Ausgabe ___ | March 29 2017
11. Dezember 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Veränderung der Rahmenbedingungen nach einer US-Steuerreform
  • Schließung von Hochschul-Programmen
  • Schließung von Hochschul-Programmen
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns noch einmal mit Folgen der anstehenden Steuerreform in den USA und mit einer Reihe von Beiträgen zur sensiblen Abwicklung von nicht mehr nachgefragten oder aus anderen Gründen moribund gewordenen Programmen an Hochschulen. Wir werfen zudem einen Blick auf Ergebnisse einer vom Finanzdienstleister HSBC durchgeführten Befragung zum Studium im Ausland und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Veränderung der Rahmenbedingungen nach einer US-Steuerreform
Nachdem Repräsentantenhaus und Senat ihre Vorstellungen von einer US-amerikanischen Steuerreform vorgelegt haben, befindet sich das Verfahren derzeit noch in der Schwebe. Es wird allgemein nicht damit gerechnet, dass das Repräsentantenhaus der Senatsversion ohne Verhandlungen zustimmt. Daher müssen nun die Differenzen in Verhandlungen rasch überbrückt werden, damit – und das scheint erklärtes Ziel der Republikaner zu sein – noch vor Weihnachten Präsident Trump ein erstes bedeutendes Gesetz zu Unterschrift vorgelegt werden kann.

Inside Higher Education meldet, dass sich im Repräsentantenhaus jetzt Stimmen sammelten, von einer Besteuerung der Tuition Wavers für Graduate Students abzusehen. Ein entsprechendes Schreiben von Representative Pete Sessions an seine Kolleginnen und Kollegen argumentiere dazu mit den negativen Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Landes: „A tax on graduate tuition waivers would be unfair, would undermine our competitive position and would inhibit the economic growth that tax reform promises.” Die Senatsversion hatte diese Bestimmung nicht enthalten und der wachsende Druck auf die Abgeordneten im Repräsentantenhaus lasse nun hoffen, dass es nicht zu einer Besteuerung von Tuition Wavers kommen wird.

Sie finden die Meldung hier.

Ein Beitrag in Science befasst sich in einem Beitrag mit anderen Teilen der bevorstehenden Steuerreform, die sich negativ auf die US-amerikanische Forschungs- und Entwicklungslandschaft niederschlagen könnten, darunter auch die Pläne einer Besteuerung von Erträgen von Hochschulvermögen (wir berichteten darüber bereits in der vergangenen Ausgabe) und eine Einschränkung der Steuerabzugsfähigkeit von Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Die größte, wenn auch vielleicht abstrakteste Gefahr gehe allerdings von einem Anwachsen der Staatsverschuldung als Folge der Steuerreform aus. Zwar argumentierten die Republikaner, dass die Entlastung von Unternehmen und hohen Einkommen ein zusätzliches Wachstum erzeugen und somit weitgehend kostenneutral bleiben würde, doch würde dieser Optimismus nicht überall geteilt: „Many analysts estimate the bill will add at least $1 trillion to the national debt – now about $20 trillion – over the next decade.” Dies wäre dann (wieder) die Stunde der zurzeit nicht zu hörenden „fiscal hawks”, die sich auf die großen Ausgabenposten in der Sozialversicherung stürzen würden. Ausgaben für Forschung an Hochschulen könnten dann ebenfalls kollateralen Schaden nehmen: „Annual spending on research – a tiny part of the federal budget – could also get caught in the crossfire.”

Sie finden den Beitrag hier.

Ein Beitrag im Atlantic Monthly verweist das republikanische Narrativ für die geplante Steuerreform in den Bereich der Mythen und spezifiziert mit einigen Argumenten, warum es sich – darüber ist man sich wohl in den eher liberalen Medien einig – eher um einen Raubzug bzw. eine Plünderung öffentlicher Ressourcen handelt.

Entgegen den optimistischen Annahmen von Finanzminister Steven Mnuchin, wonach die Wachstumsimpulse aus der Steuerreform ihre Kosten neutralisieren, wenn nicht gar mehr als bezahlen würden, rechne das unabhängige Joint Committee on Taxation (JCT) mit einem Wachstumsplus von 0,8% durch die Reform und einer Vermehrung der Staatsschulden um $1 Bio. über die nächsten zehn Jahre.

Die Reduzierung der Unternehmenssteuern werde sich nicht – wie von den Republikanern versprochen – in höheren Einkommen, sondern vor allem in höheren Erträgen für Anteilseigner niederschlagen.
Auch die durch eine Senkung von Unternehmenssteuern begünstigte Repatriierung von Auslandsvermögen würde in erster Linie nicht zu vermehrten Investitionen dieser Firmen führen. Dazu heißt es: „A Bank of America/Merrill Lynch survey found that companies were eagerly anticipating what they would do with their cash. They were most likely to respond that they would pay down debt and buy up their own shares – neither of which would help workers much. Other executives have indicated that they would use the money for dividends. Recent history also suggests that companies would do more to improve shareholder returns than to invest in their businesses or expand and enrich their workforces.”
Als geradezu lächerlich erscheine die Argumentation der Republikaner, dass die Steuerreform nicht den Reichen des Landes und schon gar nicht Donald Trump zugute kommen würde, dessen Steuererklärung derzeit noch zu den am Besten gehüteten Geheimnisse des Landes gehöre. Es heißt: „Trump stands to benefit to the tune of hundreds of millions, if not billions, of dollars, according to tax analysts, though it is hard to know with much specificity, given that he refuses to release his tax returns and House and Senate Republicans keep tinkering with the legislation.” Entsprechendes gelte für die Behauptungen, die geplante Steuerreform käme vor allem dem Mittelstand und kleinen Unternehmen zugute. Eine angekündigte Studie des Finanzministeriums zum Kosten-Nutzen-Verhältnis der Steuerreform, die die von der Regierungspartei und vom Weißen Haus gemachten Annahmen stützen könnte, ließe weiterhin auf sich warten, „because it does not – and presumably cannot – exist.”

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Der Chronicle of Higher Education zitiert eine jüngste Einschätzung des Moody’s Investors Service, derzufolge sich die finanziellen Aussichten US-amerikanischer Hochschulen derzeit von „stable“ zu „negative“ entwickelten. Der Beitrag zitiert den Passus: „The higher-education sector is highly exposed to changes in federal policy or funding. Changes to financial-aid programs and tax reform could negatively affect enrollment and tuition-revenue growth, philanthropic support, and the cost of borrowing.” Eine Änderung der Prognose von „negative“ zu „stable“ sei zuvor 2015 erfolgt, nachdem sich die Bundesstaaten wieder verstärkt in die Grundfinanzierung der Hochschulen eingebracht hätten.

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Schließung von Hochschul-Programmen
In einer Reihe von Beiträgen widmete sich der Chronicle of Higher Education Anfang November mit der an zahlreichen Hochschulen in den USA diskutierten Frage, wie Studienangebote an veränderte Nachfrage und auf enger werdende finanzielle Spielräume so angepasst werden können, dass möglichst wenig Flurschaden entsteht. Es heißt: „It’s a dreaded but familiar exercise at colleges when budgets are tight and enrollment pools shrinking. Program cuts usually make headlines when top-down mandates or widespread layoffs prompt faculty to vote no confidence in the president, unions to threaten censure, or accreditors to warn of sanctions. The University of Wisconsin at Superior came under heavy criticism from both faculty members and students last month when administrators caught them by surprise in suspending two dozen majors and minors.”

Wege, die Schäden im Rahmen zu halten, erforderten vor allem, über die rein ökonomischen Aspekte anstehender Entscheidungen die menschlichen Erwägungen nicht aus dem Blick zu verlieren, also die Beschäftigungssituation der Lehrenden und die Abschlussmöglichkeiten der das jeweilige Fach noch belegenden Studierenden.

Auch könne ein behutsameres Tempo bei der Umsetzung von Programmschließungen durchaus hilfreich sein: „When the situation seems dire, boards may be tempted to cut programs quickly. That can put them on the wrong side of watchdog groups like the American Association of University Professors, which have a clear set of expectations for how such cuts should be handled, especially for tenured faculty members. The association aggressively safeguards tenure and faculty jobs, but makes exceptions when a college declares financial exigency.”

Zentral sei bei Schließungsmaßnahmen auch, dass sie nicht als eine Reaktion auf eine möglicherweise nur kurzfristig schwankende Nachfrage wahrgenommen würden, sondern als eine strategische Neuausrichtung der Ziele und des Profils der Hochschule. Zudem seien nicht immer die Programme mit den niedrigsten Einschreibezahlen die sich aufdrängenden Schließungs-Kandidaten, vor allem dann nicht, wenn sie auch einen allgemeinen Auftrag für andere Programme erfüllten: „Some liberal-arts programs, for instance, may have lower enrollments or fewer majors, but because they lack expensive laboratory equipment, they may cost less to run. Many are crucial to the college’s general-education requirements and hone writing, critical thinking, and other skills all students need.”

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Sie finden weitere Beiträge zum Thema hier.

Studieren im Ausland: Ergebnisse einer HSBC-Umfrage
PIE News, ein Magazin für Professionals in International Education, zitiert in einem Beitrag die jetzt vorgelegten Ergebnisse einer jüngsten Umfrage durch den Finanzdienstleister HSBC zur Frage, ob und wenn ja, wohin Eltern ihre Kinder zum Auslandsstudium schicken würden. Seit 2014 trägt HBSC in einer „The Value of Education (VOE)” genannten Reihe entsprechende Daten zu Bildungsausgaben im Allgemeinen und zu deren Finanzierung zusammen und ließ dazu für die jüngste Ausgabe knapp 8.500 Eltern in 15 Ländern befragen.

Der PIE-Beitrag konzentriert sich dabei auf den Aspekt des Studierens im Ausland und kann hier eine steigende Bereitschaft der Eltern feststellen, ihren Kindern durch ein Auslandsstudium einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt zu sichern. Es heißt: „42% said they would consider an international university education for their child, compared to just 35% of parents in 2016.” Als Zielländer waren unter den Befragten die USA mit 47% der Erwähnungen am populärsten, gefolgt von Australien (40%), dem VK (39%), Kanada (25%) und (als erstes nicht-englischsprachiges Land) Deutschland (23%). Nach Auffassung von Rajika Bhandari vom Institute for International Education (IIE) sei die Beliebtheit Deutschland neben der Kanadas kein glücklicher Zufall, sondern das Ergebnis einer Politik, die internationalen Studierenden den Weg in den Arbeitsmarkt ebneten: „[Germany and Canada] have implemented policies to make it easier for international students to join the skilled workforce, and taken steps toward offering a path to citizenship for highly educated, skill-based immigrants that come through its university system.”

Vor dem Hintergrund, dass Asien die bei weitem bedeutendste Herkunftsregion internationaler Studierender sei, müsse eine Entwicklung im Auge behalten werden, nämlich die wachsende Akzeptanz von Fernstudiengängen. Hierzu heißt es: „Parents in Asia are also the most likely to consider online degrees, especially in India (82%), Indonesia (80%) and China (76%), with parents in China (50%) being the most likely to consider a degree that is completely online. Almost two-thirds of parents (60%) would consider an online degree for their child if it was cheaper than the cost of a traditional campus-based degree.” Nur 10% lehnten online degrees ab, selbst wenn sie kostenlos wären.
 
Sie finden den Beitrag zur jüngsten Ausgabe von VOE hier.
 
Die Untersuchung streicht heraus, dass es über internationale Erfahrungen für Studierende hinaus auch um sehr viel Geld geht. Es heißt: „Globally, parents estimate a full higher education abroad would cost USD157,782.” Dennoch wachse der „Markt” rasant, von 2,1 Mio. internationalen Studierenden in 2001 auf nun 4,6 Mio. Die gut 1 Mio. internationalen Studierenden, die es derzeit in die USA ziehe, trügen zuletzt $39,4 zur US-amerikanischen Volkswirtschaft bei, dank der „parents’ willingness to spend on international education”. Diese Bereitschaft sei zuletzt auch in den allermeisten der 15 Länder gestiegen, in denen die Befragung durchgeführt wurde, in den USA etwa von 29% im vergangenen Jahr auf zuletzt 43%. An die Bereitschaft der Eltern in vielen asiatischen Ländern (Indien 62%, Indonesien 61%, China 59%) reichten die Ergebnisse in einigen anderen Ländern freilich nicht ganz heran (Kanada 27%, Frankreich 25%, VK 22% und Australien 17%).
 
Sie finden die Untersuchung hier.

Kurznachrichten
Die Debatte um sexuellen Missbrauch in Machtverhältnissen erfasst mittlerweile auch die nordamerikanische Hochschullandschaft. In einem „Dirty Old Men on the Faculty” überschriebenen Beitrag erinnert Sheila McMillen im Chronicle of Higher Education an die noch bis in die jüngste Vergangenheit reichende Auffassung der allermeisten Professoren, dass sexuelle Beziehungen – der Euphemismus ist dabei in der Regel „romantic entanglements” – zwischen Professoren und Studierenden erlaubt sein müssten. Der Beitrag zitiert dabei die in einem dem Thema gewidmeten Workshop aus dem Jahr 1993 ganz ohne Alarmglocken geäußerte Begründung für „romantic entanglements”: Der Professor begegne in seiner beruflichen Praxis „a kind of student … working through something that only a professor could help her with. I’m talking about a female student who, for one reason or another has unnaturally prolonged her virginity. There have been times when this virginity has been presented to me as something that I … can handle.” Es habe, so der Beitrag weiter, eine Weile gedauert, bis man dergleichen an Hochschulen nicht mehr höre. Es stehe zu hoffen, dass sich ein Ende des entsprechenden Tuns zeitnäher umsetzen ließe.

Sie finden den Beitrag hier.

In einem Beitrag auf Inside Higher Education versucht sich Judith Shapiro an einer Lösung des Hochschulen in den USA derzeit häufiger begegnenden Dilemmas, nämlich trotz aller Maßgabe von Gedanken- und Redefreiheit die Qualität von geäußerten Meinungen im Hinblick darauf zu beurteilen, ob sie der akademischen Debatte insgesamt weiterhelfen oder nicht. Letzteren könne wohl eine Art „Speakers’ Corner” auf dem Campus eingerichtet werden. Man dürfe Hochschulen nicht mit Markplätzen für Ideen gleich welcher Art verwechseln, denn sonst drohe die Verdrängung guter Ideen durch schlechtere. Zur derzeit gängigen Markt-Metapher führt sie weiterhin aus: „First of all, we might replace the metaphor of the market with the metaphor – or more than a metaphor – of representative democracy. Representatives of different sectors of the community might come together to commune and prioritize. They might agree that diversity of viewpoint is a major desideratum. They might also consider that the term ‘conservative’ is thrown around promiscuously these days and that it might be good for students to learn what it actually means when taken seriously.”

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Ein Beitrag auf MacLeans befasst sich mit dem aus einer Umfrage hervorgehenden Paradox, dass – entgegen vielen Ratgebern – eine weitere Entfernung zwischen Elternhaus und Studienort sich kostenmindernd auswirken könne. Im Gegenteil: Studiere man zu nach der elterlichen Waschmaschine, wären die Anreize einer wöchentlichen Heimfahrt unwiderstehlich und entsprechend hoch in Summe der finanzielle Aufwand. Es heißt: „People who study within a 120-km radius of their hometowns spend an average of $47.50 on each return trip, according to the Maclean’s student survey. But the cost of repeated travel rapidly accumulates.” Am kostengünstigsten sei eine Entfernung zwischen 200 und 300 Kilometern, was sich statistisch in einer Heimfahrfrequenz von 6-10 mal niederschlage, jeweils zum durchschnittlichen Preis von Can$ 108.

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Ein Beitrag auf University Affairs befasst sich mit dem auch an nordamerikanischen Hochschulen zunehmend an Bedeutung gewinnenden Problem der Verlässlichkeit von Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs vor dem Hintergrund eines immer enger werdenden Arbeitsmarkts für unbefristete Stellen in Forschung und Lehre und der gleichzeitigen Bedeutungszunahme der sog. „precarious workforce“ von befristet Beschäftigten. Die Tendenz habe ökonomische Gründe: „As full-time professors retire, universities are not replacing tenure-stream positions at the same rate; instead, more and more courses are being taught on a contract basis (remunerated per course) or through limited-term or sessional positions (where instructors teach a large number of courses, with little time for research).“ Als eine Antwort auf die mit dieser Tendenz einhergehenden Gefahr des Qualitätsverlusts versuchten sich einige Hochschulen in der Spezialisierung der Nachwuchslinien in einen „teaching stream“ und einen „research stream“ und riskierten dabei den Verlust der gegenseitigen Befruchtung von Forschung und Lehre. Daraufhin habe nun eine Hochschule nach einer neuen Antwort gesucht: „In an attempt to reverse the trends of teaching and research streams, faculty and administrators at one university eradicated the senior instructor level during the latest round of collective bargaining. In its stead, the negotiating teams on both sides of the table struck a parity committee to establish a postdoctoral teaching fellowship by 2020.“

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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