Ausgabe ___ | March 29 2017
13. November 2017
Nordamerika Nachrichten
Dieser Newsletter informiert deutschsprachige Leser über aktuelle Entwicklungen und Trends im Hochschulwesen der USA und Kanada.
Themen dieser Woche:

  • Wie begeistert man Frauen für technische Berufe?
  • The Disappearing American Grad Student
  • Internationalisierungsbemühungen kanadischer Hochschulen
  • Kurznachrichten
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Ausgabe befassen wir uns mit einer Reihe von Beiträgen zur Frage, wie man den Frauenanteil in auf technische Berufe hin ausgerichteten Hochschulprogrammen erhöhen kann, und mit Zahlen zum Anteil internationaler Studierender in nordamerikanischen Graduate-Studiengängen in Computer Sciences. Wir werfen zudem einen Blick auf eine Untersuchung, die die kanadische Regierung zu verstärkten Investitionen in die internationale Mobilität von Studierenden des Landes aufruft, und schließlich auf verschiedene Kurznachrichten der Woche.

Ich wünsche Ihnen wie immer eine interessante Lektüre.

Stefan Altevogt
Wie begeistert man Frauen für technische Berufe?
In einem aus drei Beiträgen bestehenden Special Report widmet sich der Chronicle of Higher Education in dieser Woche der Frage, wie man den eklatanten Gender Gap in technischen Berufen schließen und damit auch verhindern könne, dass in zahlreichen zukunftsträchtigen Berufen erhebliches Potenzial ungenutzt bleibe.
Der erste Beitrag beschreibt die Duke Technology Scholars (DTech) genannte Antwort an der Duke University auf die folgende Schieflage: „In 2015, women held only a quarter of the nation’s computing jobs, though they made up 57 percent of the work force, according to the National Center for Women and Information Technology.”  
Die Antwort an Duke University, das sich ausschließlich an Frauen richtende DTech-Programm, besteht im Wesentlichen aus einem bezahlten und 12-14 Wochen dauernden Industriepraktikum, einem betreuungsintensiven Mentoring und einer Einbindung in ein entsprechend auf technische Berufe ausgerichtetes Ehemaligen-Netzwerk. Es heißt im Mission Statement: „The Duke Technology Scholars Program is a comprehensive effort to inspire a more diverse group of Duke students to choose careers in computer science and electrical & computer engineering. Our goal is to create a pipeline of tech-savvy individuals who will thrive in an industry that is the backbone of our society and economy.”
In den zwei Jahren seines Bestehens hätten bislang 41 Frauen das Programm durchlaufen und die allermeisten von ihnen hätten eine weitere Praktikumszusage für den Verlauf des Studiums bzw. ein Stellenangebot für die Zeit nach dem Abschluss erhalten. Das Programm habe freilich auch einen Preis, der ohne besondere Mittel nicht so einfach zu bezahlen wäre. Dazu heißt es: „There are people who are working to encourage more women to enter the field. One is an anonymous Duke parent from Northern California who donated $1.5 million to fund the university’s DTech program.”

Sie finden den Beitrag hier .

Sie finden DTech hier .

Der zweite Beitrag listet eine Reihe anderer Programme, die – ähnlich dem DTech Program – Frauen und anderen Minderheiten den Einstieg in scheinbar nur Nerds vorbehaltene Berufe ermöglichen sollen. Google hat etwa mit der Howard University, einer „historically black university”, ein gemeinsames Programm am Hauptsitz der Firma im kalifornischen Mountainview mit Namen „Howard West” eingerichtet, mit dem Studierende im Hauptfach Computer Science über ein 12-wöchiges Praktikum den Einstieg in das Berufsleben finden sollen.
Am Harvey Mudd College habe man den Einführungskurs in Computer Science zweigeteilt, um in einer Gruppe mit geringeren Vorkenntnissen die ansonsten in Gegenwart von etwas fortgeschritteneren Studierenden üblichen Frustrationseffekte zu vermeiden. Hierzu heißt es: „Often those students are women and members of underrepresented minority groups.”
An der Carnegie Mellon University wolle man hingegen vermeiden, Wohlfühloasen eigens für Frauen zu schaffen, und man fördere hier vielmehr Mentoring-Programme und Netzwerkbildung für Frauen, Dinge, zu denen die männlichen Kollegen ohnehin neigen würden. Die Strategie scheine sich auszuzahlen: „This academic year, for the first time ever at the university, where a majority of students major in STEM fields, more than half of the first-year students are women.”
In den Studierendenwohnheimen der Engineering School an Virginia Tech, an der University of Texas oder an Ohio State University seien bestimmte Etagen Frauen vorbehalten, um ebenfalls besser funktionierende Netzwerke zu fördern.
An der University of Maryland-Baltimore County fördere man schließlich die Karrieren von Frauen und andern in STEM-Fächern unterrepräsentierten Gruppen durch gezielte Stipendien: „The merit-based awards range from $5,000 to $15,000 for in-state students and $10,000 to $22,000 for out-of-state students. The recipients receive extra mentoring as part of the program.”

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Der dritte Beitrag listet schließlich „3 Ways to Get More Women Into Tech” und schreibt: „By pairing theory with exciting, real-work applications, we can capture the interest and enthusiasm of more students – including women.”
Im Prinzip würden die gleichen didaktischen Prinzipien gelten, denen man auch anderswo vertraut, nämlich die Kurse so zu gestalten, dass sie eine aktivstmögliche Beteiligung der Studierenden erlauben, dann zweitens den Studierenden Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Fähigkeit der Kooperation mit anderen zu geben und drittens schließlich Erfolg in einem Fach wie Computer Science aus dem Bereich des Mystischen auf den Boden der Wirklichkeit zurückzuholen.

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The Disappearing American Grad Student
Die New York Times widmet sich in einem Beitrag der mittlerweile bemerkenswerten Beliebtheit US-amerikanischer Graduate Schools bei internationalen Studierenden und schreibt zu einem Fallbeispiel: „There are two very different pictures of the students roaming the hallways and labs at New York University’s Tandon School of Engineering. At the undergraduate level, 80 percent are United States residents. At the graduate level, the number is reversed: About 80 percent hail from India, China, Korea, Turkey and other foreign countries.“ Dies sei zwar ein extremer Wert, doch gerade in Fächern wie Mathematik, Informatik oder Ingenieurwissenschaften läge nach Zahlen des Council of Graduate Schools (CGS) aus dem Jahr 2015 der Anteil internationaler Studierender bei CGS-Mitgliedshochschulen im Durchschnitt bei 55%, hoch genug für die Schlagzeile des Beitrags: „The Disappearing American Grad Student“. Im Gegensatz dazu läge in geisteswissenschaftlichen Fächern der Anteil internationaler Grad Students bei gerade mal 16% und in Betriebs- oder Volkswirtschaftslehre bei 18%.
Der Beitrag zitiert zudem eine jährlich von der Computing Research Association vorgelegte Untersuchung, den Taulbee Survey, der einen jeweiligen Zustandsbericht der nordamerikanischen Talent-Pipeline für Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook oder Microsoft gebe. Dieser Nachwuchs werde danach weit überwiegend (80%) in Computer Science (CS) und zu einem geringeren Anteil in Computer Engineering (CE) und Informatik (I) an insgesamt 268 Departments mit Promotionsrecht in den USA und Kanada ausgebildet. Der Anteil von internationalen Studierenden (auf temporären Visa in Nordamerika) in Promotionsstudiengängen dieser Departments hat dabei zuletzt bei über 62% gelegen. Bei Master-Abschlüssen der Departments lag der Anteil der internationalen Studierenden sogar bei fast 71%, auf dem Niveau des Bachelor Degrees hingegen bei etwas über 9%. Die New York Times sieht für diese Diskrepanz den folgenden Grund: „For the most part, Americans don’t see the need for an advanced degree when there are so many professional opportunities waiting for them. For some, the price is just too high when they have so much student debt already.”
Ein weiteres noch zu hebendes Potenzial an Talent ist ebenfalls aus den Zahlen zu erkennen, das von Frauen in Computer Sciences nämlich (siehe oben). Auch hierzu die Zahlen aus dem Taulbee Survey: Auf dem Level des Bachelor Degrees lag der Frauenanteil zuletzt bei 18%, auf dem Master’s Degree bei knapp 30% und bei den Doktoranden bei knapp 22%.

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Sie finden den Taulbee-Survey hier .

Internationalisierungsbemühungen kanadischer Hochschulen
Kanada rangiert als Zielland internationaler Studierender seit Jahren in der weltweiten Spitzengruppe, doch haben auf der anderen Seite die Hochschulen des Landes nach wie vor große Probleme, ihre Studierenden vom Wert von Auslandserfahrungen während des Studiums zu überzeugen. Laut des soeben vorgelegten Berichts „Global Education for Canadians: Equipping Young Canadians to Succeed at Home and Abroad” lag der Anteil kanadischer Studierender, die einen anrechenbaren Teil ihres Studiums im Ausland verbracht hatten, zuletzt bei 10%, während in den USA 15% erreicht wurden, in Australien 17% und in Deutschland (auch dank europäischer Mobilitätsprogramme) 28%.
Der Bericht wurde gemeinsam von der Munk School of Global Affairs der University of Toronto und dem
Centre for International Policy Studies der University of Ottawa mit dem Ziel erstellt, die kanadische Regierung zu namhaften Investitionen in die internationale Erfahrung von jungen Kanadiern zu bewegen. Es heißt zum angestrebten Volumen: „The federal government should make a 10-year catalytic investment in a Go Global Canada initiative as the lynchpin of a national strategy on global education. The estimated federal contribution should ramp up to approximately $75 million per year in the first five years to meet the targets of Go Global Canada.”
Die Untersuchung stellt zudem fest, dass sich die Zielländer international mobiler Kanadier erheblich von den Ländern unterschieden, mit denen Kanada intensive wirtschaftliche Beziehungen unterhalte bzw. wo sich diese wirtschaftlichen Beziehungen am dynamischsten entwickelten. Das deutlichste Beispiel sei hierbei China, das derzeit nur von 3% der international mobilen kanadischen Studierenden als Zielland gewählt würde, bis 2030 aber bereits 28% des globalen Bruttosozialprodukts erwirtschaften werde.
Als wichtigste Gründe für das Problem im Allgemeinen (zu wenige Kanadier gehen während des Studiums ins Ausland) und im Besonderen (die dynamischsten Regionen der Welt sind als Zielregionen deutlich unterrepräsentiert) nennt der Bericht: „In surveys of students, by far the most commonly cited barrier is cost. Inflexible curricular or credit transfer policies, and concerns about delayed graduation, come next, followed by several other impediments: lack of commitment from faculty members to education abroad; lack of knowledge about international learning opportunities; discomfort with cultural and language differences; and health and safety concerns.”

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Die Pressemitteilung der University of Toronto hebt denn auch hervor, dass die Go Global Canada Initiative zum einen den Herausforderungen einer immer stärker vernetzten Weltwirtschaft entsprechen solle und zum anderen gerade wegen der Verknüpfung von internationalen Erfahrungen mit der Fähigkeit, international wirtschaftlich relevant zu bleiben, die internationalen Erfahrungen auch in diesen Regionen erworben werden sollten. Es heißt: „The report calls for a Canadian global education strategy with clear goals and targets, which include: (…) Set a target of 50 per cent of all Go Global Canada students going to emerging countries within 10 years.”

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Der Globe and Mail zitiert in einem Beitrag zur Untersuchung einen der Co-Autoren mit den Worten: „If you look at the trends in Canada’s trade relationships and trends within the global economy, it’s quite likely that we are going to be dealing with a shifting set of trade partners in the coming years; we already are. This is a long-term investment in the ability of our country to be engaging with those societies, and not just economically, but in other areas as well.”

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Kurznachrichten
Die New York Times befasst sich in einem Beitrag mit den erfolgreichen Bemühungen reicher US-Hochschulen, die Erträge ihrer Stiftungsvermögen durch Konstruktionen in sog. „Steuerparadiesen” vor dem Zugriff des amerikanischen Fiskus zu schützen. In diesem Zusammenhang werden auch Zahlen zu Hochschulvermögen und deren Konzentration auf wenige Einrichtungen genannt. Es heißt: „Buoyed by lucrative tax breaks, college endowments have amassed more than $500 billion nationwide. The wealth is concentrated in a small group of schools, tilting toward private institutions like those in the Ivy League and other highly selective colleges. About 11 percent of higher-education institutions in the United States hold 74 percent of the money, according to an analysis in 2015 by the Congressional Research Service.”

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In der kanadische Provinz Ontario sei der Hochschulbesuch einem Beitrag im The Star zufolge für Kinder aus einkommensschwächeren Familien auf dem besten Weg zur Kostenlosigkeit. Zum einen könne man nun vier Monate früher als zuvor einen Antrag auf Studienbeihilfen stellen, zum zweiten würden mittlerweile 210.000 Studierende in der Provinz Stipendien in Höhe von wenigstens der Studiengebühren erhalten und drittens müssten künftig Studiendarlehen erst ab einem Einkommen oberhalb von Can$ 35.000 pro Jahr zurückgezahlt werden.

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Inside Higher Education zitiert eine Einschätzung des Moody’s Investors Service, derzufolge der Spielraum für Erhöhung von Studiengebühren für private und öffentliche Hochschulen und damit auch die entsprechenden Einnahmen vergleichsweise klein geworden sei. Es heißt: „Median net tuition revenue growth at surveyed private universities is expected to notch 2.4 percent. Median net tuition growth at public universities is only expected to come in at 2 percent. The projected growth is still relatively low, Moody’s noted. Universities face a competitive environment and slow growth in total enrollment, constraining their power to raise tuition.”

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Auf Yale Global Online diskutiert Paul Axelrod die Frage, ob die derzeitige Konzentration auf Fächer in den Bereichen Science, Technology, Engineering and Mathematics (STEM) auf Kosten geistes- und sozialwissenschaftlicher Fächer nicht eine falsche Strategie im Hinblick auf schwer vorauszusagende Entwicklungen des Arbeitsmarktes sei. Es heißt: „Higher education is not insulated from economic downturns and instability. Studies in Canada, for example, show that in buoyant times, STEM graduates earn more than those from the arts and social sciences, though in the long term, the latter thrive and do far better than those with college level or no post-secondary education. In bad times, graduates from all fields struggle, including those from applied professional programs.”

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Inside Higher Education meldet die Veröffentlichung einer Datenbank zur Effektivität von Online Programmen und zitiert aus der begleitenden Presseerklärung eine der beteiligten Forscherinnen mit den Worten: „We’re not here to convince faculty that online teaching and learning is always effective. This database is meant to give them an opportunity to dig in and read the studies themselves and make their own assessments of the outcomes of those studies.” Eine von Inside Higher Education durchgeführte Untersuchung hatte zuvor ergeben, dass bislang lediglich ein Drittel der Hochschullehrer davon überzeugt sei, online-Programme könnten so effektiv wie traditioneller Seminarunterricht sein und es heißt weiter: „Generally skepticism among faculty about the practice [of online learning] remains high.”

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Dr. Nina Lemmens
Stefan Altevogt, Katrin Kempiners, Redaktion

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