Ausgabe ___ | March 29 2017
18. September 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Mess- und Vergleichbarkeit der Leistung von Hochschuleinrichtungen
  • Viele Hochschulen verfehlen ihre eigenen Rekrutierungsziele
  • Cornell Technion eröffnet Campus in New York
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit der Mess- und Vergleichbarkeit der Leistung einzelner Hochschuleinrichtungen und mit Ergebnissen einer Umfrage zu von Hochschulen selbst gesetzten Rekrutierungszielen. Wir werfen zudem einen Blick auf den soeben in New York City eröffneten Campus der Cornell Technion und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Mess- und Vergleichbarkeit der Leistung von Hochschuleinrichtungen
In drei Beiträgen widmet sich der Chronicle of Higher Education dem Problem der Messbarkeit von Leistungen von verschiedenen Einrichtungen einer Hochschule und schreibt: „Interested in quantifying the output of your academic departments? Here’s how you might do it without alienating your faculty.”
Der erste Beitrag problematisiert am Beispiel der vom Dean des College of Arts & Sciences der Oklahoma State University gemachten Erfahrungen zur Vergleichbarkeit der 24 Departments dort. Bret Danilowicz habe sich bei seinem Amtsantritt vor fünf Jahren einen Eindruck davon verschaffen wollen, wie gut etwa die Studierenden an den einzelnen Departments lernen oder wieviel Drittmittel bzw. Spenden dort eingeworben werden. Sein Erkenntnisinteresse sei dabei allerdings aus verschiedensten Gründen auf allenfalls lauwarme Zustimmung der Fakultätsmitglieder gestoßen. Spendengelder und Forschungsmittel würden zum Beispiel nicht von allen Departments in gleichem Maße eingeworben, in einigen Departments sei ein hoher Betreuungsaufwand notwendig und Leistungsmessung würde nur vom wesentlichen Ziel ablenken, nämlich Leistung zu erbringen.

Nach fünf Jahren läge nun aber eine gemessen an der anfänglichen Skepsis bemerkenswert positive Bilanz vor: „Mr. Danilowicz’s plan – one that is unique at Oklahoma State and rare nationwide – has measured up. It has forced units to take a hard look at what they do, helped them sharpen their goals, and encouraged them to seek out precise data that can justify how they operate.”

Danilowicz selber habe allerdings auch dazu gelernt. Als ausgebildeter Naturwissenschaftler sei er zunächst sehr stark auf vergleichbare Parameter wie Drittmittel- und Publikationsstärke konzentriert gewesen, habe aber mit der Zeit eingesehen, dass für jedes Department jeweils geeignetere Parameter gefunden werden können. Er wird im Beitrag mit den Worten zitiert: „The more I learned, the more it seemed natural to have the departments develop their own criteria and do their own assessments, and for my office to give them my thoughts on what they come up with."

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Je knapper die Resourcen einer Hochschule bemessen seien, so der Tenor des zweiten Beitrags, desto größer die Versuchung in den Administrationen, die einzelnen Teile der Hochschule auf ihren Beitrag zum finanziellen Gesamtergebnis hin zu untersuchen. Als ein Beispiel dient hier katholische St. Ambrose University, die mit nur 3.200 Studierenden auf der einen Seite und starker Abhängigkeit von Studiengebühren auf der anderen in Davenport, Iowa zu überleben versuche. Es heißt: „Faced with a slight downturn in enrollment, St. Ambrose last year started comparing its departments’ finances and sending the findings via email to deans, department chiefs, and a faculty finance committee.” Die Hochschulleitung habe eine derartige Datenerhebung als Grundlage strategischer Entscheidungen für unverzichtbar angesehen, wohl wissend, dass eben nicht alle Abteilungen gleichmäßig viel kosten oder gar gleichmäßig viel zum finanziellen Ertrag der Hochschule beitragen könnten. Ein Hochschulmitarbeiter wird dazu mit den Worten zitiert: „We’re mindful of what a good liberal-arts education entails. Some departments will never be revenue-positive or revenue-neutral. All we’ve asked them is to become more efficient.”

Allerdings habe die Erhebung von solchen Zahlen auch an einem Liberal Arts College wie St. Ambrose insofern Konsequenzen, dass nun in erfolgreiche Programme mehr Mittel fließen würden und die derzeit noch weniger erfolgreichen Programme entsprechende Bemühungen unternähmen, erfolgreicher zu werden.

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In einer systematischen Übersicht fasst der Chronicle of Higher Education dann schließlich noch einmal einige der Kriterien zusammen, an denen sich die akademischen Teile einer Hochschule messen lassen müssten. Dabei geht es im wesentlichen um Einschreibungszahlen, Klassengrößen, Studienerfolg, die Produktivität der Fakultätsmitglieder und eben auch die oben angesprochenen direkten finanziellen Parameter. Die allermeisten der anderen Kriterien ließen sich freilich (so man denn wollte) auch in Geld ausdrücken, etwa die Zeit bis zum Studienabschluss oder der Anteil der Absolventen, die in ihrem jeweiligen Studienfach beschäftigt sind.

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Viele Hochschulen verfehlen ihre eigenen Rekrutierungsziele
Zuletzt, so die zentrale Aussage des soeben von Inside Higher Education veröffentlichten 2017 Survey of College and University Admissions Directors, waren in der Gesamtschau nur noch 34% der US-amerikanischen Colleges in der Lage, ihre selbst festgelegten Rekrutierungsziele für den neuen Jahrgang von Studienanfängern bis zum 1. Mai erreicht zu haben, dem Datum, „by which most institutions hope to have a class set”. Der Anteil sei dabei von 37% im vergangenen Jahr und 42% vor zwei Jahren abgesunken. Eine Bandbreite der möglichen Auswirkungen sei anzunehmen, aber mit Ausnahme weniger wohlhabender Einrichtungen seien die privaten Hochschulen mehr oder weniger stark auf vollzahlende Studierende angewiesen und auch bei den öffentlich finanzierten Einrichtungen bemesse sich der Zuschuss an den Einschreibungszahlen. Es heißt: „Failing to hit that target can be anything from an annoyance to an existential crisis.”

Deutlich besser als der landesweite Durchschnitt hätten die öffentlich finanzierten Forschungshochschulen abgeschnitten, die zu 59% ihre Rekrutierungsziele hätten erreichen können und die vom Ruf vor allem ihrer jeweiligen Flaggschiff-Campi profitierten und sich bei großem Andrang entsprechend ihre Studierenden auswählen könnten. Es heißt: „They have a strong base within their state and popularity out of state, including with international students who are increasingly important to the enrollment strategies of many American colleges.” In den anderen, weniger kompetitiven Teile der öffentlich finanzierten Hochschullandschaft sei das Bild hingegen entsprechend schlechter: „Only 22 percent of public bachelor’s/master’s institutions met their targets by May 1, and the figure was 27 percent for community colleges. (It should be noted that many community colleges do considerable recruiting during the summer.)”

Im Bereich der privaten Hochschulen gäbe es diejenigen, die auch in diesem Jahr wieder sehr viel mehr Bewerber gehabt hätten, als sie aufnehmen könnten, doch deren Zahl sei kleiner geworden, weil auch einige der Hochschulen mit diesbezüglich bislang bestem Ruf zu den 36% gehörten, die bis zum 1. Mai nicht ihre Rekturierungsziele erreicht hätten. Den erfolgreicheren unter den privaten Hochschulen koste die schwächere Nachfrage einige Prozentpunkte in der Kategorie „Selektivität”, was sich dann auf die zukünftige Attraktivität negativ auswirke. Hierzu heißt es an zwei Beispielen: „Kenyon College received 5,600 applications for the class enrolling in the fall. That's down from 6,400 the previous year and a record 7,077 the year before. The admit rate has gone up from 24 percent two years ago to 33 percent this year. Grinnell College had 5,850 applicants, down 21 percent in a year, from 7,370. This year Grinnell admitted almost 200 more applicants than last year, so the admit rate increased in a year from 20 percent to 29 percent.”

Infolge dieser Entwicklungen scheinen sich vor allem die privaten Hochschulen vermehrt auf die Rektutierung von vollzahlenden Studierenden zu konzentrieren. Sie sähen sich derzeit einem akkuten „Image Problem” gegenüber, vor allem im Bereich der Liberal Arts Education und sie fürchteten Konsequenzen aus der zurzeit Dynamik gewinnenden Debatte um die Abschaffung von Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen. Hierzu heißt es: „The idea of free tuition in public higher education is seen by most private college admissions directors as a threat to their institutions. While admissions directors in public higher education are more open to the idea, they have areas of skepticism as well.”

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Cornell Technion eröffnet Campus in New York
Die New York Times widmet sich in einem Beitrag der Eröffnung des Campus von Cornell Tech auf Roosevelt Island, einer kleinen Insel auf dem East River zwischen den New Yorker Stadtteilen Queens und Manhattan, und erinnert an die Hintergründe der Zusammenarbeit der beiden Hochschulen: „The campus was born of a 2010 competition started by the Bloomberg administration, which invited top-flight universities to compete to open an applied-science graduate center. Cornell University and its partner, the Technion-Israel Institute of Technology, were declared the winners and awarded $100 million along with a stretch of city-owned land on Roosevelt Island.”

Die Motivation Bloombergs sei seinerzeit gewesen, New York als Standort von Forschung und Entwicklung (F&E) noch weiter zu stärken und vor allem an Graduate Education zu koppeln. In einem Interview habe er diesen Zusammenhang mit den Worten verdeutlicht: „High-tech companies and new, small companies that will be the next big companies, they tend to be created where the founders go to school. You see that in Silicon Valley. Here was a chance to get a bunch of people educated and create the economy of the future for New York City.” Dazu würde Cornell Tech künftig etwa ein Dutzend Master- und Promotionsstudiengänge in Gebieten wie Informatik und Elektroingenieurwissenschaften auf Roosevelt Island anbieten. Der bereits 2012 im Gebäude der Firma Google in Chelsea aufgenommene Studienbetrieb mit mittlerweile 300 Studierenden und 30 Fakultätsmitgliedern werde ab diesem Herbst damit ein eigenes Zuhause haben. Abgerundet werden sollen die Baumaßnahmen mit einem „The Bridge” genannten Gebäude. The Bridge werde zu 30% vom Studienbetrieb der Cornell Tech genutzt, der Rest solle durch die Eigentümerfirma des Gebäudes, Forest City New York, an Unternehmensgründungen vermietet werden. Daniel Huttenlocher, der Dean von Cornell Tech, sehe in der Bridge die Verkörperung des Ziels der Hochschule, das entstehende Wissen auch wieder kommerziell und gesellschaftlich relevant werden zu lassen. Er wird mit den Worten zitiert: „Academic excellence here is necessary, but not sufficient. You also need to be engaged with the commercial or societal aspect of your work.”

Und schließlich noch eine Bemerkung zum Urheber von Cornell Tech: Neben seiner Unterstützung als Bürgermeister von New York habe Bloomberg seine Überzeugung auch noch mit weiteren $100 Mio. aus dem Vermögen seiner Stiftung belegt, Mittel, die in den Bau des Hauptgebäudes geflossen seien, dem Emma and Georgina Bloomberg Center.

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Kurznachrichten
In Kanada werden die Ergebnisse einer jüngsten Untersuchung der Organization of Economic Cooperation and Development (OECD) zum Delta zwischen Arbeitsmarkanforderungen und beliebten Studienzielen in OECD-Mitgliedländern wahrgenommen. So schreibt etwa Our Windsor zur Situation in der kanadischen Provinz Ontario: „The most popular college and university programs are business, administration and law – but all the jobs are in engineering and information technology, says a new international report on education.” Aus dem Bericht wird zudem die Feststellung zitiert: „New evidence shows that universities can fail to offer, and individuals fail to pursue, the fields of study that promise the greatest labour-market opportunities.”

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Ein klassischer Konflikt um Prioritäten verschiedener Rechtsquellen steht im Zentrum einer Forderung amerikanischer Ureinwohner an die Brown University in Rhode Island, über die der Chronicle of Higher Education berichtet. Mit Hinweis auf die Besitzrechte ihrer Vorfahren campierten demzufolge mehrere Dutzend Mitglieder des Pokanoket-Stammes auf dem Gelände der Universität und wollten erst wieder abziehen, wenn die Hochschule 375 Morgen Land aus dem Uni-Besitz zurückgegeben hätten. Man habe dabei allerdings nicht nur die Hochschulverwaltung zu überzeugen, sondern auch akademische Fachkompetenz. Es heißt: „They are at odds not only with Brown’s administration but also with faculty members who study indigenous culture. Late in August, a committee in the program of Native American and indigenous studies at Brown issued a statement that, among other things, attempted to define the difference between being a federally recognized tribe and having an indigenous background.”

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Steve Bannon ist nach Milo Yiannopoulos und Ann Coulter der nunmehr dritte Versuch der konservativen Studentenzeitung The Berkeley Patriot, das Prinzip der freien Meinungsäußerung auf dem Campus der University of California in Berkeley in seiner Gültigkeit auch für extreme oder gar extrem dumme Meinungen zu testen. Wie die New York Times berichtet, hat der Patriot für die vom 24. bis 27. September dauernde Free Speech Week einen Auftritt des ehemaligen Chef-Strategen von US-Präsident Trump und auch von Yiannopoulos angekündigt. Die Hochschulverwaltung hoffe derzeit noch, aus formalen Gründen der Entscheidung über eine Genehmigung ausweichen zu können. Es heißt: „Dan Mogulof, a spokesman for the university, said Tuesday that the event’s organizers had not submitted any of the information or forms required for the university to provide security: a description of the events, for example, and a police services request form.“

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Harvard University hat einer Meldung des Chronicle of Higher Education zufolge die Einladung an Chelsea Manning zu einem Aufenthalt als Visiting Fellow an der dortigen Kennedy School wieder zurückgezogen. Man sei damit gegenüber dem Chef der CIA, Michael Pompeo, eingeknickt, der Manning als einen „American Traitor” bezeichnet und in einem Brief an die Hochschule geschrieben habe: „Harvard’s actions implicitly tell its students that you too can be a fellow at Harvard and a felon under United States law.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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