien. Es heißt: „Even as prosperity has returned to many states, there is a growing partisan divide over how much to spend on higher education. Education advocates worry that conservative disdain threatens to undermine universities.“

Der Beitrag zitiert als ein Beispiel der sich herausbildenden Skepsis gegenüber Academia die Erfahrungen von Frank Antenori, der als Veteran zweier Kriege und hervorragender Pistolenschütze einer Klapperschlange aus mehreren Metern Entfernung die Giftzähne entfernen könne und der als Mitglied des Parlaments im Bundesstaat Arizona die Meinung offensiv vertrete, dass überlebenswichtige Fertigkeiten wie diese nicht an Hochschulen vermittelt würden. Die derzeitige und für den Steuerzahler sehr teure Wirklichkeit an Hochschulen sei seiner Ansicht nach: „Liberal professors teach ‘ridiculous’ classes and indoctrinate students ‘who hang out and protest all day long and cry on our dime’.” Zumindestens habe man in Arizona seit 2009 unter einem republikanischen Gouverneur und einer republikanischen Mehrheit im Parlament an der Kostenschraube drehen und die direkten Zuwendungen an die öffentlich finanzierten Hochschulen um 54% zurückschneiden können.

Der Beitrag zitiert zudem alarmierende Zahlen des Pew Research Center, wonach sich die Kluft zwischen Republikanern und Demokraten im Hinblick auf die Wertschätzung von Hochschulen für die gesellschaftliche (und ökonomische Entwicklung) des Landes in den vergangenen Jahren deutlich vertieft habe. Hätten 2010 noch 58% der sich als Republikaner identifizierenden Befragten den Satz „colleges and universities have a positive effect on the way things are going in the country” unterschreiben wollen, seien es zuletzt nur noch 36% gewesen. Die entsprechende Einstellung bei den Demokraten habe sich gleichzeitig von 65% auf 72% entwickelt. Es heißt weiter: „A Gallup poll in August found that a third of Republicans had confidence in universities, which they viewed as too liberal or political. Other studies show that overwhelming numbers of white working-class men do not believe a college degree is worth the cost.”

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Kurznachrichten
Ein Beitrag auf Inside Higher Education zitiert einen jüngst vorgelegten Bericht der Firma College Board (einer der großen Anbieter von Hochschulzugangstests) zu den verschiedenen Möglichkeiten, bereits in der Oberschule anrechenbare Leistungen zu einem Hochschulabschluss zu erbringen. Es heißt: „The report addresses the more popular avenues for high school students to earn college credit, including Advanced Placement, dual or concurrent enrollment, career and technical education, Early College High School, and International Baccalaureate programs. The four factors the group identified are program quality and accountability, value for time and dollars invested, equity and access, and transparency around credit transfer.”

Der Bericht liefert Zahlen zu den einzelnen Programmen, nämlich gut 80.000 Kandidaten für ein International Baccalaureate pro Jahr, etwa 80.000 Schüler in Early College High School Programmen, über 600.000 Einschreibungen in Career and Technical Education, 1,35 Mio. in Dual or Concurrent Enrollment Programmen und 2,6 Mio Prüfungen in Advanced Placement Programmen. Der Bericht beschreibt auch, warum im sekundären Bildungsbereich mehr für die Qualifikation für ein Hochschulstudium getan werden müsse. Es heißt: „By the time high school graduates enter college, 40% to 60% must take noncredit remedial classes in English, math, or both – at a cost to students and families of $1.3 billion each year.”

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S ie finden den Bericht hier.
 
Ein Beitrag auf den Bildungsseiten der New York Times befasst sich mit der Graduate Record Examination (GRE) als einer an Beutung gewinnenden Alternative zum standardisierten Law School Admission Test (LSAT) als Zugangstest für US-amerikanische Law Schools und schreibt: „Last year, the University of Arizona law school became the first to allow applicants to submit general GRE scores as an alternative to taking the Law School Admission Test. Now, a handful of elite law schools – including Georgetown, Harvard, Columbia, Northwestern and Washington University in St. Louis – have announced they will do the same. A trickle, yes. But an elite one, and remember how the GRE began to encroach on the GMAT a decade ago? Now, 1,300 business schools accept it.”

Der Beitrag ist interaktiv und erlaubt dem Leser, sich an den Prüfungsaufgaben der beiden Tests zu messen, darunter eine zur Logik, die aus Beobachtungen in Zoos entsprungen ist. „The Naturalist: Different nonhuman primate species exhibit many contrasts in behavior. If a zookeeper leaves a screwdriver within reach of a chimpanzee, the animal is likely to examine and play with it for a time, and then move on to something else. In the same circumstances, an orangutan is likely to pretend to ignore the tool at first; later, in the zookeeper’s absence, the orangutan may use the screwdriver to try to dismantle its cage.” Unter den von den Beobachtungen des Naturalisten gestützten Vermutungen ragt die eine als besonders gut begründet hervor: „Some nonhuman primates are capable of deception.”
 
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Ein Beitrag auf Inside Higher Education sorgt sich um die Zukunft des College-Football, der infolge einer Welle von Klagen seine Regelung für den Umgang mit Gehirnerschütterungen und vor allem die Vorschriften für einen Versicherungsschutz gegen mögliche Folgen werde verändern müssen. Die im Beitrag zitierte Analogie zu Verkehrsunfällen verdeutlicht dabei, dass die bisherige Praxis von Football als Hochschulsport vermutlich nicht langfristig der Regelfall bleiben kann. Es heißt: „Driving a car into a wall at 25 miles per hour without a seatbelt would result in about 100 g’s (...) to a person's head as it hit the windshield (...). Almost all of the football-related hits to the head exceed 20 g’s, and (...) if a player took two hits of more than 80 g’s in a practice, they would have experienced the equivalent of two car crashes.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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