Ausgabe ___ | March 29 2017
12. März 2018
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Wahl des Studienstandorts in Kanada
  • Vor- und (möglicherweise) Nachteile umfassender Studierendenbetreuung
  • Wie bekommt man mehr Frauen in die Führungsetagen von Unternehmen
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit einer Untersuchung zur Wahl des Studienstandorts in Kanada und mit Bemühungen US-amerikanischer Colleges, ihre Studierenden auch im zweiten Studienjahr zu umsorgen. Wir werfen zudem einen Blick auf einen ersten Bericht des im vergangenen Jahr aus der Taufe gehobenen Canada-United States Council for Advancement of Women Entrepreneurs and Business Leaders und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Wahl des Studienstandorts in Kanada
Die kanadische Academic Group widmet sich in zwei Beiträgen der Frage, wie kanadische Studierende die Auswahl ihres jeweiligen Studienstandorts getroffen hätten. Der erste Beitrag widmet sich der mit 57% erstaunlich hohen Anzahl von Studierenden, die nur die jeweilige Zielhochschule in Erwägung gezogen hätten. (Eine erstaunlich hohe Zahl von 8% hätten sich zudem nicht mehr an den Entscheidungsprozess erinnern können). Als Gründe, sich nur an einer Hochschule zu bewerben, seien in der Hälfte der Fälle „personal obligations” als ein wesentlicher einschränkender Faktor genannt worden, in knapp einem Drittel der Fälle ein genau auf die jeweils eigenen Bedürfnisse zugeschnitten erwartetes Bildungsangebot und in immerhin 22% der Fälle, dass man Bewerbungsgebühren für eine andere Hochschule habe vermeiden wollen (Mehrfachnennungen waren offensichtlich möglich).
Als Fazit fasst der Beitrag zusammen: „Overall, applicants who applied to one institution agreed that they had a clear idea of what they were looking for when they applied to PSE [Post-Secondary Education]. They also didn’t appear to regret their choice, as they generally disagreed that they’d apply to more schools if they had the chance to go back and do it over.”

Sie finden den Beitrag hier.

Der zweite Beitrag geht bei der Gruppe der Mehrfachbewerber von einer durchschnittlichen Anzahl von drei Bewerbungen aus und betrachtet die „second choice” als eine Rückfallposition für den Fall, dass es an der eigentlichen Wunschhochschule nicht klappen sollte. Für die Autoren sind die 75%, die sich an ihrer Wunschhochschule eingeschrieben hätten, enbenso interessant wie die 25%, die sich entweder (15%) an der „second choice” oder (immerhin noch 10%) an einer dritten Hochschule eingeschrieben hätten. Denn auch in der Gruppe der vermeintlich fest von dem jeweiligen Studienstandort überzeugten Studierenden gäbe es zumindestens erkennbare Ansatzpunkte erfolgversprechender Abwerbestrategien. Wie so oft im Leben, ginge es auch hier um Geld: „When it comes to changing a student’s mind about where to enroll, many institutions will immediately ask: at what price? Students who suggested they could have been swayed were asked what another school could have done to make them change their mind. The majority of students pointed to financial qualities – an offer that included an entrance scholarship (81%) or lower tuition and fees (70%) – as factors that could have swayed their decision.”
Nicht zu unterschätzen seien schließlich auch Faktoren wie die Präsentation der Hochschule in ihren Werbebemühungen und die Art des Umgangs mit Interessierten, ob also seitens der Hochschule etwa durch zeitnahe Antworten auf Anfragen der Eindruck vermittelt werde, man sei an den Studienbewerbern interessiert.

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Vor- und (möglicherweise) Nachteile umfassender Studierendenbetreuung
US-amerikanische Studienanfänger gelten aus mindestens zwei Gründen als für deutsche Hochschulen ungeeignet. Das High School Diploma erlaubt zum einen nicht ohne weiteres die Immatrikulation in Deutschland, zum anderen gelten US-Amerikaner im Alter von 17 Jahren (also nach der High School) als in der Regel noch vergleichsweise unselbständig. An US-amerikanischen Hochschulen ist dies kein Problem: Sie sorgen für eine „artgerechte”, also vor allem zu Studienbeginn intensive Betreuung von Freshmen (so heißen Studienanfänger, selbst wenn es sich um -anfängerinnen handelt).

Der wöchentliche Teaching Newsletter des Chronicle of Higher Education widmet sich in seiner jüngsten Ausgabe dem Problem einer von erstem zum zweiten Studienjahr hin deutlich nachlassenden Betreuungsintensität an der Ohio State University (OSU). Würden Erstsemester bei ihrem Eintreffen auf dem Campus noch wie frischgebackene Fußballweltmeister begrüßt, heiße es zu Beginn des dritten Semesters eher lapidar: „Oh, hi, you’re back, good luck.”

Diese Erfahrung, die man an OSU derzeit als „Sophomore Slump” in den Griff zu bekommen versuche, sei Ausdruck einer Konzentration der Studierenden-Fürsorge auf die Erstsemester und als entsprechend hart könne das Nachlassen dieser Konzentration empfunden werden. Dies ein wenig abzufedern, habe man vor fünf Jahren an Ohio State das „Second-Year Transformational Experience Program” aus der Taufe gehoben. Abgekürzt mit STEP setze das Programm zum einen die Initiative des vormaligen OSU-Präsidenten E. Gordon Gee um, der Studierende auch im zweiten Jahr auf dem Campus untergebracht sehen wollte, zum anderen würde damit auch ein zweites Problem fortgeschrittener Studienjahrgänge angegangen: „According to the National Survey of Student Engagement, 80 percent of Ohio State seniors said they had little or no faculty contact outside of the classroom.”

Der Blick auf STEP als Betreuungsprogramm an einer ordentlichen, aus öffentlichen Mitteln finanzierten US-Hochschule gibt einen Eindruck vom als angemessen betrachteten Umfang der Betreuung für Studierende im zweiten Studienjahr, damit sich diese nicht unbetreut fühlen. Es heißt: „STEP (…) revolves around weekly meetings between faculty mentors and cohorts of 15 sophomores held in residence halls. In the spring, each student works with the professor to write a proposal for engaging in a high-impact practice, like an internship or undergraduate research. The proposals include a budget, and if they’re approved, students can get up to $2,000 to fund them.”

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Wie bekommt man mehr Frauen in die Führungsetagen von Unternehmen
Zum Internationalen Frauentag widmet sich der kanadische Globe and Mail der Frage, wie die Hochschulen in den USA und Kanada dazu beitragen könnten, mehr Frauen in die Führungsetagen von Technologieunternehmen zu bringen. Der im vergangenen Jahr bei einem Treffen zwischen Justin Trudeau und Donald Trump ins Leben gerufene Canada-United States Council for Advancement of Women Entrepreneurs and Business Leaders habe dazu in einem zum 8. März vorgelegten Bericht noch einmal auf die Stärke der Schieflage hingewiesen: „Women account for about 36 per cent of entry-level workers in the technology sector at large U.S. companies, the report said, and just 17 per cent of top C-Suite executives [CEO, CFO, COO, CIO, gelegentlich auch CTO].”

Man sei sich im wesentlichen einig, dass mit Bemühungen zur Vergrößerung des Frauenanteils in technischen Berufen bereits in der Schule begonnen werden müsse, doch vor allem in der terziären Bildung müssten die noch enormen „Leitungsverluste” zwischen den verschiedenen Karrierestufen angegangen werden. Die Unternehmen müssten zudem mit konkreten Zielvorgaben zur Diversifizierung ihres oberen Managements angehalten werden und dies eben auch in den technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen.

Es fehle nicht an einigen ermutigenden Beispielen wie etwa dem Engineering Department der University of Toronto, dessen Anfängerklasse im vergangenen Jahr bereits zu 42% aus Frauen bestanden habe und wo es gelungen sei, den Frauenanteil bei den Fakultätsmitgliedern innerhalb der letzten zehn Jahre von 9% auf 22% zu steigern. Am Harvey Mudd College in Kalifornien, wo man vor zehn Jahren bei den Informatikern noch Studentinnen mit der Lupe hätte suchen müssen, seien mittlerweile die Frauen unter den Absolventen in Computer Science in der Mehrheit, getragen auch von einem Frauenanteil in der Fakultät von nun 40% und laut Report auch von einem veränderten Lehr- und Lernklima, nämlich durch „creating a culture that emphasizes openness, inclusivity and support, rather than competitiveness among students. Students work on group puzzles, 3-D graphics, and other engaging projects, and are offered research opportunities after their first year.”

Zwar würden mittlerweile mehr als ein Dutzend anderer US-Colleges mit ähnlichen Methoden arbeiten, doch den Initiatoren der Kampagne gehe dies nicht schnell genug und man wolle daher die Anreize zur Verbesserung der Ausbildung von Frauen in den STEM-Fächern noch einmal deutlich erhöhen.
Zudem gäbe es eine verzerrte öffentliche Wahrnehmung, die derzeit noch eine dynamischere Entwicklung in die richtige Richtung verhindere und die von einer der Initiatorinnen der Kampagne mit den Worten umschrieben wird: „I think part of the problem why we don't have momentum building everywhere is because of a misconception that we don’t have women in STEM, and that’s not at all the case. That’s why one of our key recommendations is that we do a better job broadcasting and sharing this information and also the best practices those institutions used in order to have the results they did.”

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Kurznachrichten
Anlässlich des Weltfrauentags brachte der Chronicle of Higher Education einen Beitrag zur geschlechterspezifischen „Aufgabenteilung” bei der Betreuung von Promovierenden, deren in der Regel männlicher Professor – hier eingeführt als „Professor Reputation” – durch anderweitige, reputationsfördernde Auslastung für die Betreuung nicht zur Verfügung stünde. Die Folge: „Desperate for assistance, students turn for help to another faculty member, often a woman. This professor is torn: She wants to help the abandoned student but she knows that, by doing so, she is enabling a system that allows Professor Reputation to continue to burnish his, well, reputation as a producer of fine Ph.D. students while Professor Ghost Adviser will get little if any recognition for the hours she spends improving the work of his student. Professor Ghost Adviser knows that if she refuses to help, the one who gets hurt is the student – not Professor Reputation, who will very likely lay the blame for a weak dissertation on the student.”

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Ein Beitrag auf Inside Higher Education wirft einen Blick auf das offensichtlich noch unzureichende Beschwerdegewicht der Bildungsforscherin Susan Dynarski gegenüber Kevin Hassett, dem Chairman of the White House Council of Economic Advisers. Dynarski werfe Hassett vor, seine Vorstellungen von einer effizienteren Gestaltung von Studienförderung aus Bundesmitteln im Wesentlichen aus einem 2006 von ihr gemeinsam mit Judith Scott-Clayton veröffentlichten Paper ohne Quellenangabe abgeschrieben zu haben. Es heißt: „When she contacted Hassett at the time, Dynarski said, he acknowledged her authorship of the ideas but refused to make a correction, although he later praised the two scholars’ work in a separate publication.”

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Der Globe and Mail zitiert eine Untersuchung zu den Auswirkungen des Endes der Zwangspensionierung von Professoren mit 65 Jahren in der kanadischen Provinz Ontario im Jahr 2006. Statt eines vom Gesetzgeber erhofften Eintritts in den Ruhestand im Alter von 67 Jahren seien Professoren in ihren 70ern zum Normalfall geworden, was die Hochschulhaushalte belaste und für den Nachwuchs die Entwicklungschancen schmälere. Es heißt: „Approximately 2,000 full-time professorial jobs would have been created over the past decade if the salary costs of the entire over-65 faculty cohort was applied toward hiring new PhD graduates into permanent positions, the report calculates.”

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Times Higher Education zitiert eine soeben vorgelegte Untersuchung, derzufolge in den USA mit 27,5% ein im weltweiten Vergleich unterdurchschnittlicher Anteil der Studierenden privat finanzierte Einrichtungen besuchten. Deutlich über dem Durschnitt von 32,9% lägen lateinamerikanische (48,8%) und asiatische (42,1%) Länder.

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Times Higher Education zitiert jüngste Zahlen verschiedener kanadischer Hochschulverbände, nach denen sich die Anzahl internationaler Studierender in Kanada zwischen 2016 und 2017 im Durchschnitt um 11% auf nun knapp 200.000 erhöht habe. Es heißt: „British Columbia leads the way with a 15.6 per cent jump. Several universities in the country have reported double-digit rises in international applications to graduate programmes since the UK’s Brexit vote and the election of Donald Trump as US president. The Canadian government also has an ambitious plan to increase the number of international students to 450,000 by 2022.” Die internationale Mobilität kanadischer Studierender habe sich allerdings nicht in erwünschtem Umfang entwickelt. Hierzu heißt es: „Only 3.1 per cent of Canadian university students per year – or about 11 per cent of undergraduate students over the course of a degree – take part in a study abroad experience.”

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Sehr bald nach der überraschenden Absage von Alberto M. Carvalho in der vergangenen Woche, als Superintendent die Aufsicht über die Schulen der Stadt New York und damit des größten Schulbezirks der USA zu übernehmen, ist man laut New York Times bereits in dieser Woche fündig geworden. Mit Richard A. Carranza sei nun der derzeitige Superintendent des Houston Independent School District angeworben worden. Mit ihm käme nicht nur das Wohlwollen eines ausgesprochenen Fans von Carranza, nämlich dem CEO der Firma Salesforce, sondern auch Volksmusik aus dem Westen Mexikos in das New Yorker Rathaus. Es heißt zum offensichtlich erfolgreich verlaufenen Vorstellungsgespräch: „It was not a conventional job interview. At one of his first meetings with Mayor Bill de Blasio and his wife, Chirlane McCray, to discuss the job of New York City schools chancellor, Richard A. Carranza serenaded them with a mariachi song: ‘Maria Elena’.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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