Ein Beitrag befasst sich im Chronicle of Higher Education mit dem „Campus Innovation Myth” und meint damit das eklatante Missverhältnis zwischen den zahlreichen Ankündigungen von bahnbrechenden Erneuerungen der Ausbildung an Hochschulen und der eher überschaubaren Anzahl von Fällen, wo diesen Ankündigungen auch entsprechend wirksame Veränderungen folgten. Würde man die Ankündigungen von Hochschulen vorher einem peer-review-Verfahren aussetzen, so André Spicer von der City University of London, könne man sich vieles von dem ersparen, was er „business bullshit” nennt, also die von ehrgeizigen Hochschulen nach außen hin gepflegte Sprache, um als zur Avantgarde gehörend wahrgenommen zu werden bzw. sich sogar noch von den peers abzusetzen.
Der Beitrag führt weiter aus und versucht, drei grundlegende Missverständnisse aufzuklären. Das erste sei, dass die gegenseitige Befruchtungen von Academia und Umland, wie sie etwa bei Stanford University und dem Silicon Valley oder beim MIT und bei Harvard in Boston stattgefunden hat, reproduzierbar seien. Es heißt: „Such efforts rarely succeed. The historian Marc Levine examined the relationship between universities and local economies in 55 regions in the United States, and found ‘no meaningful correlations between any gauges of entrepreneurial university activity and … city and regional economic well-being.’ The science-policy experts Paul Nightingale and Alex Coad put it even more baldly in their summary of a generation of research at Britain’s Science Policy Research Unit: ‘In Europe and the U.S., it is probably fair to say that there is not a single example of a successful cluster’ created by policy intervention.”
Das zweite Missverständnis sei das vom Zusammenhang zwischen Universitäten und Innovationen und die Frage laute, ob die verschiedenen, zum Teil sehr ehrgeizigen Hochschulen, in vergleichbarem Maße als Inkubatoren taugten. Hier führt der Beitrag zu einem Projekt an Stanford aus: „The record is mixed. Stanford University’s CS+X project, for example, posits that combining computer science with another ‘X’ discipline in the humanities will ‘help undergraduates balance pragmatism with ambition.’ Educating students adept in a combination of humanistic and technological knowledge is highly desirable, but as the CS+X moniker makes clear, in this form collaborating fields are subsidiary to engineering. Despite Google’s championing of the program and its emulation by flagship public universities and private regional colleges alike, Stanford recently announced CS+X is being discontinued for failing to meet its lofty ambitions.”
Das dritte Missverständnis sei, dass Initiativen zur Förderung der Innovationskraft an Hochschulen auch helfen könnten, die Einkommensunterschiede zwischen „dicht an der Innovation” und „weiter davon entfernt” etwas auszugleichen. Hier wird das Beispiel von Virginia Tech zitiert, dessen Innovation Campus von Haushaltsjahreseinkommen von über $120.000 umrahmt sei, während in nur etwas weiterer Entfernung die Einkommen bei unter $30.000 lägen. Es heißt: „Tech-heavy cities like New York City, Seattle, and Silicon Valley have become more economically unequal. That is, to the degree that innovation campuses succeed, they exacerbate inequality in local communities.”
Warum aber, so der Beitrag weiter, würden dann Hochschulen weiterhin auf der Suche nach dem heiligen Gral der Innovation bleiben bzw. ihre mühsamen und in den allermeisten Fälle erfolglosen Suchschritte als Gralsfund verkaufen. Hierzu heißt es: „For starters, universities face real challenges to innovate that place significant pressures on administrators. (…) The Chronicle, it must also be said, has been among the most vocal proponents of innovation as the solution.”
Wenn es um Innovation ginge, dann seien vor allem die mutigen Schritte gefragt, wie sie unternehmerisch erscheinende Hochschulpräsidenten vom Schlage Michael Crow (Arizona State University) oder David Skorton (ehemals Cornell University) verkörperten. Von ihren Ambitionen höre man allerdings deutlich mehr als von den tatsächlichen Ergebnissen. Hier heißt es zu Crow: „As executive vice provost at Columbia University, Crow blew $25 million on Fathom.com, a for-profit online-learning portal, before killing the dot-com, in 2003. By that time, Crow had moved on to ‘disrupt’ higher education at ASU. The episode should serve as a cautionary tale in the innovation-campus boom.”
 
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